Sechs der zwölf miteinander verwobenen Geschichten aus dem Erfolgsband „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ hat Demjan Duran nun im emma-theater inszeniert.
Die Geschichten, die Saša Stanišić erzählt, sind miteinander lose verknüpft; er selbst ist Protagonist einer Freundesgruppe, die im Jahr 1994 in den Weinbergen nahe Heidelberg „abhängt“ und der Fantasie freien Lauf lässt. So kommt Fatih auf die Idee „wie super es denn wäre, wenn es einen Probenraum für das Leben gäbe – 10 Minuten für 130 Mark“.
Im weitern Verlauf wird über Urlaubspläne geplaudert, und Saša, wohl wissend, dass sich seine Eltern keinen Urlaub leisten können, gibt begeistert baldige Ferien auf Helgoland bekannt.
Alle vier sind Menschen mit Migrationshintergrund (Türkei, Jugoslawien, …) mit wenig Aussicht auf eine Karriere, machen aber das Beste daraus – zum Beispiel stundenlang Doppelkopf spielen.
Es ist wundervoll zu sehen, wie fantasievoll das Ensemble (Soraya Abtahi, Tenzin Chöney, William Hauf, Michi Wischniowski und Thomas Kienast) die kleine Bühne des emma-theaters bespielt, die für dieses Stück lediglich aus drei großen, quer zur Publikumstribüne aufgebauten, Bodenwellen besteht.
Da werden die Wellen zum Weinberg, in dem man es sich in der warmen Sonne gemütlich macht oder zu Riesenwellen vor Helgoland, das es schwimmend zu erreichen gilt, weil das Boot gekentert ist, zum Sitzplatz beim Doppelkopfspielen oder als Grabhügel, bei dem sich die einsame Witwe Gisel überlegt, wie sie denn nun den Ausguss der Gießkanne auszurichten hat, damit sie angesprochen wird. Genial auch der Einfall, die Wellen als Heizungsrippen darzustellen, die die Mutter eines der Freunde bei ihrem Putzjob von riesigen (lebenden) Staubmäusen mit Hilfe eines Wedels befreien muss.
Trotz allen humoristischen Einlagen umschwebt die vier Freunde immer auch ein Hauch von Schwermut – und hier kommt der Romantiker Heine ins Spiel …
Tolle Geschichte(n) – es hätten auch noch mehr aus dem Buch von Saša Stanišić sein können – tolles Schauspiel, tolle Inszenierung; ein inspirierender Abend.
Es gibt noch ein paar wenige Tickets: www.theater-osnabrueck.de/













