Bücher der OR: „Kant gegen Möser“ von Rolf Wortmann

Die Osnabrücker Rundschau kann nicht nur Zeitung, sondern auch Buch!
Und davon gleich mehrere! Von bitterböser Satire über philosophische Höhenflüge bis zu Osnabrücker Geschichte, dem VfL und den liebenswerten Macken dieser Stadt ist alles dabei.
In den kommenden Tagen stellen wir euch täglich eines unserer Bücher vor. Mal frech, mal tiefgründig, mal herrlich schräg. Also schaut rein! Osnabrück hat viele Seiten. Wir haben sie aufgeschrieben!


Kant gegen Möser

Aufklärung statt Traditionalismus

Justus Möser und Immanuel Kant waren Zeitgenossen – und vertraten grundverschiedene Vorstellungen vom Zusammenleben der Menschen. Der Osnabrücker Jurist und Publizist verteidigte das historisch Gewachsene, die ständische Gesellschaft und ihre überlieferten Rechte. Der Königsberger Philosoph suchte in der Vernunft die Grundlagen von Freiheit, Moral und Recht. Ihr Gegensatz berührt eine Grundfrage politischer Ordnung: Kann sich das Bestehende auf seine lange Geschichte berufen, oder muss es sich an vernünftigen Maßstäben messen lassen?

Rolf Wortmann nimmt diese Spannung zum Ausgangspunkt einer kritischen Auseinandersetzung mit zwei herausragenden Denkern des 18. Jahrhunderts. Er untersucht Mösers politische und wirtschaftliche Vorstellungen, hinterfragt dessen Einordnung als Aufklärer und verfolgt seine wechselvolle Bedeutung für die Geschichte des deutschen Konservatismus. Dabei geraten die Verteidigung ständischer Privilegien und der Leibeigenschaft ebenso in den Blick wie die späteren Versuche, Möser zum Vordenker unterschiedlicher geistiger Strömungen zu erklären.

Die Beschäftigung mit Kant führt vom Lebensweg des Philosophen über seinen Entwurf Zum ewigen Frieden und seine politische Philosophie bis zur Begründung der Moral und zur Kritik der reinen Vernunft. Wortmann erschließt die Zusammenhänge zwischen selbstständigem Denken, menschlicher Würde und moralischer Verantwortung. Zugleich beleuchtet er Spannungen in Kants Werk: zwischen dem Anspruch auf Freiheit und Gleichheit und den Grenzen seiner Rechts- und Staatslehre.

In der abschließenden Gegenüberstellung werden die Unterschiede zwischen beiden Denkweisen besonders deutlich. Auch die Kritik an der Aufklärung selbst kommt zur Sprache – bis hin zu Horkheimer, Adorno und Habermas. Daraus entwickelt sich die Frage, welche Orientierung eine selbstkritische Vernunft für die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart bieten kann.

„Kant gegen Möser“ verbindet Ideengeschichte mit politischer Debatte. Ein streitbares Buch über die Rechtfertigung von Herrschaft, die Möglichkeiten menschlicher Freiheit und den Anspruch, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.




Titel: Kant gegen Möser
Autor:innen: Rolf Wortmann
300 Seiten Hardcover A5 – 24,00 €
Verlag Osnabrücker Rundschau im ViH – August 2024

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