Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.
Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.
Vorschau auf das Heimspiel des VfL gegen TSV Havelse
mit persönlichen Einschätzungen von Janis Weber, Lars Mosel und Burkhard Tillner
Nach dem sehr glücklichen 1:0-Sieg in Saarbrücken geht es gegen den Tabellenvorletzten TSV Havelse. Neben Fakten werde ich weiter unten Gedanken zu einer persönlichen Erfahrung und zu Ereignissen aus dem Hinspiel einfließen lassen. Am Samstag um 14:00 Uhr findet der nächste Brückentag statt und auch statistisch kann es nur einen Sieger geben.
Beide Klubs treffen zum sechsten Mal aufeinander. In den bisherigen fünf Duellen siegte der VfL viermal und spielte einmal Unentschieden. Dieses Unentschieden an der Bremer Brücke am 05.12.2021 mit null Zuschauern (Corona), kann wahrlich als trostlos bezeichnet werden. Bei den bisherigen vier Siegen mit einem klaren Torverhältnis von 11:3 sticht insbesondere der Sieg im zweiten Aufeinandertreffen am 16.06.1991 hervor. Am letzten Spieltag musste beim bereits abgestiegenen TSV Havelse unbedingt ein Sieg her, um dem Abstieg irgendwie noch zu entrinnen. Dieses gelang auf beeindruckende Weise mit einem 5:1. Ereignisse rund um dieses Spiel und warum ich den linken Schuh von Pele Wollitz ergattern konnte, kann man hier nachlesen.
Im Hinspiel im Eilenriedestadion in Hannover gelang ein ungefährdeter 2:0-Erfolg für unser Team. Die Tore erzielten dabei Robin Meißner und Bjarke Jacobsen.
Auf’m Platz
Der TSV Havelse steht mit 19 Punkten und 33:45 Toren auf dem 19. Tabellenplatz. Zum rettenden Ufer fehlen derzeit vier Punkte. Auswärts waren bisher nur sechs Punkte in zehn Spielen zu holen. Das entspricht folgerichtig einem Schnitt von 0,6 Punkten pro Spiel. Da allerdings auch der VfL zu Hause bisher wenig überzeugen kann und erst 16 Punkte aus elf Spielen holen konnte, kommt auf den ersten Blick der TSV gerade recht. Gerade einmal zehn Tore konnte Lila-Weiß dabei erzielen. Weniger als ein Tor pro Spiel ist schon beängstigend und diese Statistik sollte am Samstag um 16.00 Uhr besser aussehen.
Aber: Havelse hat nicht nur das letzte Spiel gegen Aue nach Rückstand gedreht, sondern auch schon einige Favoriten geärgert und dabei Rückstände teilweise erst in den Schlussminuten egalisiert. Gleich gegen den ersten Favoriten Rot-Weiss Essen gelang in der 95. Minute der spektakuläre Ausgleich per Fallrückzieher. Auch gegen Duisburg gelang der 1:1 Ausgleich sehr spät (97. Minute), während gegen Verl in Unterzahl gleich zwei Tore erzielt werden konnten und das 2:2 erst in der 94. Minute fiel. Auch Hansa Rostock musste sich beim 1:1 mit einem Punkt zufriedengeben und Havelse stellte erneut unter Beweis, dass man sie nie abschreiben sollte.
Beim bisherigen Toptorjäger John Posselt (sechs Treffer) wurde die Leihe in der Winterpause abgebrochen und er musste zurück zu seinem Stammverein Jahn Regensburg, was sicherlich eine große Schwächung darstellt. Interessant dabei allerdings, dass auch die weiteren drei Mittelstürmer Robin Müller (4), Lorenzo Paldino (4) und Marko Ilic (3) insgesamt elf Tore erzielten. Hier kommt also auf unsere Innenverteidigung trotz des Abgangs von Posselt jede Menge Arbeit zu.
Auf der Trainerposition setzt der TSV Havelse auf Konstanz und beschäftigt seit dem 21.09.2022 Samir Ferchichi, der auch nicht zur Disposition stand, als zwischenzeitlich in zehn Spielen kein Sieg gelang und nur drei Punkte geholt wurden. Es ist davon auszugehen, dass Havelse sogar mit diesem Trainer in die 4. Liga absteigen könnte. Da der Vertrag ausläuft, wäre es interessant zu sehen, ob man auch den Neuanfang mit Ferchichi starten würde. Dafür müsste der Club aber erst einmal absteigen.
Die Tendenz in der Rückserie lässt an dem zwischenzeitlich als sicher geltenden Abstieg allerdings Zweifel aufkommen. Zum Rückrundenstart gelang ein 4:0 Erfolg gegen Hoffenheim II, dem eine 1:4 Auswärtsniederlage nach guter Leistung in Essen folgte. Am letzten Spieltag setzte sich dann, wie oben erwähnt, der Aufwärtstrend gegen Aue fort.
Gästeanhang
Traditionell bringt der TSV Havelse nur wenige Fans mit zu Auswärtsspielen und hat keine große organisierte Fanszene. Auch wenn diesmal die Anhänger keinen Eintritt zahlen müssen, ist nicht damit zu rechnen, dass mehr als 100 Fans den recht kurzen Weg auf sich nehmen werden.
Persönliche Gedanken zum Hinspiel:
In der Nacht vor dem Hinspiel kam es auf dem eigentlichen Sportgelände des TSV Havelse zu erheblichen Sachbeschädigungen durch Personen aus dem Umfeld des VfL. Dafür gibt es keinerlei Entschuldigung und, wie durch die VC eingeräumt, handelte es sich um einen großen Fehler, der vor allem vom eigentlichen Problem abgelenkt hat.
Die Preisgestaltung, oder besser gesagt, Abzocke des TSV Havelse kann als bodenlos bezeichnet werden. Für einen Stehplatz im Eilenriedestadion in Hannover werden knapp 20€ verlangt. Dabei wird flexibel an der Preisschraube gedreht und bei Mannschaften mit großem Gästeanhang werden sogar höhere Preise pro Person verlangt als bei wenigen Gästen. Woher ein solcher Aufpreis kommen soll, bleibt wohl ein Geheimnis, zumal die Fixkosten ja gleichbleibend sind.
Besonders dreist wurde die Preisgestaltung, als beim Relegationsspiel gegen Lok Leipzig im Wilhelm-Langrehr-Stadion ein Stehplatzpreis in Höhe von 35€ aufgerufen werden sollte, der nach Protesten auf „nur“ 25€ gesenkt wurde …
Wie geschrieben. Es gibt keinerlei Entschuldigung für die Sachbeschädigungen, wir müssen aber auf der anderen Seite wachsam bleiben, dass Profivereine nicht zu massiv an der Preisschraube drehen, sodass Fußball zu einem Ort ausschließlich für Besserverdiener wird.
Warum es eine Spendenaktion durch Pfandsammlungen für einen Profiverein gegeben hat und im Rückspiel die Fans, die keinen Nachteil hatten, kostenlos das Spiel besuchen dürfen, steht auf einem anderen Blatt.
Mir persönlich wäre dort eine Spende für soziale Einrichtungen doch wichtiger gewesen.
Prognose Lars Mosel (Osnabrücker Rundschau)
Auch wenn der TSV Havelse gerade in den letzten Spielen sicherlich ein unangenehmer Gegner war, überwiegen bei mir die Eindrücke aus dem Hinspiel. Der VfL war drückend überlegen und die individuell höhere Qualität wird auch im Rückspiel einen deutlichen Unterschied machen. Das überlegen geführte Spiel wird durch das erste Heimtor von Robin Meißner frühzeitig eröffnet und ist spätestens Mitte der zweiten Halbzeit nach weiteren Toren durch Lars Kehl und Fridolin Wagner endgültig entschieden. Danach gelingt es leider nicht mehr, einen höheren Sieg herauszuspielen, andererseits lässt die Abwehr aber auch nichts mehr anbrennen.
Prognose Janis Weber (Podcast Ostkurvenchor)
Der TSV Havelse im Aufwind – Grund zur Sorge bei unserer Heimschwäche? Das möchte ich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Die Hoffnungen der Landeshauptstadt-Vorstädter werden an der Souveränität eines Bjarke Jacobsen abprallen wie Skandale an dem orangenen Minustypen aus dem Weißen Haus. Die Truppe von Havelse mag mit viel Leidenschaft den Kampf um den Klassenerhalt aufgenommen haben, aber für Tore oder gar Punkte an der Brücke reicht es Samstag nicht. Der VfL geht, zum dritten Mal in Folge, früh nach einer Ecke mit 1:0 in Führung. Wie im Hinspiel wird es der dänische Leuchtturm aus dem Mittelfeld sein, der den Ball einnickt. Die Partie, die der VfL über die gesamte Länge zu kontrollieren weiß, gestaltet sich danach leider wenig unterhaltsam. Erst in der Schlussphase machen Meißner und Badjie den Deckel zum nie gefährdeten 3:0 Sieg drauf.
Prognose Burkhard Tillner (NDR)
Ich bin sicher, einige werden gerade denken, das wird gegen den TSV Havelse, der auf einem Abstiegsrang steht, locker zu drei Punkten reichen. Ich empfehle da mal einen Blick auf deren letztes Auswärtsspiel. Oh, 1:4 in Essen verloren aber das war für RWE gegen einen echt starken Gast. Alles, nur nicht einfach. Trotz früher Essener Führung gab der TSV nie auf und genau das zeichnet diesen Aufsteiger aus. Da kommt eine Mannschaft mit bärenstarker Mentalität an die Bremer Brücke. Die interessiert nie, wie es steht, die macht einfach weiter und einfach wird es für den VfL daher am Samstag nicht werden. Timo Schultz und seine Spieler wissen das haargenau, werden darauf eingestellt sein, aber Vorsicht: Ein Selbstläufer wird das trotzdem ganz sicher nicht!













