VfL Osnabrück: Noch vier Spieltage bis zum möglichen Aufstieg

Der Aufstiegsrennen geht in die Endphase
Vorne einsam der VfL, dahinter keine Laienspielschar, aber viel Theater

Vier Spieltage vor Saisonende führt der VfL Osnabrück die 3. Liga mit 70 Punkten an. Dahinter folgen Rot-Weiss Essen mit 64 sowie Energie Cottbus und der MSV Duisburg mit jeweils 63 Zählern. Hansa Rostock (60) und der SC Verl (58) sind zwar noch in Reichweite, derzeit aber eher Kandidaten für Platz drei und haben kaum noch Chancen auf den direkten Weg nach oben, also auf Platz eins oder zwei.

Der VfL macht in diesen Tagen genau das, was man im Aufstiegskampf tun sollte: Er bleibt klar, nüchtern und geht jedes Spiel als beeindruckendes Kollektiv mit höchster Konzentration an. Zuletzt zwei 1:0-Siege, erst gegen Cottbus, dann in Ingolstadt, kein großes Tamtam, keine überkandidelte Selbstbeweihräucherung, keine Dramen und auch keine Schuldzuweisungen nach der 1:0-Niederlage in Duisburg, sondern Anerkennung für den Gegner in einem eigentlich ausgeglichenen Spiel. In der Osnabrücker Rundschau schrieb ich nach dem Cottbus-Spiel, der VfL sei dem Aufstieg ein „gewaltiges Stück näher gekommen“, und nach dem Sieg in Ingolstadt durfte man sich „auf die 2. Liga schon einmal vorfreuen“. Für Osnabrücker Verhältnisse entsprechen diese Schlagzeilen bereits einem wild hupenden Autokorso auf dem Wall, um keine x-te sinnlose Neumarktdebatte zu entfachen..

Während der VfL als Tabellenführer recht unspektakulär Punkte sammelt, begleiten einige der Konkurrenten ihre Spiele mit überflüssigem Gedöns und in Cottbus sogar mit Pauken und verstimmten Trompeten. Das ist bei denen ein altbewährtes Modell, nur eben kein besonders kluges, denn auf den letzten Metern gewinnt meist nicht der Klub mit der lautesten Klappe, sondern der mit dem geringsten Hang zur Hektik. Und genau da sieht unser VfL im Moment deutlich erwachsener aus als der Rest des Feldes.

Rot-Weiss Essen gibt sich dabei als Verfolger mit einem leichten Hang zum Pathos, wenngleich mir Koschinat in der Pressekonferenz nach dem Spiel in Cottbus mit seinem klugen Statement sehr fair, aufgeräumt und sympathisch erschien. 64 Punkte sind ohnehin eine respektable Grundlage, aber das 3:5 in Cottbus war eben auch ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass wilde Essener Entschlossenheit allein noch keine stabile Verteidigung ersetzt. Essen wirkt in dieser Schlussphase wie eine Mannschaft, die jedes Spiel zur Schicksalsfrage erklärt und sich dann wundert, wenn es tatsächlich dazu kommt. Viel Wille, viel Wucht, viel Gefühl – und hinten immer mal wieder offen wie ein Scheunentor.

Energie Cottbus auf Platz drei, tor- und punktgleich mit dem MSV Duisburg ist sportlich brandgefährlich, atmosphärisch aber mal wieder im wollitzschen Eskapadenmodus unterwegs. Das 5:3 gegen Essen war spektakulär und wichtig, gar keine Frage. Nur schafft es Pele zuverlässig, selbst nach solchen Spielen den Fokus wieder auf sich zu richten. Nach dem 0:1 in Osnabrück sprach er von einer überschrittenen Grenze, beklagte Begleitumstände rund um den Auftritt seines Teams, der VfL besäße keinen Stil und erklärte dann als Stilikone, er habe sich „lächerlich gemacht“ gefühlt. In meinem Einwurf nach dem Spiel gehe ich genauer darauf ein, ebenso im VfL-Podcast 242: „Ein Vollpfosten mit Lattenschuss …“

Nach dem 5:3 gegen Essen boykottierte Pele dann auch noch MagentaSport komplett. Auch das ist eine Begabung: Die eigene Mannschaft dreht ein irres Spitzenspiel, eine der besten Drittligapartien der letzten Jahre, und am Ende verweigert er sich auf der PK den Fragen der Journaille und raunzt stattdessen mit tief heruntergezogenem Käppi nur mantramäßig „Das war Werbung für den Fußball“ ins Mikrofon. Was für ein dämlicher Auftritt.

Für Energie Cottbus ist das nicht gerade förderlich, zumal die Mannschaft gut genug ist, um aufzusteigen. Jedoch ist dieses impertinente Genöle des Wutbürgertrainers und das ständige Eröffnen von Nebenkriegsschauplätzen durch ihn alles andere als hilfreich. Osnabrück gewinnt knapp, aber gerecht, und bleibt einfach bei sich. Cottbus gewinnt wild und produziert gleich noch eine tagelange, völlig überflüssige Nachspieldebatte dazu. Solch eine Rumpelstilzchen-Attitüde mag allenfalls für schlichte Gemüter unterhaltsam sein, Sympathie und Punkte gewinnt man damit nicht. Mit Timo Schultz verfügt der VfL praktisch über das positive Gegenstück: freundlich, unaufgeregt, souverän und selbstbewusst.

Kommen wir zum MSV Duisburg, der sehr viel leiseren Variante. Ebenfalls 63 Punkte, ebenfalls noch mittendrin, aber ohne den Eindruck, dass da gerade ein kommender Zweitligist mit letzter Konsequenz die Tür einreißt. Duisburg ist aber da, entwickelt eine enorme Wucht bei Heimspielen, hält Anschluss, bleibt lästig und hat am 3. Mai sogar eventuell die Chance, zu Hause gegen Cottbus die Weichen zumindest in Richtung Relegation zu stellen.

Wie anfangs erwähnt, sind Hansa Rostock und der SC Verl ebenfalls noch dabei – nur eben vor allem im Rennen um Rang drei. Rostock liegt nach 34 Spieltagen bei 60 Punkten, Verl bei 58, der Relegationsplatz steht derzeit bei 63. Das ist eine Distanz, die noch aufholbar erscheint. Für die direkten Aufstiegsplätze müssten vor ihnen aber gleich mehrere Vereine gleichzeitig das Fußballspielen einstellen. Für Platz drei könnte dagegen eine Siegesserie plus ein Negativlauf bei der Konkurrenz reichen. Berechtigte Hoffnung ist also noch vorhanden.

Und genau deshalb sieht die Lage aus Osnabrücker Sicht so erfreulich klar aus. Der VfL muss nicht die wildeste Mannschaft sein und ganz sicher nicht die lauteste. Er muss nur weiter die vernünftigste bleiben. Sechs Punkte Vorsprung auf Essen, sieben auf Cottbus und Duisburg, dazu zuletzt zwei Siege mit maximaler Wirkung – das ist kein loses Stimmungsbild mehr, sondern ein klare Ansage Richtung Aufstieg. Wenn der VfL den noch verschenkt, dann nicht wegen einer übermächtigen Konkurrenz, sondern nur aus völlig unangebrachter, nennen wir es mal vorsichtig, und selten dummer Höflichkeit.

Die schlechte Nachricht für die Verfolger lautet also: Ihr jagt keinen taumelnden Spitzenreiter, sondern eine Mannschaft, die begriffen hat, worauf es ankommt. Essen liefert soliden, mit Dramen gespickten Fußball. Cottbus liefert mit Trainereskapaden gespickten Fußball. Duisburg liefert begeisterungsfähigen mit viel Ruhrpott gespickten Fußball.

Der VfL liefert mit stoischer Gelassenheit und mannschaftlicher Geschlossenheit gespickten Punktefußball und den Beweis, dass erfolgreicher Fußball hin und wieder bei aller Spannung und Begeisterung eine durchaus dröge und zähe Veranstaltung sein kann, um am Ende gerade deshalb zu gewinnen.

Über das kommende Spiel gegen den spielstarken SC Verl berichtet dann morgen im „Vorspiel im Wohnzimmer“ VfL-Podcast Urgestein Lars Mosel.


Das Schlussprogramm der sechs Klubs
(dunkelrot: Konkurrenz gegeneinander)

VfL Osnabrück: 25. April gegen SC Verl (H, 14 Uhr), 3. Mai bei SV Wehen Wiesbaden (A, 16.30 Uhr), 9. Mai gegen SSV Ulm 1846 (H, 14 Uhr), 16. Mai bei VfB Stuttgart II (A, 13.30 Uhr).

Rot-Weiss Essen: 26. April gegen 1. FC Saarbrücken (H, 16.30 Uhr), 2. Mai bei VfB Stuttgart II (A, 16.30 Uhr), 9. Mai gegen SC Verl (H, 14 Uhr), 16. Mai bei SSV Ulm 1846 (A, 13.30 Uhr).

Energie Cottbus: 26. April bei Viktoria Köln (A, 13.30 Uhr), 3. Mai beim MSV Duisburg (A, 13.30 Uhr), 9. Mai gegen SV Wehen Wiesbaden (H, 14 Uhr), 16. Mai bei Jahn Regensburg (A, 13.30 Uhr).

MSV Duisburg: 24. April bei Alemannia Aachen (A, 19 Uhr), 3. Mai gegen Energie Cottbus (H, 13.30 Uhr), 8. Mai bei Erzgebirge Aue (A, 19 Uhr), 16. Mai gegen Viktoria Köln (H, 13.30 Uhr).

Hansa Rostock: 25. April gegen Jahn Regensburg (H, 14 Uhr), 2. Mai bei Alemannia Aachen (A, 14 Uhr), 9. Mai gegen VfB Stuttgart II (H, 14 Uhr), 16. Mai bei 1. FC Saarbrücken (A, 13.30 Uhr).

SC Verl: 25. April bei VfL Osnabrück (A, 14 Uhr), 2. Mai gegen TSV Havelse (H, 14 Uhr), 9. Mai bei Rot-Weiss Essen (A, 14 Uhr), 16. Mai gegen TSV 1860 München (H, 13.30 Uhr).

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