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Dienstag, 10. Februar 2026

Sozialstaat 2026: Jeder Fünfte ist armutsgefährdet!

21,2 % der Bevölkerung ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht

Friedrich Merz, Carsten Linnamann, Gitta Connemann, Jungunionisten und weitere Hardcore-Neoliberale lassen aktuell nichts unversucht, über Hilfesuchende und die mangelnde Arbeitsmoral vieler Menschen herzuziehen. Ein Verbot von Teilzeitjobs oder eine Verweigerung der Zahnarztkosten für gesetzlich Versicherte dürften nur erste Vorboten dafür sein, was auf Deutschland zukäme, falls CDU-CSU die Wirtschafts- und Sozialpolitik allein bestimmten – oder gar mit der AfD, falls die „Brandmauer gegen rechts“, wie in den allermeisten europäischen Staaten, tatsächlich fiele. Reden wir mal Tacheles: Geht es vielen im deutschen Sozialstaat tatsächlich zu gut?

Die Wahrheit offenbart ein gänzlich anderes Deutschland. Denn: Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze und galten deshalb als armutsgefährdet. Zu diesen Menschen zählen damit 16,1 % der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand von Erstergebnissen der Mikrozensus-Unterstichprobe zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2025 mitteilt. Ein Jahr zuvor hatte die Armutsgefährdungsquote noch bei 15,5 % gelegen.

Ein Lieblingssatz des Bundeskanzlers besteht aus der Warnung, dass Deutschland seinen angeblich exorbitanten Sozialstaat nicht mehr leisten könnte. In Wahrheit nehmen gerade diejenigen zu, deren Existenz am Sozialstaat hängt. Nach Definition der Europäischen Union (EU) gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2025 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland netto (nach Steuern und Sozialabgaben) bei 1 446 Euro im Monat (2024: 1 381 Euro) und für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3 036 Euro im Monat (2024: 2 900 Euro). Um das Einkommen vollständig zu erfassen, wird das Jahreseinkommen erfragt. Dadurch beziehen sich die Fragen zum Einkommen auf das Vorjahr der Erhebung, bei EU-SILC 2025 also auf das Jahr 2024.


Singles und Alleinerziehende sind besonders armutsgefährdet

Singles und Alleinerziehende ragen als betroffene Gruppen besonders heraus. Denn betrachtet man die Armutsgefährdungsquote nach verschiedenen Haushaltstypen, weisen beide Gruppen eine überdurchschnittlich hohe Quote auf. 30,9 % der Alleinlebenden und 28,7 % der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Beim Vergleich nach dem überwiegenden Erwerbsstatus haben Arbeitslose mit 64,9 % die höchste Armutsgefährdungsquote. Aber auch andere Nichterwerbstätige (33,8 %) sowie Personen im Ruhestand (19,1 %) sind überdurchschnittlich stark durch Armut gefährdet. War es nicht CDU-Generalsekretär Linnemann, der sich wie Merz ständig über eine zu hohe Grundsicherung beschwerte?


Mehr als jeder Fünfte ist von Armut und Ausgrenzung bedroht

Ein zentraler Indikator der Verarmung ist die Unmöglichkeit, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Betrachtet man neben der Einkommenssituation auch die Möglichkeiten der Menschen zu einer so verwirklichten Teilhabe an der Gesellschaft, zeigt sich ein umfassenderes Bild der sozialen Lage. In Deutschland waren im Jahr 2025 rund 17,6 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das waren 21,2 % der Bevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr (21,1 %) blieb dieser Anteil nahezu unverändert. Nach EU-Definition gilt eine Person als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Hört in Berliner Unionskreisen endlich jemand den Weckruf, den nackte statistische Zahlen offenbaren?

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