Spricht man mit der Band über die Herkunft des Bandnamens, so bekommt man zwei Versionen zu hören. Natürlich sind da die Hotellobby und die einzelnen Zimmer, in denen sich die Charaktere aus den Songs begegnen und ihre Geschichten erzählen. Für die fünf Musiker bedeutet der Begriff Hotel aber auch die musikalische Kommunikation untereinander, haben sie sich doch aus unterschiedlichen Formationen und Genres zusammengefunden.

Zusätzlich gibt es eine weitere, etwas profanere Version, die sich auf eine Szene aus dem Film „Einer flog übers Kuckucksnest“ bezieht, in der Monopoly gespielt wird und Martini immer wieder ein Hotel auf das Spielbrett stellt, obwohl er es gar nicht kaufen kann. Für die Band als große Fans des Films wird der Begriff im Zusammenspiel zum Synonym und Running Gag bei Fehlern jedweder Art, die fortan nur noch mit „Hotel“ quittiert werden.

Der Ursprung der Band geht zurück bis in die Neunziger Jahre in denen Sänger Piele Marx mit seiner Punkband Cruel World Emigrants und Gitarrist Claas Lübbert mit Quecksilber  unterwegs sind. Man kennt sich, es gibt die üblichen Rangeleien um die Auftrittsreihenfolge, z.B. bei einem Festival im Schlosspark, eine Zusammenarbeit liegt zu diesem Zeitpunkt aber noch in weiter Ferne.

Zunächst einmal gründet Sänger Piele Marx 2004 zusammen mit fünf Mitstreitern das Art-Rock Projekt Huntlosen. Mit dabei sind hier aber schon Volker Vößing am Bass, Roland Scheermann an der Gitarre und Michael Von der Landwehr am Schlagzeug. Die musikalische Ausrichtung der Band ist aber durch die Hinzunahme von Geige, Akkordeon und Posaune eher ruhiger, fast kammermusikalisch. Einflüsse von Sven Regners Kombo Element Of Crime werden hier, nicht nur auf Grund der Instrumentierung, deutlich. Das Sextett ist bis 2008 in Norddeutschland unterwegs und hinterlässt auf Soundcloud zwei Tondokumente, die EP „Schäbbich“ – bei deren Produktion man sich an Claas Lübbert erinnert und ihn zur Mithilfe einlädt –  und „Huntlosen Live“, aufgenommen 2005 in der Lagerhalle Osnabrück.

2008 ist dann Schluss und Piele Marx und seine Freunde verordnen sich eine knapp fünfjährige Pause, um sich musikalisch neu zu sortieren.

2012 gründen Marx, Scheermann, Von der Landwehr und Vößing dann die Band Hotel, zunächst als Quartett. Sie konzentrieren sich auf die klassische Rockbesetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, ohne Keyboards oder zusätzliche andere Instrumente. Das Ziel ist ehrliche, kernige und geradlinige Rockmusik mit deutschen Texten, die sich an der Hamburger Szene und Bands wie Tocotronic, Tomte aber auch Fehlfarben orientiert.

2017 stößt dann Claas Lübbert als zweiter Gitarrist zur Band und ermöglicht es, sich musikalisch breiter aufzustellen. Auch hier greift der Hotel-Gedanke, die Bewohner der einzelnen musikalischen Zimmer mit ihren unterschiedlichen Ideen und Einflüssen begegnen einander und bilden das Fundament für die nachdenklichen Texte und Geschichten ihres Frontmanns Piele Marx.

 

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Dieser ist aber, genauso wie auf der musikalischen Ebene jederzeit für Beiträge seiner Bandkollegen offen. So entsteht z. B. der Song „Hotel“ – eine Liebeserklärung an die Stadt Hamburg – in einer Kooperation mit dem Gitarristen Roland Scheermann, dessen Idee Marx im Refrain singbarer macht. „Hotel“ wird gleichzeitig zum Signature-Song der Gruppe und eine schöne akustische Version gibt es hier:

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Mit der Zeit konsolidiert sich der Sound des Quintetts. Claas Lübbert bezeichnet das musikalische Konzept als Inhaber geführt. Hotel gehört zu keiner Kette sondern ist individuell, zeigt klare Kante und ist eine bisschen unbequem. Dabei spielt die Melancholie in den Texten von Piele Marx eine große Rolle. Seine Songs lassen sich oft sowohl in die eine, wie auch die andere Richtung deuten. Deshalb sind die Lieder der Band auch keine plakativen Protestsongs sondern an der Realität orientierte Geschichten, die Haltung und eine ausgeprägte Ernsthaftigkeit zeigen. Eine sehr schönes Beispiel ist hier „Am Tropf der gespielten Ernsthaftigkeit“ im Rahmen der „acoustic lounge 2022“ in der Osnabrücker Lagerhalle.

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Im Corona-Jahr 2020 geht Hotel dann in Osnabrück ins DocMaKlang Tonstudio und nimmt dort die EP HOTEL auf und gewinnt als Vertriebspartner das Label Timezone. Leider implodiert die Veröffentlichung fast vollständig im ersten Pandemie Jahr. Dreimal wird eine Release-Party im Osnabrücker Westwerk verlegt und letztendlich ganz abgesagt, der erhoffte Aufmerksamkeitsschub versickert

Dennoch macht die Band weiter, hat eine treue Fangemeinde, die zu den Auftritten kommt und erschließt sich im Laufe der Zeit alternative Möglichkeiten aufzutreten. Bei diesem neuen Konzept helfen wider Erwarten Facebook und Instagram. So entsteht ein kleines Netzwerk aus Kneipen, Wohnzimmern und anderen Orten in denen Hotel auftritt, unter anderem in der kleinen Kaffeerösterei Espresso in Hamburg oder im Eisen, einer Eckkneipe in Bremen, fest in grün-weißer Hand. Dazu kommen eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Musikbüro in Osnabrück, zuletzt am 27.08.2023 beim Bürgerfest auf dem Wall und regelmäßige Auftritte im Frauengefängnis in Vechta.

In Zukunft plant die Band, wieder ins Studio zu gehen und strebt eine Zusammenarbeit mit einem kleineren Vinyl-Label an, das die Musiker auch über die rein logistische Seite hinaus unterstützt.

Live und unplugged sind Hotel am 15.12.2023 im Gemeinschaftszentrum Dodesheide an der Lerchenstraße zu hören.

Foto: Bernd SeymeFoto: Bernd Seyme

Hotel im Netz:

Hotel „Off The Record“ – Live im Hafenkiosk Osnabrück https://youtu.be/UXmcGqEa6MI?si=Ofalcnrcp7TuFA2N

Hotel “acoustic lounge 2022”

https://youtu.be/Cu9E6UFPy-E?si=EYY0EcqZIB38Z_30

https://youtu.be/Ilh8W6Hlmzg?si=uTB5O-90RYAeu8-Z

Hotel im akustischen Weihnachtskalender 2021

https://youtu.be/6dHl82rzZaw?si=5I9Ewv8OJMHfauA4

Hotel bei Apple Music: https://music.apple.com/de/album/hotel-ep/1540770235

Hotel bei Spotify: https://spotify.link/Y7urGXNmYDb

Website: www.hotel-musik.de


BU: Hotel v.l.n.r.: Piele Marx (Gesang) / Roland Scheermann (Gitarre, Gesang) / Volker Vößing (Bass) / Michael Von der Landwehr (Schlagzeug) Claas Lübbert (Gitarre) – Fotos: Bernd Seyme