Und davon gleich mehrere! Von bitterböser Satire über philosophische Höhenflüge bis zu Osnabrücker Geschichte, dem VfL und den liebenswerten Macken dieser Stadt ist alles dabei.
In den kommenden Tagen stellen wir euch täglich eines unserer Bücher vor. Mal frech, mal tiefgründig, mal herrlich schräg. Also schaut rein! Osnabrück hat viele Seiten. Wir haben sie aufgeschrieben!
Kär, Kär, Kär 4.0
Das endgültige Osnabrücker Möchtegernwörterbuch
Es gibt Städte, die erkennt man an ihrer Architektur. Andere an ihrer Geschichte. Osnabrück erkennt man spätestens daran, dass jemand den Mund aufmacht.
Denn hier wird nicht einfach Deutsch gesprochen. Hier wird gedrömelt, geürmelt, gebuxtert und gelegentlich so beherzt gegen die Grammatik verstoßen, dass selbst der Duden vermutlich irgendwann entnervt das Handtuch werfen würde. Wer ein „Wasser ohne“ bestellt, bekommt trotzdem Kohlensäure, wer nach Moskau fährt, bleibt in der Wüste, und wer „Da kannste nich meckern!“ hört, darf sich einer geradezu überschwänglichen Anerkennung sicher sein.
Seit 2012 sammelt Kalla Wefel die sprachlichen Kostbarkeiten seiner Heimatstadt, rettet bedrohte Redewendungen vor dem Vergessen und geht jenen sprachlichen Eigenheiten auf den Grund, die für Einheimische selbstverständlich, für Zugezogene dagegen mitunter ein Fall für die Verständigungshilfe sind.
Mit bislang 21.500 verkauften Exemplaren gilt „Kär, Kär, Kär!“ als das erfolgreichste Osnabrücker Buch nach der Bibel und „Mein Kampf“. Eine literarische Nachbarschaft von zweifelhaftem Ruf, die immerhin beweist, dass Verkaufszahlen noch lange kein Qualitätsurteil sind. Im Unterschied zu seinen beiden vermeintlichen Konkurrenten erhebt Wefels Werk allerdings weder Anspruch auf göttliche Offenbarung noch auf weltanschauliche Erlösung. Es beschränkt sich auf die nicht minder anspruchsvolle Aufgabe, den Osnabrückern ihre eigene Sprache zu erklären.
Nun liegt mit „Kär, Kär, Kär! 4.0“ die vierte, vollständig überarbeitete, erheblich erweiterte und tatsächlich letzte Ausgabe vor. Rund 750 Wörter und Redewendungen, sprachgeschichtliche Entdeckungen, skurrile Geschichten, kulinarische Spezialitäten und liebevoll sezierte Osnabrücker Eigentümlichkeiten ergeben ein ebenso vergnügliches wie aufschlussreiches Porträt einer Stadt, die sich sprachlich beharrlich weigert, so zu sein wie alle anderen.
Dabei bleibt es keineswegs bei einem Wörterbuch. Wefel spürt dem Verschwinden alter Ausdrücke nach, entlarvt hartnäckige Stadtlegenden, klärt den Unterschied zwischen Schmöttke und Söttke und widmet sich mit beinahe wissenschaftlichem Ernst dem Ramankenstreit, dessen Bedeutung für die Osnabrücker Identität von Außenstehenden traditionell sträflich unterschätzt wird.
Mit sprachlicher Neugier, satirischer Boshaftigkeit und unübersehbarer Zuneigung zu seiner Heimat entsteht so eine kleine Kulturgeschichte des Osnabrücker Alltags – irgendwo zwischen Sprachforschung, Volkskunde und gepflegtem Blödsinn. Dass dabei auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Boris Pistorius und Satiriker Harald Wehmeier zu Wort kommen, unterstreicht die erstaunliche gesellschaftliche Tragweite dieser eigentlich vollkommen unvernünftigen Unternehmung.
„Kär, Kär, Kär! 4.0“ ist weit mehr als ein Wörterbuch: eine Liebeserklärung an die sprachlichen Unarten einer Stadt, ein Denkmal für ihren unverwechselbaren Eigensinn und der überzeugende Beweis, dass man Heimat nicht nur sehen, sondern vor allem hören kann.
Nach vier Ausgaben und 14 Jahren ist nun endgültig Schluss. Zumindest mit dem Sammeln. Denn die Osnabrücker Sprache lebt unbeirrt weiter, erfindet täglich neue grammatikalische Unmöglichkeiten und kümmert sich dabei herzlich wenig um die Regeln des Hochdeutschen.
Und das ist auch gut so. Denn wo alle richtig sprechen, gibt es irgendwann nichts mehr zu erzählen.
Kär, Kär, Kär!
Titel: Kär, Kär, Kär! 4.0
Autor: Kalla Wefel
204 Seiten Hardcover A5 – 18,00 €
Verlag Osnabrücker Rundschau im ViH – Oktober 2026












