Und davon gleich mehrere! Von bitterböser Satire über philosophische Höhenflüge bis zu Osnabrücker Geschichte, dem VfL und den liebenswerten Macken dieser Stadt ist alles dabei.
In den kommenden Tagen stellen wir euch täglich eines unserer Bücher vor. Mal frech, mal tiefgründig, mal herrlich schräg. Also schaut rein! Osnabrück hat viele Seiten. Wir haben sie aufgeschrieben!
Mein Vau Eff Ell!
Ein VfL-Lesebuch – herausgegeben von Kalla Wefel
Fußballliebe ist selten vernünftig. Wer sein Herz ausgerechnet an den VfL Osnabrück verliert, weiß das besonders gut. Denn dieser Verein verlangt seinen Anhängern einiges ab: Geduld, Leidensfähigkeit, eine bemerkenswerte Frustrationstoleranz und möglichst einen ausgeprägten Sinn für Humor.
Trotzdem zieht es sie immer wieder an die Bremer Brücke. Sie nehmen kilometerlange Auswärtsfahrten auf sich, feiern Siege wie Erlösungen und verarbeiten Niederlagen, als seien sie persönliche Schicksalsschläge. Nach besonders bitteren Enttäuschungen erklären sie ihre Beziehung zum VfL schon mal für beendet. Bis zum nächsten Anpfiff.
In „Mein Vau-Eff-Ell!“ erzählen Menschen, die dem Verein auf ganz unterschiedliche Weise verbunden sind, von ihren persönlichen Erlebnissen. Entstanden ist ein außergewöhnliches Lesebuch voller Erinnerungen, überraschender Begegnungen und Geschichten, bei denen das wirkliche Leben häufig die kühnste Fantasie übertrifft.
Zu den Mitwirkenden gehören auch zahlreiche bekannte Persönlichkeiten. Harald Pistorius, über viele Jahre Sportjournalist und Kenner des Osnabrücker Fußballs, schildert seine Erfahrungen mit den Trainern des Vereins und erlaubt dabei manchen Blick hinter die Kulissen. Der populäre Sportreporter Rolf Töpperwien lässt seine Osnabrücker Erlebnisse Revue passieren. Boris Pistorius, langjähriger Politiker und späterer Bundesverteidigungsminister, berichtet von seiner persönlichen Beziehung zum VfL. Neben vielen weiteren Autor:innen sind natürlich auch dabei die Autoren OR-Herausgeber Heiko Schulze und Kalla Wefel, der seine vom VfL geprägten Kindheitsjahre auf ebenso persönliche wie humorvolle Weise wiederaufleben lässt.
Besonders reizvoll wird dieses Buch dort, wo der VfL und seine Heimatstadt durch die Augen gegnerischer Fans betrachtet werden. Denn was für Osnabrücker selbstverständlich ist, kann auf Besucher aus Berlin, Hamburg oder Dortmund ausgesprochen befremdlich, faszinierend oder schlichtweg komisch wirken. Da wird die Bremer Brücke vom vertrauten Wohnzimmer zur erstaunlichen Sehenswürdigkeit, die viel beschworene lila-weiße Leidenschaft aus ungewohnter Perspektive betrachtet und der Osnabrücker Lokalpatriotismus einer mitunter schonungslosen Prüfung unterzogen.
Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wie die Osnabrücker ihren Verein sehen, sondern auch darum, wie der Rest der Fußballrepublik Osnabrück wahrnimmt. Was denken Auswärtsfans über diese Stadt, ihre Bewohner und einen Fußballverein, dessen Anhänger selbst in sportlich trostlosen Zeiten eine erstaunliche Beharrlichkeit entwickeln? Die Antworten fallen zwar nicht immer schmeichelhaft aus, sind aber voller Bewunderung. Gerade das macht diese Geschichten so lesenswert: Sie halten dem Osnabrücker Selbstverständnis einen Spiegel vor, in dem neben mancher lieb gewonnenen Eigenart auch einige komische Verzerrungen sichtbar werden.
Das Spektrum reicht von bewegenden Erinnerungen an große Fußballmomente über kuriose Begegnungen mit Spielern und Trainern bis zu abenteuerlichen Reisen in fremde Stadien. Jubel und Verzweiflung liegen dabei ebenso dicht beieinander wie liebevolle Verehrung und schonungslose Kritik.
Eine besonders persönliche Bedeutung erhält die Sammlung durch ihre Widmung: Wefel widmet das Buch seinem Vater, dem legendären VfL-Mannschaftsarzt „Doc“ Karl-Heinz Wefel, der sich dreieinhalb Jahrzehnte ehrenamtlich für den Verein engagierte und auch unter schwierigen Umständen nie seinen Humor verlor.
All diese Geschichten handeln keineswegs nur von Toren, Tabellenplätzen und verpassten Aufstiegen. Sie erzählen ebenso von Heimatgefühl und Zusammenhalt, von Freundschaften, Enttäuschungen und jener eigenartigen Treue, die Menschen über Generationen hinweg an denselben Verein bindet.
So entsteht ein vielstimmiges, ebenso komisches wie berührendes Porträt des VfL Osnabrück und seiner Stadt – erzählt von überzeugten Anhängern, prominenten Wegbegleitern und jenen, die aus sicherer Entfernung glaubten, über Osnabrück und seinen Fußballverein bereits alles zu wissen.
Ein Buch, das einen zum Lachen bringt, Erinnerungen weckt und deutlich macht, weshalb selbst die größten sportlichen Katastrophen irgendwann noch für eine gute Geschichte taugen.
Wer den VfL liebt, darf eben nicht allzu viel Vernunft erwarten. Starke Nerven und eine gehörige Portion Humor sind entschieden hilfreicher.
Titel: „Mein Vau Eff Ell!“
Herausgeber: Kalla Wefel
284 Seiten Hardcover A5 – 24,00 €
Verlag Osnabrücker Rundschau im ViH













