Ein Jahr nach dem Praxistest: Hopper Mobility im Spagat zwischen Lieferdruck und Innovation

Besuch beim Hamburger Start-up

Ein Jahr nach dem redaktionellen Alltagstest des Hopper Passenger stand am 1. Oktober ein Besuch beim Hamburger Start-up Hopper Mobility GmbH an. Das 2021 gegründete Unternehmen entwickelt ein überdachtes Dreirad-Elektrofahrzeug, das den Komfort und den Preis eines Kleinwagens mit der Flexibilität eines E-Bikes verbinden soll. Die Redakteure Benjamin Theen und Pascal Grötemeyer sprachen mit Finanzchef Torben Müller-Hansen über den aktuellen Stand der Serienproduktion, technische Innovationen und die Positionierung am Markt. Ein Link zum Beitrag verschafft weitere Klarheit. 


Wie ist der aktuelle Stand bei Hopper Mobility und worauf liegt derzeit Ihr Hauptfokus?

Der Fokus liegt ganz klar auf produzieren, produzieren und nochmal produzieren. Viele Kunden warten auf ihr Fahrzeug, und wir haben inzwischen wichtige Lieferfähigkeitsthemen gelöst. Nach zwei bis drei Jahren am Markt ist das Fahrzeug gut erprobt. Die Nachfrage verdoppelt sich nahezu jährlich, wird aktuell aber noch durch Lieferzeiten gebremst.


Wie entwickeln sich die Auslieferungszeiten konkret?

Real liegen wir derzeit bei zehn Monaten Wartezeit. Engpässe entstehen oft durch Kleinigkeiten bei Zulieferern – etwa bei der Qualität des Rohmaterials für die Plexiglasscheiben im Zuge der Iran-Krise. Da wir viel vorgearbeitet haben und Bauteile nun eintreffen, wollen wir die Lieferzeit bis Mitte nächsten Jahres auf zwei bis vier Monate senken.


Wie steht es um angekündigte Features wie das Solardach, die Rekuperation oder Onboard-Charging?

Diese Themen sind spannend, haben aber derzeit nicht die höchste Priorität, da die saubere Integration in den zugekauften Antriebsstrang komplex ist. Erste Muster für das Onboard-Charging werden bereits von Kunden erprobt. Zudem arbeiten wir mit der RWTH Aachen an der Fahrdynamik, was in ein bis zwei Jahren in Serie gehen könnte.


Bleibt der Einstiegspreis von rund 11.900 Euro stabil?

Der Preis bleibt aktuell komplett stabil. Eine Preisreduktion ist wegen allgemeiner Preissteigerungen nicht möglich, aber wir versuchen, Mehrkosten über die Skalierung aufzufangen.


Wer gehört zu Ihrer Hauptzielgruppe?

Wir ersetzen bei Umfragen rund zwei Drittel der typischen Autofahrten auf Kurzstrecken bis zehn Kilometer. Wichtig ist für uns auch die Gruppe der Menschen ohne Führerschein im ländlichen Raum, die längere Distanzen überbrücken müssen. Demografisch sehen wir eine Tendenz zu Käufern zwischen 45 und 70 Jahren am Stadtrand oder in kleineren und mittleren Städten.


Wie sieht das Vertriebs- und Servicekonzept aus?

Wir setzen primär auf den Direktvertrieb. Neben dem Werksdienst in Hamburg und ausgewählten Partnerhändlern nutzen wir einen deutschlandweit mobilen Service, der Kunden direkt anfährt. Da der Hopper ohne Kette und Gangschaltung auskommt, ist er sehr wartungsarm; Bremsen und Reifen kann zudem jede Fahrradwerkstatt betreuen. Auch Dienstrad-Leasing bieten wir über verschiedene Partner an.


Wie verteilen sich die Verkäufe auf die Modellvarianten?

Etwa 80 bis 85 Prozent entfallen auf das Modell „Passenger“, da es flexibler ist. Das Modell „Cargo“ wird vor allem im B2B-Bereich genutzt, etwa von Pflegediensten oder Lieferdiensten.


Kommt ein öffentliches Sharing-System für Städte infrage?

In einem offenen System sehen wir wegen hoher Anschaffungskosten und möglicher unsachgemäßer Nutzung derzeit kein funktionierendes Geschäftsmodell. Geschlossene Flotten für Stadtverwaltungen oder Firmen, wie sie bereits im Einsatz sind, halten wir jedoch für sehr sinnvoll.


Wie bewerten Sie die Konkurrenzsituation am Markt?

Eine direkte Konkurrenz im B2C-Segment sehen wir aktuell nicht. Die Mitbewerber im B2B-Bereich konzentrieren sich meist auf schwere Paketzustellräder. Durch unsere jahrelange Entwicklung haben wir einen Vorsprung von fünf bis sechs Jahren.


Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

Stillstand nein Danke. Für den wendigen Passenger lautlos vorbei an alten Vorgaben für die Mobilität von morgen. © Pascal Grötemeyer

Wer sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten des kompakten Kabinenrads machen möchte, findet bei Hopper Mobility umfassende Informationen zu den aktuellen Modellen sowie zum standortspezifischen Serviceangebot. Zudem bietet das Start-up auf seiner Webseite die Möglichkeit, direkt einen Termin für eine Probefahrt an verschiedenen Standorten zu vereinbaren. Weitere Details dazu finden Interessierte unter diesem Link.

 

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