Erneut weites Programm zur Erinnerung an den Osnabrücker Handschlag von 1648
In diesem Jahr vor 378 Jahren, am 6. August 1648, haben sich die hochrangigen kurbrandenburgischen, kurbairischen, kurmainzischen, kaiserlichen und schwedischen Gesandten in Osnabrück auf einen Frieden geeinigt und diesen mit einem Handschlag besiegelt. Zum nun vierten Mal wird dieses Ereignis, das im prunkvollen Quartier des schwedischen Gesandten Johan Axelsson Oxenstierna, im heutigen Bischofsgarten, stattgefunden hat, gefeiert. Unter anderem mit einer Lesung von Rufus Beck am 09. August in der Kirche St. Marien.
Dieses Jahr findet das Programm unter dem Motto „Miteinander feiern“ statt. Die Veranstaltung ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Osnabrück, des Bistums Osnabrück, der Marienkirche, der Universität Osnabrück, des Forschungszentrum IKFN und des Literaturbüros Westniedersachen. Die Lesung in der Kirche St. Marien ist um 17 Uhr, der Einlass in die Kirche ab 16:30 Uhr.
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter betont die Bedeutung des Festes als Zeichen des Miteinanders: „Der Osnabrücker Handschlag erinnert uns daran, dass selbst nach Jahrzehnten schwerster Konflikte Verständigung möglich ist. Unter dem Motto ‚Miteinander feiern‘ wollen wir diesen historischen Durchbruch nicht nur würdigen, sondern auch heute Räume für Gemeinschaft schaffen. Das Beisammensein stärkt das Vertrauen – damals wie heute eine unerlässliche Grundlage für ein friedliches Miteinander.“
Bereits ab 1643 begannen in Osnabrück und in Münster Verhandlungen für einen Friedensschluss zwischen den Parteien. Gesandte aus Schweden, vom Kaiser und den protestantischen Reichsständen residierten dafür in Osnabrück, die Gesandten aus Frankreich, weitere vom Kaiser und die katholischen Reichsstände in Münster. Erst nach 5 Jahren mühevollen Verhandelns konnte sich 1648 auf einen Frieden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation geeinigt werden. Zuerst einigten sich die Reichsvertreter in Osnabrück mit Schweden auf einen Frieden, das aber aus Rücksicht auf seinen Verbündeten diesen erst unterzeichnen wollte, wenn auch Frankreich einen Frieden geschlossen hatte.
Daher kam es am 6. August 1648 in Osnabrück an der Großen Domsfreiheit, im Quartier des schwedischen Hauptgesandten Johan Axelsson Oxenstierna zu einem symbolischen Handschlag zwischen den hochrangigen Gesandten aus Kaiserreich, Schweden, Brandenburg, Baiern und Mainz, der den damaligen Zeitgenossen als rechtlich verbindlich galt und besiegeln sollte, dass am geschlossenen Vertrag, auch ohne Unterschrift, nichts mehr geändert werden sollte. Dies rettete den Friedensschluss im August 1648 vor dem Scheitern. Kurz darauf wurden auch die Verhandlungen zwischen dem Kaiser und Frankreich in Münster geführt. Beide Verträge wurden schließlich am 24. Oktober 1648 im Münsteraner Rathaus unterzeichnet, und der endgültige Friedensschluss wurde am 25. Oktober feierlich auf der Treppe des Osnabrücker Rathauses verkündet.
Öffentliche Lesung mit Rufus Beck
Schauspieler, Interpret und Produzent Rufus Beck, bekannt unter anderem als Trainer „Willi“ aus der „Wilde Kerle“-Filmreihe, wirft einen Blick auf die unterschiedlichen Rollen, die gemeinsames Feiern in den Verhandlungen über Krieg und Frieden spielen kann, von den Friedensfeiern nach dem Dreißigjährigem Krieg bis in die Gegenwart. Er wird sich den Fragen widmen, ob man in Zeiten gewaltsamer Konflikte überhaupt feiern kann oder ob die entstehende Gemeinschaft beim Feiern gerade dann besonders wichtig und friedensfördernd sein kann. „Autoren, die besondere Texte lesen, die man dann wirklich nur einmal hören wird, das ist schon was Besonderes, das bringt den Osnabrücker Handschlag sehr würdig zum Abschluss“ erklärt Patricia Mersinger, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt Osnabrück.
Infos zum Escape-Room
Das Forschungszentrum IKFN der Universität Osnabrück bietet auch zum 4. Handschlag einen Outdoor-Escape-Room an. Dieses Jahr schlüpfen die Spielenden in die Rolle eines schwedischen Sekretärs, der kurz vor knapp eine Friedensfeier auf die Beine stellen muss. Denn nach 30 Jahren Krieg und fast fünf Jahren komplizierter Verhandlungen scheint im Sommer 1648 endlich ein Friedensschluss in greifbarer Nähe. In seinem Optimismus hat der schwedische Gesandte Oxenstierna zahlreiche Gesandte zu einem pompösen Festmahl eingeladen – eine gute Gelegenheit, um alle Beteiligten bei Speis und Trank feierlich auf das gemeinsame Ziel einzustimmen. Eine ordentliche Feier will gut vorbereitet sein: Als Sekretär der schwedischen Gesandtschaft müssen die Spielenden die letzten Vorbereitungen treffen, damit das Festmahl am Ende ein voller Erfolg wird.
Leon Schmitz, Mitorganisator des Escape Rooms am IKFN, freut sich auf zahlreiche Teilnehmende: Wer den Escape Room am Tag des Osnabrücker Handschlags erfolgreich absolviert, darf sich auf eine kleine Überraschung freuen und nimmt zudem an einem Gewinnspiel teil. Darüber hinaus kann das Angebot bis zur Kulturnacht am 29. August eigenständig und ohne Begleitung genutzt werden.
Das kostenlose Suchspiel kann allein oder in Gruppen mit dem Smartphone gespielt werden. Flyer sind erhältlich im Rathaus, in der Marienkirche und im Forum am Dom.
Stadtspieler
Die Osnabrücker Stadtspieler greifen zentrale Aspekte der Stadtgeschichte auf und veranschaulichen diese in drei Szenen. Die erste Darstellung zeigt den bedeuten den Handschlag, der den Westfälischen Frieden von 1648 symbolisiert und das Ende des Dreißigjährigen Krieges besiegelt. Die zweite Szene zeigt die „Flunkerei“ zweier Frauen über den spanischen Diplomaten Diego de Saavedra. Die dritte Darbietung spielt eine Gerichtsszene, die Einblick in die Prinzipien von Ordnung und Kleiderregeln vergangener Zeiten zeigt.
Kirchencafé
Dieses Jahr wird das Kirchencafé nicht in der Kirche St. Marien selbst stattfinden, sondern im hinter der Kirche gelegenem Kirchengarten. Dort wird es Kaffee und Kuchen in entspannter Atmosphäre geben „Man kennt vielleicht auch den Mariengarten nicht, auch diejenigen nicht, die immer schon [beim Osnabrücker Handschlag] dabei waren und dann sehen, es gibt hier auch noch andere Orte in der Stadt, die verborgen liegen“ so die Vorsitzende des Kirchenvorstands St. Marien Frederike Dauer dazu, warum in diesem Jahr das Kirchencafé im Mariengarten stattfinden wird.
Programmübersicht
St. Marien
12 bis 13:30 Uhr: Wandelgottesdienst mit Regionalbischof Friedrich Selter, Domkapitular Thilo Wilhelm und Pastor Thorsten Both, begleitet vom Posaunenchor St. Marien unter der Leitung von Michiko Sugizaki
12:30 Uhr Prozession zum Dom
Ab 13:30 Uhr: Kirchencafé im Mariengarten (bei Schlechtwetter im Gemeindehaus)
13.30 und 14.45 Uhr: Führung am historischen Stadtmodell mit Dr. Susanne Tauss
Ab 16:30 Uhr: Einlass zur Lesung
17 bis 18.30 Uhr: Eröffnung durch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Lesung mit Rufus Beck; musikalische Begleitung mit Stephan Lutermann
Die Ausstellung „Miteinander leben“ ist im Chorumgang zu sehen.
Outdoor
11:30 bis 16:30 Uhr: Outdoor-Escape-Room „Friedensfeier in Gefahr“
Rathaus/Friedenssaal
13.15 Uhr, 14.15 Uhr und 15.15 Uhr: Szenisches Schauspiel mit den Stadtspielern
Diözesanmuseum
Kostenloser Eintritt während des gesamten Tages
13.45 Uhr und 15:30 Uhr: Historische Stadtführung zu den Quartieren der Gesandten mit Dr. Hermann Queckenstedt, Treffpunkt auf dem Parkplatz, Große Domsfreiheit
13.45 Uhr und 15:30 Uhr: Themenführung im Diözesanmuseum mit Friederike-Andrea Dorner. Treffpunkt: am Museumseingang, Domhof 12
Der Westfälische Frieden in Kürze
- Dauer des Dreißigjährigen Krieges: 1618–1648
- Zentrale Friedensorte: Münster und Osnabrück
- Beteiligte Mächte: Kaiser, Schweden, Frankreich, Spanien, viele Reichsstände
- Ergebnis:
- Ende des Dreißigjährigen Krieges
- Anerkennung staatlicher Souveränität
- Machtverschiebung in Europa
- Beginn einer neuen Ordnung des Völkerrechts
- Symbol Osnabrücks: Der Handschlag von 1648
- Zeitleiste:
- 1618: Beginn des Dreißigjährigen Krieges
- 1643: Friedensverhandlungen beginnen in Münster & Osnabrück
- 6. August 1648: Osnabrücker Handschlag – Durchbruch im Teilfrieden
- Oktober 1648: Verträge zwischen Kaiser, Schweden & Frankreich
- 24. Oktober 1648: Unterzeichnung in Münster
- 25. Oktober 1648: Öffentliche Verkündung in Osnabrück












