Und davon gleich mehrere! Von bitterböser Satire über philosophische Höhenflüge bis zu Osnabrücker Geschichte, dem VfL und den liebenswerten Macken dieser Stadt ist alles dabei.
In den kommenden Tagen stellen wir euch täglich eines unserer Bücher vor. Mal frech, mal tiefgründig, mal herrlich schräg. Also schaut rein! Osnabrück hat viele Seiten. Wir haben sie aufgeschrieben!
Schräge Heimat
Erlebtes zwischen Wahrheit und Osna-Fiction
Die Erinnerung ist eine notorische Geschichtenerzählerin. Sie verschweigt, übertreibt, verklärt und erfindet gelegentlich hinzu. Vor allem aber bewahrt sie, was die Zeit längst verschluckt zu haben scheint.
Heiko Schulze hat sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit begeben und dabei weit mehr gefunden als die üblichen Fundstücke eines gelebten Lebens. Entstanden ist ein ebenso liebevolles wie respektloses Porträt seiner Heimatstadt Osnabrück, ihrer Menschen und ihrer Merkwürdigkeiten – erzählt mit spitzer Feder, wachem Verstand und jener unerschütterlichen Selbstironie, die verhindert, dass Erinnerungen zu Denkmälern erstarren.
Die Reise beginnt in einer Kindheit, in der ein Spielzeugrevolver noch zur kriminellen Karriere verführen konnte, ein Pfeil mit Gummipfropfen die Bundeswehr erschütterte und die Dodesheide ein Universum voller Abenteuer war. Sie führt durch Klassenzimmer und Hörsäle, politische Grabenkämpfe und gesellschaftliche Aufbrüche, vorbei an großen Hoffnungen, kleinen Niederlagen und Menschen, die manchmal gerade durch ihre Schrulligkeit unvergesslich geblieben sind.
Auch der VfL Osnabrück spielt mit – jener Verein, der seinen Anhängern seit Generationen eindrucksvoll beweist, dass Liebe und Leid keine Gegensätze sein müssen. Es folgen politische Leidenschaften, journalistische Erfahrungen, sportliche Strapazen und schließlich eine Pandemie, die selbst dem geübten Beobachter menschlicher Absonderlichkeiten noch einiges abverlangt.
Doch Schulze betreibt keine sentimentale Denkmalpflege. Seine Erinnerungen sind keine verklärten Ansichtskarten aus einer angeblich besseren Zeit. Sie erzählen auch von Vorurteilen, gesellschaftlichen Widersprüchen, politischer Verbohrtheit und den Irrtümern der eigenen Jugend. Immer wieder blitzt hinter dem persönlichen Erlebnis das größere Zeitgeschehen auf. Aus der kleinen Geschichte wird Geschichte im Großen – und umgekehrt.
Wo die Erinnerung endet, beginnt die Fantasie. In seinen Ausflügen in die „Osna-Fiction“ lässt Schulze die vertraute Heimat in eine Zukunft taumeln, die so grotesk erscheint, dass man unwillkürlich fragt, wie weit die Gegenwart eigentlich noch davon entfernt ist.
„Schräge Heimat“ ist eine literarische Liebeserklärung ohne Heiligenschein, eine Zeitreise ohne nostalgischen Weichzeichner und ein ebenso heiteres wie hellsichtiges Stück erzählter Stadtgeschichte.
Ein Buch über das Erinnern und Vergessen, über Aufbruch und Ernüchterung, über die Komik des Alltäglichen und die Absurditäten des Weltgeschehens. Vor allem aber über eine Heimat, die man nicht deshalb liebt, weil sie vollkommen wäre, sondern weil einem ihre Unvollkommenheiten auf merkwürdige Weise ans Herz gewachsen sind.
Denn Heimat ist vielleicht nichts anderes als jener Ort, an dem selbst die eigenen Irrtümer noch eine vertraute Adresse haben.
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Titel: Schräge Heimat
Autor: Heiko Schulze
204 Seiten Hardcover A5 – 18,00 €
Verlag Osnabrücker Rundschau im ViH – September 2026












