Bürgerstiftung feiert Abschluss von 13 Kinder- und Jugendkursen

Phantasie und analoge Freiräume

Zum Ende des Schulhalbjahres 2025/2026 blicken die Bürgerstiftung Osnabrück und rund 200 Kinder und Jugendliche auf 13 Kreativkurse, die im Rahmen des Projekts „K3 – Kultur macht Kinder stark“ angeboten wurden. Die Kurse boten den Teilnehmenden an verschiedenen Lernorten über mehrere Monate hinweg wöchentliche Räume für Theater, Musik und bildende Kunst. Dazu präsentierten die jungen Akteure ihre Ergebnisse in Ausstellungen und Aufführungen der Öffentlichkeit.


Gemeinsames Schaffen und individuelle Entfaltung im Fokus

Das Projekt „K3 – Kultur macht Kinder stark“, das maßgeblich durch die Friedel und Gisela Bohnenkamp-Stiftung gefördert sowie von der KITABU-Stiftung unterstützt wurde, setzte sich zum Ziel, im Zeitalter digitaler Medien analoge Gestaltungsräume für Heranwachsende zu schaffen. Projektkoordinator Dr. Klaus Lang betonte im Rahmen der Abschlusspräsentationen die positive Entwicklung der Teilnehmenden: „Das Engagement der Kinder, ihre Phantasie und ihre Kreativität, ihre Entwicklung in wenigen Wochen der Kursteilnahme sind immer wieder beeindruckend.“ Die pädagogische Leitung lag in den Händen erfahrener Kulturpädagogen, die eine gezielte Anleitung mit der Förderung von sozialer Empathie und gestalterischem Freiraum verbanden.

Die Vielfalt der Ergebnisse spiegelt sich in den verschiedenen Sparten wider. Während in den Kunstkursen plastische Arbeiten sowie Malereien entstanden, erarbeiteten die Theatergruppen emotionale Stücke oder befassten sich spielerisch mit darstellerischen Grundlagen. In den Musikgruppen wiederum standen das gemeinsame Singen und die Erfahrung, die eigenen Werke auf einer Bühne vor Publikum zu präsentieren, im Vordergrund.

Birgit Kannengießer, Francesca Quinzi, Elke Ihnen, Charline Knappe, Ute Gewicke von der Bohnenkamp Stiftung und Klaus Lang von der Bürgerstiftung.

Die Lernorte des Projekts „K3“ im Überblick

Kunstschule „KunstSprung“: Unter der Leitung von Birgit Kannegießer arbeiteten hier unter anderem zwei fünfte Klassen des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte (LBZH). Die Kinder fertigten Reliefs und Porträts auf kreisrunden Pappen an.

Im Rahmen des Kunstkurses der Anne-Frank-Schule, der ebenfalls von Birgit Kannegießer geleitet wurde, nahmen neun Jungen und ein Mädchen einer fünften Klasse teil. Da sich die Gruppe nach dem Wechsel aus der Grundschule erst neu finden musste, starteten die Beteiligten mit dem gemeinsamen Zeichnen von Porträts, um einander kennenzulernen. Aufgrund der vielfältigen Interessen und Bedürfnisse im kreativen Prozess arbeiteten die Kinder dank der Unterstützung zweier Praktikantinnen und einer ehrenamtlichen in kleinen Gruppen parallel an verschiedenen Projekten. Während eine Gruppe sich der freien Malerei widmete, entstanden an anderen Tischen detailreiche Bauwerke. Zudem bauten zwei Kinder im Team gemeinsam eine E-Gitarre. Die Ergebnisse wurden in einer Abschlussausstellung präsentiert, die von den Kindern selbst eröffnet wurde. Die Werke wurden dabei teils als großflächige Projektionen und Installationen auf dem roten Teppich in der Schule in Szene gesetzt.


Kunstschaffung im Kunstraum „hase29“

Die Galerie hase29 fungierte als vielseitiger Kooperationspartner für verschiedene Zielgruppen. Im Rahmen des Projekts „we ar(e)t together“ trafen sich unter der Leitung von Lara Burgmann wöchentlich Kinder und Jugendliche, darunter eine feste Gruppe geflüchteter ukrainischer Jugendlicher im Alter von 11 bis 15 Jahren. Neben kunstpraktischen Techniken wie Druck und Installation erkundeten die Teilnehmenden dialogisch die laufenden Ausstellungen des Hauses.

Ein weiteres Angebot an diesem Ort war das „Montagsatelier“ unter der Leitung von Nina Lükenga, das sich gezielt an junge Frauen der Einrichtung richtete und diesen einen geschützten Raum für die Arbeit mit Ton und Textilien bot. Zudem fand in Kooperation mit der Elisabeth- und Rückertschule das offene Ganztagsangebot „Kunterbunte Kunst“ statt, bei dem Schülerinnen und Schüler unter Anleitung von Alexandra Malobrodski und Lara Burgmann eigene Sammelbücher gestalteten und erste Erfahrungen mit der Nähmaschine sammelten.

Die dritt- und Viertklässler der Grundschule in der Wüste mit ihrer Leiterin Frau Bergmann

Grundschulen im Stadtgebiet

In der Grundschule in der Wüste sowie an der Diesterwegschule Leitete Kursleiterin Anke Bergmann Kunstprojekte, bei denen Obst und Gemüse im Mittelpunkt standen. Die Kinder lernten dabei aus verschiedenen Lebensmitteln fantasievolle Kunstfiguren und tierische Skulpturen zu formen. Ziel war es, neben der Akzeptanz für gesunde Lebensmittel auch die eigene Vorstellungskraft und Feinmotorik durch kreatives, haptisches Arbeiten zu fördern.

An der Albert-Schweitzer-Schule leitete Anja Hockmann die Kunst-AG „Alles Kunst oder was?!“. Hier setzten sich die Kinder intensiv mit dem Abbau von kreativen Blockaden und dem Einlassen auf freie künstlerische Prozesse auseinander, um individuelle Kunstbücher zu gestalten. An der Diesterwegschule führte Johanna Bethge eine heterogene Theatergruppe durch die theaterpädagogische Arbeit, wobei die Bewältigung des Übergangs vom starren Schulalltag in die kreative Bewegung im Fokus stand.

An der Grundschule Sutthausen widmete sich die Theater-AG unter Nora Junghanß dem Thema „Gefühle“. Die Kinder entwickelten basierend auf persönlichen Erlebnissen eigene Szenen zu Emotionen wie Angst, Wut und Freude und schärften in anschließenden Kritikrunden ihren Blick für theatrale Prozesse. In der Rosenplatzschule leitete Dunya Jabbar ein spartenübergreifendes Angebot an, das Kunst, Musik, Theater und Tanz kombinierte, um den Kindern vielfältige Ausdruckskanäle zu eröffnen.


Musikangebote im Stadtteil

Das Projekt „My Music“ unter der Leitung von Walter Schroth fand sowohl im Kindertreff des Jugendzentrums Westwerk in Eversburg als auch in der Grundschule Hellern statt. Im Westwerk führten gemeinsame Auftritte, unter anderem beim Weltkindertag auf dem Marktplatz, zu einer spürbaren Stärkung des Selbstbewusstseins der teilnehmenden Kinder. In der Grundschule Hellern gestaltete der „Sing mit“-Chor einen Auftritt vor rund 300 Gästen im Rahmen der Schulweihnachtsfeier in der örtlichen Sporthalle.


Stadtteiltreff Haste

Das „Offene Atelier“ im Kinder- und Jugendtreff Haste, geleitet von Caro Enax, bot Kindern und Jugendlichen im Alter von bis zu 15 Jahren einen wöchentlichen Freiraum ohne feste Aufgabenstellung. Gearbeitet wurde vor allem mit Acrylfarben sowie plastisch mit Modelliermasse und Gipsbinden, um dreidimensionale Tierdarstellungen und Porträts zu erschaffen.


Hintergrund: Kulturelle Teilhabe als Entwicklungsbeschleuniger

Das Projekt „K3 – Kultur macht Kinder stark“ leistet einen wesentlichen Beitrag zur lokalen Bildungslandschaft, indem es Barrieren zur kulturellen Teilhabe abbaut. Viele der teilnehmenden Kinder erhielten durch die kostenfreien Angebote erstmals Zugang zu professionell begleiteten künstlerischen Aktivitäten. Die pädagogischen Berichte der beteiligten Institutionen verdeutlichten, dass die schöpferische Arbeit im analogen Raum nicht nur handwerkliche Fähigkeiten vermittelte, sondern nachweisbar die sozial-emotionale Kompetenz, die Frustrationstoleranz und das Gemeinschaftsgefühl stärkte. Angesichts zunehmender Digitalisierung im sozialen Verhalten von Kindern und Jugendlichen zeigten die Abschlusspräsentationen die anhaltende Relevanz niedrigschwelliger, kreativer Bildungsangebote im direkten Lebensumfeld der Schülerinnen und Schüler.

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