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Freitag, 23. Januar 2026

Wie Donald Trump die Welt verändert

Wie Donald Trump die Welt verändert und was dagegen hilft

Seit über einem Jahr ist der Immobilien-Händler und Milliardär Donald Trump wieder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Wunden, die seine erste Amtszeit mit dem bedrohlichen Ausklang des Sturms seiner Anhänger auf das Kapitol schlug, waren noch nicht verheilt, da wählte ihn das amerikanische Volk mit noch mehr Stimmen ausgestattet erneut zu seinem Präsidenten.

Anders als bei seinem ersten, noch tastenden Versuch, Amerika und die Welt umzukrempeln, verfügt er dieses Mal über eine solide Mehrheit in allen politischen Institutionen und über eine präzise durchdachte Strategie. Sie wurde von mehreren konservativen und rechten Denkfabriken entwickelt und auf 900 Seiten unter dem Titel „Project 2025“ zusammengetragen.

Was dann unter den Titeln „Make America Great Again“ (MAGA) und „America first“ in Form von Dekreten in Windeseile abgespult wurde, versetzte seine Gegner in Schockstarre. Ein extra dafür angeheuerter Multimilliardär namens Elon Musk, angeblich derzeit der reichste Mensch der Welt, löste im Eiltempo etliche missliebige Behörden und Einrichtungen ab, schickte tausende Beschäftigte auf die Straße, vornehmlich solche, die sich mit Entwicklungspolitik, Gleichstellung sowie Umwelt- und Klimapolitik befassten.

Mit seiner „Liebe zu Zöllen“ verwandelte Trump dieses Instrument in eine Waffe, um mit gezielter politischer Erpressung ökonomische Schwachstellen des deindustrialisierten Amerikas zur Umkehr zu bringen. Er führt einen Kulturkampf gegen die Gleichberechtigung aller Lebensformen, erklärt Migranten zu Staatsfeinden und baute mit seinen ICE-Greifern eine Reservearmee, vielleicht eine Bürgerkriegsarmee im Innern auf. Er bestraft ungeliebte liberale Bildungsinstitutionen, die Weltgeltung genießen, mit Entzug von Forschungsgeldern und verschärfte die Einreise und Aufenthaltsgenehmigungen für alle, die in den Verdacht gestellt werden, nicht seine Freunde zu sein. Auswärtige Staatsgäste werden im „Oval Office“ des Weißen Hauses öffentlich vorgeführt und gedemütigt. Parteiinternen Widerstand muss er nicht befürchten, denn über die Parteigrenze hinaus gilt nicht nur in den USA, sondern weltweit nur noch sein Wille. Er tut, was er kann und Amerikas Macht, die militärische insbesondere, erlaubt ihm viel.


Trumps Neuordnung der Welt

Trumps Hass auf internationale Organisationen und Regeln sowie Allianzen ist bekannt. Er liebt bilaterale Deals, vor allem mit Schwächeren. Seine Brüche mit der Vergangenheit erfolgten im Eilverfahren. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit dekreditierte er den Austritt der USA aus 66 internationalen Organisatonen, viele davon Teile der UNO. Diese selbst hat er zwar noch nicht verlassen, aber mit dem von ihm besetzten „Friedensrat für Gaza“, zu dessen Mitglied er nur beruft, wer eine Milliarde Dollar als ein Quasi-Aktienpaket mitbringt, wird die Idee eines UN-Ersatzes erkennbar. Sie folgt ganz dem Geist und Traum einer kompletten Privatisierung des Politischen seiner Tec-Milliardäre von Thiel bis Musk.

Trumps Abschied von der „regelbasierten“ Weltordnung, wie sie maßgeblich von den USA nach dem Zweiten Weltkrieg und dann auch nach dem Ende des Kalten Krieges gestaltet und geprägt wurde, wird nicht durch eine in Einflusszonen von Großmächten aufgeteilte Welt ersetzt. Trump beabsichtigt keinen Rückzug auf die mit Rückgriff auf die zweihundert Jahre alte Monroe-Doktrin beschworene „westliche Hemisphäre“. Die Sicherung des „amerikanischen Hinterhofs“ Südamerika und andere Teile des Kontinents genießt lediglich eine Priorität, um hier Chinas zunehmenden Einfluss zurückzudrängen.

Mitnichten erfolgt daraus eine machtpolitische Selbstbeschränkung. Aufgegeben wird ein „hegemonialer Führungsanspruch“, wo der Hegemon zugleich der Hirte wie Teil einer gemeinsamen Ordnung ist. Diese Rolle ist für Trump zu teuer geworden. Auf die heuchlerischen Rechtfertigungen, es gelte Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen und durchzusetzen, wird nun komplett verzichtet. „Wir tun, was wir können und nehmen uns, was wir kriegen!“ Entscheidendes Kriterium ist allein, was Amerika – und ihm – ökonomisch nutzt.

Auf dem „Weltwirtschaftsforum“ am 21. Januar 2026 in Davos erzählte Trump der dort versammelten „Weltelite aus Wirtschaft und Politik“, dass das, was gut für Amerika sei, sei auch gut für die Welt. Er zeichnete dort ein Bild, als würde ein altruistisches Amerika von der gesamten Welt ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Das gelte für den globalisierten Weltfreihandel ebenso wie für die Nato. Überall liefere Amerika, bekäme aber nichts zurück. Aber nur ein starkes Amerika könne die Welt schützen. Wovor genau, verriet er nicht. Und wer uns vor Amerika schützt, diese Frage wird ihm nicht gestellt.

Die Europäer erfuhren den Wandel vom Transatlantiker Joe Biden zu Trump in Europas Achillesferse Ukraine. Sein großmauliges Versprechen, hier sofort mit Putin Frieden zu schaffen, konnte er zwar definitiv nicht einhalten. Dafür entpuppte er sich aber in Abkehr von Biden nicht mehr als Anwalt des Angriffsopfers Ukraine. Er ist nicht einmal mehr Vermittler, sondern wird durch Übernahme weiter Teile der Forderungen Putins zu dessen Verbündeten. Außer dass er die verhasste EU gemeinsam mit dem Kreml an den Katzentisch der Diplomatie verbannte, hat er bislang nichts erreicht. Mit dieser Brüskierung war das Maß seines Grolls auf die Europäer noch nicht gefüllt. Er beklagt, wie schon sein Vize Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Jahr, Europas Niedergang, bedingt durch „grüne Verirrungen wie Windräder und Klimaschutz“, vor allem aber durch die offenen Grenzen und die ungezügelte Massenmigration, die die nationalen Identitäten in Europa bis zur Kulturlosigkeit und Wehruntüchtigkeit auflöse.


Gibt es Alternativen in den USA zu Trump?

Die Reaktionen in den USA auf Trumps Wahlsieg und die Geschwindigkeit mit der er die USA in nur einem Jahr faktisch verändert hat, sind nicht eindeutig. Lähmung, Entsetzen und Ohnmacht ergänzen sich. Namhafte Soziologen wie der Faschismusforscher Jason Stanley und der renommierte Historiker Timothy Snyder sehen die USA, die sie verlassen haben, auf einem kaum aufhaltsamen Weg in den Faschismus. Eine These, die insbesondere in Europa auf Widerspruch stößt. Der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze verweist auf die spezifischen Formen der Massenbewegungen des historischen Faschismus vor allem in Italien und Deutschland, deren „Glaube“ an „Ideale“ mit dem dominanten Nützlichkeitsdenken des „Lieferns“ der Trump-Gefolgschaft wenig gemein hat. Hier geht es nicht um „Ideen“, sondern um materielle Gewinne, die mit Abwanderung bestraft werden, wenn sie sich nicht merkbar einstellen. Die Abwanderung erfolgt aber nicht in Richtung der Demokratischen Partei, sondern in die Nichtwählerschaft. Der amerikanisch-britische Soziologe Richard Sennett empfiehlt zu Recht, man müsse für eine exakte Erfassung des Phänomens Trump einen neuen Begriff finden.

Abseits solcher Arbeiten am Begriff gibt es situativ unterschiedliche Einschätzungen. Einerseits wird MAGA als eine schleichende kulturelle Revolution, analog der 68er, aber als Konterrevolution gedeutet, die eine tiefergreifende langfristige Entwicklung signalisiert und somit auch die Demokraten erfassen wird. Wobei die konkreten politischen Auswirkungen noch nicht absehbar sind, aber zumindest eine Abkehr vom Werteuniversalismus und Gleichheitsprinzipien wäre eine wahrscheinliche Prognose.

Anderseits sieht beispielsweise Francis Fukuyama, der am Ende des Kalten Krieges voreilig das „Ende der Geschichte“ ausrief, wie auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz den Zenit des Trumpismus schon überschritten. Während Fukuyama auf die Wahlen vom 4.11. 2025, die für die Republikaner in New York, aber vor allem in Florida bedeutende Niederlagen ergaben und zusätzlich auf stark sinkende Zustimmung zu Trump in den Meinungsumfragen verweist, sind für Stiglitz negative ökonomische Folgewirkungen der Trumpschen Wirtschaftspolitik allgemein und der Zollpolitik im Besonderen Indikatoren dafür, dass speziell die auf unmittelbare materielle Gewinne spekulierenden Trump-Wähler enttäuscht werden.

Im Kern geht es um die hier nicht klar zu beantwortende Frage, welchen Tiefgang Trumps Erfolg in der amerikanischen Gesellschaft hat.


Was will Trump mit Grönland?

Sein neuestes Projekt ist die anfangs als spleenige Idee diagnostizierte Absicht, Grönland zu kaufen oder gar militärisch zu erobern. Damit kehrt Trump zu den bekannten, aber selten in Erinnerung gerufenen Ursprüngen Amerikas zurück. Landerwerb durch willkürliche Landnahme, mit Vertreibung oder auch Vernichtung der Ureinwohner, bis zum Kauf von anderen „Eigentümern“ (europäischen Kolonialmächten) war die bevorzugte Methode des amerikanischen Wachstums. „Let’s go west!“ Die unaufhaltsame Verschiebung der amerikanischen Grenzen nach Westen (aber auch nach Süden und Norden) während des gesamten 19. Jahrhunderts, die so genannte „New Frontier“, die vorläufig am Pazifik endete, war das amerikanische Expansionsprinzip einer Kolonialisierung, getragen von Einwanderern, die einen „raumgreifenden Imperialismus“ betrieben.

Mit dem Aufstieg zur führenden Weltwirtschaftsmacht im 20. Jahrhundert verlegte sich die USA, nachdem man um 1900 in Südostasien und in der Karibik auch zur Kolonialmacht nach europäischem Vorbild wurde, zunehmend auf einen „Dollar-Imperialismus“, dessen Herrschaftsbasis der Weltfreihandel wurde. Der feierte mit der Globalisierung 1995 seinen Höhepunkt, als fast alle Güter in das Welthandelssystem einbezogen wurden (bis dahin waren der Agrarsektor und viele Dienstleistungsbereiche davon ausgeschlossen). Nach der Neubewertung durch die „Nationale Sicherheitsstrategie“ (NSS) von November 2025 liegt hier der Ausgang für den verhängnisvollen Irrweg der US-Politik. Der Weltfreihandel, die „Globalisierung“ (die Übermacht des Finanzkapitals gegenüber der Realwirtschaft gehört auch dazu) habe China ökonomisch groß und Amerika durch Verlust seiner Industrien kleiner gemacht.

Diese Diagnose ist der sachliche ökonomische Ausgangpunkt für Trumps Politikwechsel. Waren zuvor Zölle Folterwerkzeuge aus der Mottenkiste von Sozialisten, werden sie nun zum Befreiungsinstrument vom Diktat des Freihandels und zur Basis für die ersehnte Reindustrialisierung der USA. Sie befeuert eine darauf hoffende Wählerschaft, die einst als das Rückgrat des amerikanischen Reichtums Anerkennung genoss und heute zu lästigen Bittstellern degradiert werden. Dieses Faktum erklärt auch Trumps Erfolge in dieser Wählerschaft, die von den Demokraten mit ihrer Favorisierung der Finanzwirtschaft, der Wall Street als Kern der amerikanischen Wirtschaftsmacht, vernachlässigt wurde.

In Venezuela erfolgte der völkerrechtswidrige Militäreinsatz nach der Devise: „Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ In der Causa Grönland lautet sie leicht verändert: „Und bist Du nicht billig, so brauch ich Gewalt!“ Eine sich immer wiederholende Methode Trumps tritt hier hervor. Vor Verhandlungen maximale, schockierende Forderungen in die Welt zu setzen, die dann schmelzen und schließlich als großartige Deals verkauft werden.

Die Drohung mit Gewalt ist zwar kassiert, aber eine militärische Eroberung war nie sehr wahrscheinlich. Sie hätte zu viele Widerstände gebündelt und wäre auch in Trumps eigenen Reihen nicht populär. Sie wäre zudem das Ende der Nato. Und darauf würde auch Trump, allem Lamentieren über die „Ausbeutung Amerikas durch die europäischen Trittbrettfahrer“ zum Trotz, nicht gerne verzichten.

Ernster zu nehmen ist dagegen sein Kaufinteresse. Die Bedeutung Grönlands ist mehrfacher Natur. Die größte Insel der Welt ist zwar vorerst noch ein riesiger Eispanzer, aber dank der forcierten Nutzung fossiler Energien durch Trump und Co. könnte der Eispanzer schneller schmelzen und die darunter liegenden Schätze früher gehoben werden, was für das in der NSS formulierte Ziel der Rohstoffunabhängigkeit von großer Wichtigkeit ist.

Ist dieses fernere Ziel das Hauptmotiv für Trumps Grönlandambitionen? Es wäre rational, denn die unmittelbare Verfügungsgewalt über relevante Rohstoffe ist vorteilhafter, als wenn man sie über den Tausch und Verträge erwerben muss. Das ist eine wichtige Lehre der gegenwärtigen Kriege und der Krisen, die die Vorzüge des Freihandels in den Schatten der früher verpönten (aber dennoch immer praktizierten) Geo- und Machtpolitik stellen.

Fakt ist, dass Trump Grönland schon 2018/19 mit seinem Kaufwunsch beglückte. Und er ist nicht der erste. Seit ca. 150 Jahren denken US-Politiker darüber nach. US-Außenminister William Seward (unter den Präsidenten Lincoln und Johnson) kaufte 1867 Alaska und versuchte 1868 Grönland erfolglos von Dänemark zu erwerben. Vorm Ersten Weltkrieg erfolgte ein erneuter Versuch. Dänemark lehnte ab und heraus kam stattdessen der Erwerb der dänischen Jungferninseln in der Karibik, die der strategischen Sicherung des Zugangs der USA zum Panama-Kanal dienten.

Im Zweiten Weltkrieg betrieben die USA auf Grönland sechzehn militärische Stützpunkte und schützten damit die nordatlantischen Konvois. Sie behielten Teile davon auch im Kalten Krieg. Präsident Truman bot 1947 100 Mio. Dollar für den Kauf Grönlands, aber Dänemark lehnte wieder ab. Stattdessen gab es 1951 ein bilaterales Verteidigungsabkommen zwischen USA und Dänemark, das bis heute die operative Grundlage für die Militärpräsenz der USA auf Grönland ist. Auf dieser Basis gäbe es nach Trumps früheren und von ihm entlassenen Sicherheitsberater John Bolton etliche friedliche Lösungsmöglichkeiten.

Ein Blick auf den Globus oder eine Landkarte mit dem Nordpol als Mittelpunkt zeigt unabhängig von den Rohstoffen die geografisch exponierte Lage Grönlands. Aus militärischer Sicht wird diese Nordflanke für die Sicherheitsinteressen sowohl für die USA wie Kanada, Dänemark und die Nato insgesamt bedeutender, denn der „arktische Ozean“ wird für Europa das, was früher das Mittelmeer war. Der Bereich von der Nordspitze Norwegens bis Alaska ist von höchster strategischer Bedeutung. Also nicht nur das schmelzende Eis und die damit erbeutbaren Bodenschätze sind ein zunehmender Wert, sondern auch die freiwerdenden Schifffahrtslinien für Russen und Chinesen, die hier unbedingt herausgehalten werden sollen. Wäre Grönland unabhängig und entschiede gegen die Nato, wäre das eine Einladung für Russen und Chinesen, was für alle Nato-Staaten eine große Herausforderung wäre. Eigentlich liegt somit das Problem der Klärung des Grönland-Status in Kopenhagen. Das ist Argumentationslinie aus amerikanischer Sicherheitsperspektive, die auch John Bolton so sieht.

Die interessante Frage ist aber, warum kann diese Sicherheit nicht die Nato gemeinsam erbringen? Warum will Trump sie unbedingt als „Eigentum“ in den US-Staatenverbund eingliedern? Vordergründig lautet das Argument, dass Trump der Nato nicht zutraut, einen Zugriff Russlands oder Chinas auf Grönland zu unterbinden. Das aber heißt doch, dass die USA als Nato-Partner hier nicht mitspielen würden, sondern sicher ist Grönland erst, wenn es unmittelbar amerikanisches Territorium wird. Das bedeutet aber zugleich, dass es für die kollektive Sicherheit in der Nato ein gewichtiger Unterschied ist, ob die USA Beistand leisten für andere oder ob sie selber angegriffen werden. Womit man sich ausmalen kann, was der Artikel 5 im Ernstfall wert ist.

Wer die wirre Rede des amerikanischen Präsidenten auf dem Davoser „Weltwirtschaftsforum“ am 21. Januar 2026 über sich hat ergehen lassen, wurde in einigen Sätzen vom amerikanischen Präsidenten wahrheitswidrig belehrt, dass Grönland den USA im Zweiten Weltkrieg eigentlich schon gehörte und man es dann Dänemark überließ. Einen zwingenden sicherheitspolitisch in der Nato-Logik nachvollziehbaren Grund für die Notwendigkeit eines Erwerbs für die USA servierte er nicht. Das Ganze ist aber auch nicht damit zu erledigen, dass man das Ego des Herrn Trump als Grund nimmt, der nicht nur hinter dem Friedensnobelpreis her war, sondern auch als der Präsident mit dem größten zusätzlichen Landerwerb in der amerikanischen Geschichte in die Geschichtsbücher (oder etwas Ähnlichem, denn mit Büchern hat er es eigentlich nicht) eingehen möchte.

Trumps innen- und außenpolitischen Veränderungen der USA sind keineswegs Zukunftsprojekte, die geeignet wären, die immer drängender werdenden gemeinsamen Probleme der Welt und der Menschheit zu lösen. Sie werden nicht einmal den USA Gutes tun. Es ist ein nationaler Egoismus nach dem Motto: „Wir wollen wieder haben, was man uns genommen hat“. Die Welt, die man einst mit Regeln beherrschte, die die Eigeninteressen der Weltführungsmacht USA mit dem Gemeinwohl zu verbinden schienen, beschreibt Trump in Davos als eine Gemeinschaft von Trittbrettfahrern und Aasgeiern, die Amerika ausgenommen haben wie eine Weihnachtsgans. Trump holt sich nur zurück, was andere den Amerikanern abgenommen haben.

So hat die Schweiz ihren Reichtum allein den USA zu verdanken, weil die Amerikaner Schweizer Produkte kauften und der kleinen Schweiz einen Außenhandelsüberschuss von über 40 Milliarden Dollar bescherten. Für Trumps Merkantilismus ein klassischer Fall von Ausbeutung. Weil die Schweizer aber im gleichen Umfang keine amerikanischen Waren kaufen, hilft nur sein wichtigstes Werkzeug, das sind seine geliebten Zölle, um hier Gerechtigkeit oder Gleichheit herzustellen. Für die Freihandelsapostel sind sie das schlimmste Werkzeug aus der Folterkammer der verhassten Staatseinmischungen in den freien Markt. Aber um dessen Entfaltung geht es Trump nicht. Trump ist kein Marktliberaler. Kapitalismus ist nicht Marktwirtschaft. Nicht Wettbewerb bringt den Fortschritt, sondern allein das profitorientierte Privateigentum. Das entspricht übrigens der Wirtschaftstheorie der Digitalwirtschaft und Tec-Milliardäre, die auch nicht nach freien Märkten mit Wettbewerb rufen. Die Digitalwirtschaft ist ihnen der Beweis, dass Monopole effektiver und effizienter sind als Konkurrenzen.


Trump – eine Herausforderung für Europa

Viele Transatlantiker in Europa – und v.a. in Deutschland – spekulieren wie Teile in den USA auf ein baldiges Scheitern der Politik Trumps, der dann als Irrläufer der Geschichte abgehakt werden kann und sich Amerikas Institutionen doch noch als robust genug erweisen. Aber der Traum von der Wiederkehr der transatlantischen Wertegemeinschaft ist ein Wunschtraum, weil all die Risse und Schäden, die Trump in seinen vier Jahren hinterlassen wird, sich nicht ungeschehen machen lassen. Und fraglich ist, wie viel von Trump auch bei den Demokraten Einzug in deren Weltpolitik erhält, wenn inzwischen diese Welt eine andere geworden ist.

Europa ist Gefangener seiner eigenen Geschichte. Mit großer Selbstverständlichkeit wurde nach dem Ende des Kalten Krieges die Neuordnung Europas unter der unmittelbaren Einbeziehung der USA entwickelt. Die Nato war das einzige verbliebene und funktionierende Sicherheitssystem und die USA für viele auch weiterhin die einzige Sicherheitsgarantie angesichts einer unkalkulierbaren Entwicklung in Russland. Mit dem Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine wurde die reale militärische Abhängigkeit Europas von den USA offenkundig. Eine schon zum Sterben verurteilte Nato, Macron nannte sie „Hirntod“, wurde unter Biden revitalisiert und der Westen erlebte die möglicherweise letzte Scheinblüte eines „Westens“, der gegen Putin seine Werte in und mit der Ukraine verteidigt.

Mit Trumps erneuter Wahl erweist sich diese Hoffnung auf eine Renaissance des Westens zwar als eine Illusion, aber dennoch gibt es in Europa starke Kräfte, die trotz (weniger wegen) Trump am Weiterbestehen des Bündnisses festhalten. Die von Trump geforderte Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der Nato wurde sogar ihm zum Gefallen auf fünf Prozent des Bruttoinlandproduktes erhöht. Doch das hat ihn nicht europafreundlicher gestimmt. Die Forderung nach Grönland ist nun der nächste Akt, der Europa zum Handeln gegenüber dem amerikanischen Präsidenten zwingt. Mit Island taucht bei Trump übrigens schon der nächste Kandidat auf.

Die Reaktionen der EU auf Trumps Venezuela-Coup könnte man auch als eine Art Appeasement-Politik in Parallele zu 1938 bewerten, was man bei anderen Akteuren auch sofort gemacht hätte. Faktisch hat Trump auf der Werteebene China und Russland einen Freibrief ausgestellt für die Ukraine bzw. Taiwan. Die Causa Grönland erweckt nun den Anschein, dass man sich nicht mehr hinter den Schleimern Rutte und auch einigen anderen versteckt, die um das wilde Tier nicht zu reizen, mit ihm Reden möchten und vielleicht als Erfolg verbuchen, dass das Schlimmste, die militärische Drohung, erledigt ist.

Zwar sind die Strafzölle gegen die europäischen Unterstützer der territorialen Souveränität Grönlands vom Tisch, aber nicht die Kaufoption. Die Frage ist, ob Europa wieder als Tiger startet und als Bettvorleger endet. Der Grund wird die mangelnde Gemeinsamkeit sein. Das EU-Parlament hat am gleichen Tag nicht einmal das strategisch wichtige Mercosur-Abkommen mit Südamerika beschlossen. Die EU hat das geliefert, was Trump am meisten Freude bereitet, dass dieser Moloch EU sich in seine 27 Teile zerlegt. Die EU scheint unfähig, das zu leisten, was selbst Amerikaner empfehlen, nämlich selbstbewusst und entschieden Widerspruch und Widerstand zu leisten, statt wie Rutte und andere sich vor Trump durch schleimen und kriechen zu erniedrigen. Trump ist ein Maulheld, wenn es darauf ankommt, kneift er.

Dabei ist eine gemeinsame Linie und Strategie der EU in dieser Situation auch für die Zukunft entscheidend. Egal wie das Grönlanddrama und der Ukrainekrieg ausgehen, der Westen, die transatlantische Werte- und auch Interessengemeinschaft ist am Ende. Die USA verkörpern keine Weltmacht im Aufbruch, ihre Zukunft besteht aus der Verklärung einer geschönten Vergangenheit. Kein Zukunftsproblem der Menschheit und des Planeten interessiert die MAGA-Gemeinde, geschweige denn, sie hätten eine Antwort oder Lösung dafür.

Europa braucht neue Partner, die finden sie durch Kniefälle vor Trump im „Globalen Süden“ so wenig wie woanders. Die ewiggleiche Doppelmoral, Venezuela passieren zu lassen und sonst den völkerrechtlichen Tugendwächter zu spielen, verlangt entweder Aufgabe dieser Werte oder ihre Anwendung auf den eigenen Bündnispartner, auch bis zum ultimativen Bruch des Bündnisses. Wir brauchen auch einen Schutz vor Amerika.

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