Bücher der OR: „Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit“ vom ILEX-Kreis

Die Osnabrücker Rundschau kann nicht nur Zeitung, sondern auch Buch!
Und davon gleich mehrere! Von bitterböser Satire über philosophische Höhenflüge bis zu Osnabrücker Geschichte, dem VfL und den liebenswerten Macken dieser Stadt ist alles dabei.
In den kommenden Tagen stellen wir euch täglich eines unserer Bücher vor. Mal frech, mal tiefgründig, mal herrlich schräg. Also schaut rein! Osnabrück hat viele Seiten. Wir haben sie aufgeschrieben!


Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit
36 Biografien mutiger Menschen

Wer sich dem Nationalsozialismus widersetzte, riskierte Freiheit und Leben. Auch in Osnabrück gab es Menschen, die dieses Risiko auf sich nahmen. Sie verbreiteten verbotene Schriften, organisierten heimliche Treffen, unterstützten Verfolgte und verhalfen Kriegsgefangenen zur Flucht. Während das Regime auf Zustimmung, Anpassung und die Bereitschaft zur Denunziation bauen konnte, hielten sie an ihren Überzeugungen fest. Ihr Widerstand entstand aus politischem Engagement, religiösem Glauben, Solidarität und dem Entschluss, erlittenes oder beobachtetes Unrecht nicht hinzunehmen.

In 36 eindringlichen Biografien zeichnet der ILEX-Kreis die Lebenswege von Frauen und Männern nach, deren Geschichte mit Osnabrück verbunden ist. Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten begegnen uns ebenso wie Geistliche, jüdische Osnabrückerinnen und Osnabrücker sowie Menschen, die als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter in die Stadt verschleppt wurden. Manche bekämpften den aufkommenden Nationalsozialismus bereits lange vor 1933. Andere fanden angesichts von Entrechtung, Verfolgung und Krieg zu ihrem persönlichen Widerstand.

Der Journalist Josef Burgdorf griff die Nationalsozialisten mit scharfer Feder an und hielt unter ständiger Überwachung Verbindungen im Untergrund aufrecht. Der Sportlehrer Ernst Sievers übernahm die Leitung eines jüdischen Turnvereins und setzte sich damit gewaltsamen Angriffen aus. Der französische Zwangsarbeiter Raymond Vinclair nutzte seine Arbeit am Osnabrücker Güterbahnhof, um Gefangenen die Flucht in Richtung ihrer Heimat zu ermöglichen. Ihre Geschichten führen an vertraute Orte der Stadt, deren Bedeutung als Schauplätze von Verfolgung und Gegenwehr heute vielfach kaum bekannt ist.

Auf der Grundlage von Archivquellen, persönlichen Erinnerungen, Fotografien und historischen Dokumenten erschließt dieser Band ein lange vernachlässigtes Kapitel der Stadtgeschichte. Er erzählt von Zusammenhalt und Einsamkeit, von Einfallsreichtum und Verrat, von Haft, Folter und Mord. Auch die Lebenswege der Überlebenden nach 1945 werden sichtbar: ihre Beteiligung am gesellschaftlichen Neubeginn, ihre Verluste und die Schwierigkeiten, Anerkennung für das erlittene Unrecht zu finden.

Diese Menschen handelten mit begrenzten Mitteln und unter Bedingungen, die jede Hilfeleistung zur Gefahr machen konnten. Ihre Biografien geben dem Widerstand Namen und Gesichter. Sie bewahren die Erinnerung an Entscheidungen, deren Tragweite sich oft erst im Rückblick ermessen lässt – und an Menschen, die bereit waren, für andere Verantwortung zu übernehmen, als Menschlichkeit zum Verbrechen erklärt wurde.

Mit einem Vorwort von Christoph Rass.




Titel: Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit
Autor:innen: Heiko Schulze, Martina Sellmeyer, Dieter Pryzgode, Hartmut Böhm
276 Seiten Hardcover A4 – 29,00 €
Verlag Osnabrücker Rundschau im ViH – Oktober 2023

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