Oper des Osnabrücker Theaters aus traurigem Anlass
Peter van Pels, geboren am 8. November 1926 in Osnabrück, aufgewachsen im Hause Martinistraße 67a, wurde im Alter von gerade einmal 18 Jahren ermordet 1944 durch Auszehrung nach dem Todesmarsch von Auschwitz nach Mauthausen und der anschließenden Zwangsarbeit.
Das Theater Osnabrück nahm diese bedrückende und mahnende Geschichte zum Inhalt einer Auftragsarbeit für eine siebzigminütige Oper – denn nur diese Kunstform konnte letztlich dem darzustellenden Unheil gerecht werden.
Und gerecht geworden sind Komponist Anno Schreiber und Librettist Joscha Schaback dem Thema mit einer beeindruckenden Umsetzung, die zusätzlich durch die wunderbare Ensemble- und Chorleistung und die düstere Bühnengestaltung verstärkt wird.
Die Oper beginnt im beschaulichen Osnabrück an der Martinistraße, das Wohnhaus wird als Foto eingeblendet und verwandelt sich von einer alten Schwarzweiß-Ablichtung zu einem Bild aus heutigen Tagen. Ein fröhlicher Junge turnt auf der Bühne durch die Straßen, fährt Fahrrad bis … ja bis seine Mutter ihm erklärt, dass die Familie wegen der Judenverfolgung hier nicht mehr sicher sei und in die benachbarten Niederlande auswandern werden.
Als auch hier die Nationalsozialisten auf Verfolgungsjagden gehen, müssen sie sich in einem Hinterhaus verstecken. Und in dieses Versteck an der Prinsengracht 263 in Amsterdam ist auch Anne Frank mit ihren Eltern eingezogen.
Die Unterbringung dort sollte nur für kurze Zeit sein; immer wieder keimte durch Radionachrichten Hoffnung auf eine Befreiung durch die Aliierten auf, aber sie kam und kam nicht.
Die Oper spiegelt nun das Auf und Ab der Gefühlswelten von Peter und Anne wider, die sich durch die langen und langweiligen Tage quälen. Immer zwischen Hoffnung und auch Fröhlichkeit bei einer vermeintlich guten Radioinformation und einer an Depression grenzenden Hoffnungslosigkeit, zwischen Stunden mit Lesen, Spiel und auch Tanz (Peter liebt den Swing, den er Anne beibringt), aber auch Streit durch Frust und Mangel.
All das wird vom Orchester harmonisch untermalt und begleitet, mal zurückgenommen, mal aufbrausend oder angsteinflößend, zum Beispiel, wenn die SS auf Suche geht.
Die Gesangspassagen der Solisten sind sehr klar und deutlich, werden aber trotzdem per Videoschrift auf Monitoren angezeigt, was das Verstehen um einiges erhöht. Beim mehrstimmigen Ensemblegesang, den Florian Wugk (als Peter), Susanna Edelmann (als Anne), Susann Vent-Wunderlich (als Peters Mutter) und Jan Friedrich Eggers (als Annes Vater) glänzend beherrschen und den Chorpassagen ist es allerdings sehr hilfreich.
Es kann bei dieser Oper kein gutes Ende geben. Deshalb endet sie auch mit der Entdeckung der Familien van Pels und Frank und der Deportation zusammen mit anderen erst ins Durchgangslager Westerbork, dann über Auschwitz und den Todesmarsch nach Mauthausen (Außenlager Melk), wo Peter van Pels (auch auf der Bühne) als Zwangsarbeiter Steine schleppen muss.
Der Vorhang fällt, die vier Solisten treten davor und erzählen vom traurigen Ende des ehemals fröhlichen Jungen Peter van Pels. Als Mahnung wird in Stille ein großes Foto des Stolpersteins, das vor dem ehemaligen Zuhause an der Martinistraße eingebracht wurde, eingeblendet – in Form des Stolpersteins.
Die Inszenierung dieser Oper durch Ulrich Mokrusch ist emotional überwältigend und wird vom Publikum mit minutenlangem Applaus belohnt. Sie ist auf jeden Fall eine Vorstellung, die auch oder vielleicht besonders junge Menschen ansprechen wird.
Einen ausführlichen Hintergrundartikel zur Geschichte der Familie van Pels wird es in den nächsten Tagen von Martina Sellmeyer, die als Fachberaterin bei der Entstehung des Stücks mitgewirkt hat, hier in der Osnabrücker Rundschau geben.
Tickets und weitere Infos: www.theater-osnabrueck.de/













