Vollversammlung: „Handwerk der Region bleibt stabil!“

„Parlament des Handwerks“ tagt zu seiner Frühjahrssitzung. Präsident Nünemann: Politik agiert hilflos.

„Auf der bundespolitischen Bühne hat sich in den letzten Monaten nichts getan hat, was in irgendeiner Hinsicht als positiv bedeutungsvoll kategorisiert werden könnte“. Kammerpräsident Andreas Nünemann ging gleich zu Anfang seines Vortrags vor den Vollversammlungs-Mitgliedern aus der Region Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim in die Vollen. Eines seiner Beispiele: die 1.000 Euro Prämie. „Dabei haben wir im Handwerk mit unseren kleinen und mittleren Betrieben enorme Belastungen auf dem Energiesektor zu verkraften, denn allein an den Zapfsäulen zahlen unsere Betriebe mit unseren Kundendienstfahrzeugen enorm drauf, was nicht an unsere Kunden weitergegeben werden kann und somit der finanzielle Spielraum der Betriebe immer mehr eingeengt wird“, bilanziert der Präsident.

Die politische Diskussion in Deutschland sei derzeit stark geprägt von Verunsicherung: “Viele Menschen fragen sich: Welche Entscheidungen kommen aus Berlin? Und werden die Sorgen des Mittelstands überhaupt noch ausreichend gehört?“ Das Handwerk brauche mehr Vertrauen in die Unternehmerinnen und Unternehmer des Landes und weniger Misstrauen durch immer neue Regulierungen, denn gerade das Handwerk zeige doch jeden Tag Verantwortung: für Ausbildung, für Qualität, für regionale Wertschöpfung und für soziale Stabilität. Gerade in Zeiten großer Unsicherheit zeige sich, wie unverzichtbar das Handwerk ist – für die Versorgung, für die Energiewende, für den Wohnungsbau, für die regionale Wirtschaft und nicht zuletzt für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Viele Betriebe berichten bezüglich der aktuellen Konjunkturumfrage von einer spürbaren Zurückhaltung bei Investitionen. Der Wohnungsbau schwächelt weiterhin deutlich. Hohe Zinsen, steigende Materialkosten und unsichere Rahmenbedingungen führen dazu, dass Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Auch energieintensive Betriebe stehen weiterhin unter Druck. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten, Versicherungen und Abgaben. Nünemann: „Dennoch erleben wir kein resignierendes Handwerk. Wir erleben ein belastbares Handwerk, denn die Auftragslage ist in vielen Gewerken stabil, aber die Erträge stehen zunehmend unter Druck. Viele Betriebe arbeiten heute deutlich härter für weniger Gewinn.“ Besonders kritisch sei die Situation im Bau- und Ausbauhandwerk. Hier brauche das Handwerk dringend Impulse. „Deutschland braucht Wohnraum, energetische Sanierung und moderne Infrastruktur. Ohne ein leistungsfähiges Handwerk wird keines dieser Ziele erreichbar sein“.

Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt betonte als großen Erfolg die Einführung des Azubi-Tickets auf Landesebene. „Dafür haben wir jahrelang gekämpft und es zeigt sich, dass sich das geduldige Beharren auf diese Notwendigkeit erfolgreich war.“ Auch die Einrichtung eines Energie- und Wärmeinfozentrum gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Osnabrück und Stadt Osnabrück sei ein richtiger Schritt für eine zielgerichtete Verbraucherinformation bezüglich der Implementierung moderner Infrastrukturmaßnahmen im Energiesektor. Die Einführung eines elektronischen Berufsausweises für die Gesundheitshandwerke erleichtere enorm die Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern. „Zwar ist dieses Dokument erst ab 2027 verpflichtend, aber wir preschen eben schon mal vor im Sinne unserer Betriebe“, so Ruschhaupt.

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