Zur Bedeutung schneller Wiederbelebungsmaßnahmen
Zum World Restart a Heart Day am 16. Oktober rückt die Bedeutung schneller Wiederbelebungsmaßnahmen in den Fokus. Die Defi-League hat dazu einen konkreten Beitrag geleistet: Bei der digitalen Schatzsuche wurden 247 bislang nicht erfasste Defibrillatoren neu entdeckt. Für weitere 143 Geräte wurden zusätzliche Informationen gesammelt, etwa zum genauen Standort und zum Funktionszustand.
Dr. Andreas Atzeni, Nephrologe, erklärt, warum eine möglichst vollständige und verlässliche Übersicht im Notfall Leben retten kann. „Ein Defibrillator kann Leben retten. Er nützt aber nur dann etwas, wenn er frühzeitig zum Einsatz kommt“, erläutert Dr. Andreas Atzeni. Der Mediziner des Nephrologischen Zentrums am Klinikum Osnabrück weiß, wie entscheidend jede Minute bei einem Herzstillstand ist. „Das Gehirn beginnt nach drei bis fünf Minuten zu sterben. Jede Sekunde, in der nichts passiert, verschlechtert die Ausgangslage“, erklärt er. Umso wichtiger ist, dass Menschen vor Ort schnell handeln können. Atzeni betont: „Beginnt innerhalb der ersten ein bis drei Minuten jemand mit der Herzdruckmassage, während eine zweite Person einen Defibrillator holt und anschließt, können die Überlebenschancen auf 70 bis 100 Prozent steigen.“
Das Zeitfenster ist knapp. Mit jeder Minute ohne Reanimation sinkt die Wahrscheinlichkeit zu überleben deutlich. In diesen entscheidenden Minuten kommt es deshalb auch auf die Hilfe von Laien an, denn der Rettungsdienst benötigt im Durchschnitt neun Minuten oder länger bis zum Einsatzort. „Es kommt daher oft auf diejenigen an, die bereits da sind. Auf schnelle Entscheidungen, beherztes Eingreifen und Erste Hilfe vor Ort“, so Atzeni.
Digitale Schatzsuche mit konkretem Ergebnis
Was zunächst an ein digitales Suchspiel erinnert, hat einen ernsten Hintergrund: Bei der Defi-League machten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Suche nach automatisierten externen Defibrillatoren (AED). Mit einer Web-App, die Marvin Rohmann, Geschäftsführer der maze GmbH, entwickelt hat, werden die Geräte fotografiert und ihr Standort samt GPS-Koordinaten automatisch gespeichert. So wächst Schritt für Schritt eine digitale Übersicht über die vorhandenen Geräte. Für jedes gefundene Gerät gibt es Punkte, die dann am Ende als Lose für tolle Belohnungen und Preise zählen.
Die Aktion hat bereits konkrete Ergebnisse geliefert: 247 Defibrillatoren wurden neu entdeckt und erfasst. Darüber hinaus wurden bei 143 weiteren Geräten zusätzliche Informationen ergänzt – beispielsweise, wo genau sie angebracht sind und ob sie funktionieren. Diese Angaben sind wichtig, damit ein Defibrillator im Notfall nicht nur auf einer Karte verzeichnet ist, sondern auch tatsächlich gefunden und genutzt werden kann.
Wie groß der Informationsgewinn ist, zeigt der Blick auf die bisherigen Erfassungszahlen. Im Jahr 2019 waren 87 Geräte im Bestand registriert, 2024 waren es 89. Im Sommer 2025 lag die Zahl bei etwa 100. Die Defi-League hat die Erfassung damit deutlich vorangebracht. Dabei geht es nicht allein darum, möglichst viele Geräte zu zählen, sondern auch darum, ihre Standorte und ihre Verfügbarkeit besser nachvollziehen zu können.
Atzeni unterstützt den Ansatz der Defi-League und erläutert, wann ein AED zum Einsatz kommt: „Ein Defibrillator wird bei lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder ventrikulären Tachykardien, also extrem schnellem Herzrasen, eingesetzt. Dann ist ein AED so etwas wie die Reset-Taste an einem Computer.“ Durch einen gezielten Stromstoß kann die lebensbedrohliche Rhythmusstörung beendet werden, sodass das Herz wieder in einen geordneten Rhythmus zurückfinden kann.
Der Nephrologe sieht in der Suche zwei wesentliche Vorteile: Neue Geräte werden sichtbar, bereits bekannte Geräte können ggf. überprüft und ihre Daten aktualisiert werden. Denn eine möglichst vollständige Erfassung allein reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist, dass die Geräte im Ernstfall erreichbar und einsatzbereit sind. „Es gibt noch viel zu tun und es ist ein mühseliges Geschäft. Wir versuchen jetzt erst einmal die Geräte zu finden, die vorhanden und verfügbar sind“, so Atzeni.
World Restart a Heart Day: Jede Minute zählt
Der World Restart a Heart Day wird jährlich am 16. Oktober begangen. Der ursprünglich vom European Resuscitation Council ins Leben gerufene Aktionstag macht weltweit darauf aufmerksam, wie wichtig schnelle Wiederbelebungsmaßnahmen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind. Aus dem Aktionstag ist inzwischen eine ganzjährige Initiative geworden, die von der International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) und ihren Mitgliedsorganisationen getragen wird.
Die Botschaft passt unmittelbar zum Anliegen der Defi-League: Im Notfall zählt jede Minute. Wer weiß, wo sich ein Defibrillator befindet, kann schneller handeln und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Dabei gilt: Ein AED ersetzt nicht die Herzdruckmassage, sondern ergänzt sie. Idealerweise beginnen Ersthelferinnen und Ersthelfer sofort mit der Wiederbelebung, während eine weitere Person einen Defibrillator holt und ihn nach den Sprachanweisungen des Geräts einsetzt.
Die abgeschlossene Suchaktion hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, Defibrillatoren in Stadt und Landkreis Osnabrück besser auffindbar zu machen. Zugleich zeigen die ergänzten Angaben zu Standort und Funktionszustand, dass es nicht allein darauf ankommt, Geräte zu erfassen. Sie müssen im Ernstfall auch zugänglich und einsatzbereit sein.
Lebensrettung mit Spaß und Wettbewerb verbinden
Je vollständiger und verlässlicher die Übersicht ist, desto besser können Ersthelferinnen und Ersthelfer im Notfall einen Defibrillator finden. Der spielerische Ansatz soll möglichst viele Menschen dazu motivieren, sich an der Suche zu beteiligen. Altersbeschränkungen gibt es nicht. Wer als Scout unterwegs ist, sammelt Punkte und kann Preise gewinnen – und leistet zugleich einen Beitrag dazu, lebensrettende Geräte besser auffindbar zu machen.
„Unser Ziel ist, in der Stadt und im Landkreis Osnabrück alle Geräte aufzuspüren und sie zu kennzeichnen, damit sie im Notfall vor Ort sofort gefunden werden“, sagt Atzeni.
Auch nach der abgeschlossenen Suchaktion bleibt das Ziel bestehen, die Datenbasis weiter zu verbessern und die Übersicht aktuell zu halten. Geräte in Kliniken sind bereits bekannt und müssen nicht erneut fotografiert werden.
Weitere Informationen zur Defi-League gibt es unter www.defi-league.de.













