Durchschnittlich 682 Euro pro Monat für berechtigte Studis. Noch 1973 bekam fast die Hälfte Unterstützung
Wenn ein Thema dafür herhalten soll, wie stark sich die Situation deutscher Studierender im Laufe der letzten Jahrzehnte verschlechtert hat, darf gern das Thema der Ausbildungsförderung (Bafög) herhalten. Noch in der Startphase zwischen 1971 und 1973 hatten bis zu 47 % aller (!) Studierenden die Förderung bekommen. Das Bafög gilt bis heute als eine der wesentlichen Errungenschaften der seinerzeit von Willy Brandt geführten Bundesregierung. Und heute? Die Quote sank in den folgenden Jahrzehnten durch Einsparungen und veränderte Gesetze deutlich – und liegt heute nur noch bei circa 11,4 Prozent. Kurzum: Mittlerweile haben es deutsche Regierungen hinbekommen, dass Bafög als Thema nur noch eine kleine Studi-Minderheit betrifft:.
Die Frage, wie Studis heutzutage ihr Studium finanzieren, bleibt unbeirrt ein Topthema. Deutlich über 70 (!) Prozent der Studierenden sind nach einer Erfassung der Uni Frankfurt/Main derzeit erwerbstätig. Noch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung war für das Wintersemester 2026/2027 geplante BAföG-Erhöhung geplant. Die Versprechung entpuppte sich als Pustekuchen! Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte völlig neben der Spur, es sei „[k]ein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben“ (DIE ZEIT, 2026) – und alles wurde mit Assistenz des Bundeskanzlers verschoben. Gegen den Widerstand von CDU-CSU konnte es die SPD in der Bundesregierung zumindest durchsetzen, dass das BAföG zum Sommersemester 2027 minimal erhöht werden soll.
Wie sehen die Zahlen jetzt konkret aus? Im Jahr 2025 haben 570 000 Personen monatlich ihr BAföG erhalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 42 700 oder 7 % weniger Geförderte als im letzten Jahr. Ministerin Bär setzte somit einen „beeindruckenden“ Konsolidierungsbeitrag durch: Die Ausgaben ihres Ministeriums für BAföG-Leistungen sanken 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 118 Millionen (!) Euro auf 3,0 Milliarden Euro.
Durchschnittliche Förderungsbeträge
Bekannt ist: Für eine alleinstehende Person in Deutschland liegt das Existenzminimum bei rund 1.000 Euro pro Monat. Draufgepackt werden können „angemessene“ Kosten für Miete und Heizung, die je nach Wohnort unterschiedlich ausfallen.
Und Studis? Im Durchschnitt erhielten geförderte Studierende im Jahr 2025 monatlich nur 682 Euro. Falls die Eltern also nichts abdrücken, ist Arbeit angesagt. Für Schülerinnen und Schüler lag der durchschnittliche Förderungsbetrag bei 552 Euro. Mit der BAföG-Reform aus dem Jahr 2024 waren die Bedarfssätze und Freibeträge zuletzt leicht angehoben worden – sonst wären noch mehr Betroffene aus dem System herausgefallen.
Nur wenige freuen sich an Förderinstrumenten
Angeblich soll an die Schwächsten gedacht werden. Eine Studienstarthilfe ist ein einmaliger finanzieller Zuschuss zum Studienbeginn in Höhe von 1 000 Euro. Sie richtet sich an Personen unter 25 Jahren, die vor Beginn des Studiums bestimmte Sozialleistungen beziehen und sich erstmalig für ein Studium immatrikulieren. Im Jahr 2025 erhielten 11 600 Personen eine Studienstarthilfe. Der Anspruch auf Studienstarthilfe begründete sich meist mit Leistungen nach SGB II („Bürgergeld“, seit 1. Juli 2026 „Grundsicherungsgeld“), welche 60 % der Studienstarthilfe-Geförderten vor Studienbeginn bezogen.
Im Vergleich wird deutlich, wie minimal der Kreis der Beziehenden ist: In Deutschland waren im letzten Windersemester rund 2,88 Millionen Studierende an den Hochschulen eingeschrieben. Kurzum: Die schon in internationalen PISA- beziehungsweise OECD-Studien festgestellte soziale Schieflage des deutschen Bildungssystems und eines rückständigen dreigliedrigen Schulsystems setzt sich aktuell in makabrer Konsequenz fort.

Proteste nehmen zu
In ganz Deutschland flammen zunehmend Proteste unter den Studierenden auf. Wegen der enttäuschten Bafög-Versprechungen und sonstiger strikter Sparvorgaben kam es allein im Juni und Juli dieses Jahres zu großen Demonstrationen gegen Kürzungen.












