Sausen wir weiter stur in den Klimastau?

Warum uns Zahlen des Statistischen Bundesamts eigentlich rasend machen sollten

Von wegen „Technologieoffenheit“: Deutschland rast weiter munter und stur in den Klimastau. Allein der Straßenverkehr machte im Jahr 2024 gut ein Fünftel des deutschen Energieverbrauchs aus. Keine Angst: Hier sollen keine oberlehrerhaften Schuldzuweisungen an Menschen erfolgen, bei denen weder Bus noch Bahn fährt, die gesundheitlich nicht anders können und die ihren Weg zu Arbeit und Existenzsicherung zwingend mit dem Auto bewältigen müssen. Isso. Aber, verdammt nochmal: Wie lange kennen wir und die Regierenden dieses Problem schon?


Wir könnten so viel klüger sein

Jeder Mensch weiß: Mit weniger Autofahrten, die nicht zwingend nötig sind, auch mit mehr Fahrgemeinschaften reduzierten wir den CO2-Ausstoß mächtig. Mit Höchsttempo 100 ebenfalls. Warum zum Teufel müssen deutsche Autobahnen weiter nach den Regeln des Nürburgrings besaust werden? Ganz zu schweigen davon, dass mehr Leute Bus, (träumen wir mal: pünktlicher) Bahn oder, Fitness vorausgesetzt, ein Fahrrad nutzen könnten. Beim Denken an Fakten, die seit dem Club of Rome aus 1972, konkret also seit 54 (!) Jahren, sattsam bekannt sind. Sind wir alle hypnotisiert? Wie erkläre ich in zehn Jahren meiner kleinen Enkelin das ökologische Chaos, wenn wir die Notwendigkeiten aktiver Klimapolitik heute unverdrossen weiter verdaddeln?

Alles redet landauf, landab von E-Autos, die emissionsfrei fahren. Erkennbar bleiben sie aber nur unter dem Statistik-Mikroskop. 98,0 % des Energieverbrauchs im Straßenverkehr im Jahr 2024 erfolgte weiter durch konventionelle Kraftstoffe. Der Stromanteil lag bei läppischen 1,0 %. Dass sich dieser Minimalwert im Vorjahr deutlich gebessert haben mag – und dies weiter tut, ändert nichts an der mikroskopischen Betrachtung.


Wer zahlt für das Blasorchester?

Stinkig in die Luft geblasen wird ja auch weiter fröhlich aus dem Schornstein. Nach dem uncharmanten Druck einer Ministerin Katherina Reiche auf ihren altvertrauten Gasknopf erfreuen sich Öl und Gas frenetisch der Wiederbelebung. Auf Trumps Frackinggas-Dampfern knallen die Sektkorken. Und auch Benzin und Diesel dürfen weiter ausgedünstet wie lustvoll blasen.

Das mal angedachte Klimageld für Bedürfige wurde Söders Mütterrente geopfert. Der Straßenverkehr machte im Jahr 2024 mehr als ein Fünftel (22,2 %) des deutschen Energieverbrauchs aus. Er verursachte somit ebenfalls ein gutes Fünftel (21,4 %) der gesamten CO2-Emissionen. „Ach ja! Nicht so schlimm“, rufen Verbrennerfreunde: Denn damit blieb der Energieverbrauch im Straßenverkehr ja „nur“ weitgehend konstant gegenüber den Jahren seit 2021.

Lehnen wir uns noch mal bis zur Nackenstütze zurück und überlegen! Unverändert beginnen Emissionen damit, dass wir hinter dem Lenkrad sitzen und auf das Gaspedal drücken. Der Energieverbrauch im Straßenverkehr macht mehr als ein Drittel (35,3 %) des Gesamtenergieverbrauchs der privaten Haushalte aus. Die übrige Energie verwenden wir beim Wohnen, etwa fürs Heizen mit Kohle, Öl oder Gas. Damit heizen wir übrigens zu Hause, mal ganz ehrlich eingeräumt, auch noch. Isso.


Von der Champions League bis zur Kreisklasse

Beim Auto herrschen weiter Unterschiede von Champions League bis zur Kreisklasse. Konventionelle Kraftstoffe liegen im Tabellenvergleich weiter fast uneinholbar vorne. Ähnlich wie Bayern gegenüber dem FC Hinterzarten – falls wir dies auf den Fußball übertragen wollten. Der Bayern-Vorsprung bleibt unangefochten. Denn sowohl die privaten Haushalte als auch die Wirtschaft setzten im Untersuchungsjahr 2024 im Straßenverkehr weiterhin auf konventionelle Kraftstoffe.

Andi Scheuer darf sich weiter ebenso darüber freuen wie alle asphaltbesoffenen CSU- und CDU-Verkehrsminister, die weiter inbrünstig „Freie Fahrt für freie Bürger“ über ihren Auspuff kleben. Mit jener Politik hatte Diesel, einschließlich des beigemischten sogenannten Biodiesels, mit 60,8 % den größten Anteil am Energieverbrauch. Hart auf den Fersen waren Benzin und Bioethanol mit 37,2 %. Nur jeweils 1,0 % des Energieverbrauchs im Straßenverkehr entfielen auf Strom und fast exotisch anmutende Gaskraftstoffe.


Dezent vom Gaspedal? Was nur ein deutscher Trump verhindert hätte

Natürlich erkennen auch die Bundesstatistiker, dass der Verbrauch von Strom im Straßenverkehr im Zuge der Ausweitung der Elektromobilität 2024 gegenüber 2023 um knapp ein Drittel (+32,0 %) gestiegen ist und sich im Vergleich zum Jahr 2021 sogar fast vervierfachte. Immerhin: Alle Biokraftstoffe zusammen, also Biodiesel, Bioethanol und Biogas, deckten im Untersuchungszeitraum 5,5 % des Energieverbrauchs im Straßenverkehr. Aber so lupenreine Bios sind das ja auch nicht. Klar ist: Auch 2025 wird zarte Fortschritte ermitteln. Und 2026 ebenfalls – seit E-Auto-Kaufende dank Umweltminister Carsten Schneider, der sich redlich bemüht, wieder mit kleinen Zuschüssen rechnen dürfen.

Natürlich bescheidene Fortschritte – zumindest relativ gesehen: Die Luftschadstoffemissionen sinken aktuell stärker als die CO2-Emissionen im Straßenverkehr. Der Straßenverkehr verursachte im Jahr 2024 CO2-Emissionen in Höhe von 155 Millionen Tonnen. Hinzu kommen Emissionen von Luftschadstoffen wie Kohlenmonoxid (834 710 Tonnen), Stickoxiden (315 500 Tonnen) und Feinstaub (PM10; 27 310 Tonnen). Während die CO2-Emissionen im Straßenverkehr zwischen 2010 und 2024 lediglich um 6,0 % zurückgingen, weisen einige Luftschadstoffe im selben Zeitraum Emissionsreduktionen im zweistelligen Prozentbereich auf: So sanken die Emissionen von Kohlenmonoxid im Straßenverkehr um 38,2 %, von Stickoxiden um 61,2 % und von Feinstaub um 34,8 %. Immerhin. Das hätte wohl nur ein deutscher Trump verhindern können.

Es verharrt die bittere Duftmarke des CO2-Verbrauchs. Als Golf-ertüchtigte Jung-Unionisten jammerten, sie wollten nicht für die Renten ehemals Lohnabhängiger aufkommen, galt dies in der Medienwelt der Talkshows als tolle Botschaft an künftige Generationen. Wenn wir heute nichts Nachhaltiges gegen den Klimawandel investieren, versündigen wir uns dann etwa nicht viel mehr an Enkelinnen und Enkeln?

Egal. Was nutzt der ganz große Ärger? Erstmal klein denken und nicht verzagen! Wer es nicht zu weit hat und es sich gesundheitlich leisten kann, besitzt unverdrossen eine Alternative. Ich rate weiter zum Rad – bei Wind und Wetter. Ist einfach gesünder.

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