Woher kommt der Name „Moskau“ überhaupt?
Wo sonst schickt man einen Ortsfremden, der eigentlich nur kurz schwimmen möchte, „nach Moskau hin“? Und wo sonst bekommt dieser bedauernswerte Mensch auf die leicht irritierende Nachfrage, wo dieses Moskau denn bitte liege, die etwas mürrische Antwort: „Na, inne Wüste natürlich! Wo denn sonst?“
Osnabrückisch kann also, je nach Anlass und Tagesform, durchaus als Reisewarnung verstanden werden.
Immer wieder wird der Name des Freibads mit einem angeblichen russischen Kriegsgefangenenlager in Verbindung gebracht. Das klingt dramatisch, historisch schwergewichtig und irgendwie nach Geschichtsunterricht mit Sprung vom 10-Meter-Turm — ist aber zum Glück völliger Unsinn. Den Namen gab es nämlich schon lange vor den Weltkriegen.
Tatsächlich eröffnete 1834 auf dem heutigen Gelände des Schwimmbads das Kaffeehaus „Moskau“. Das Schwimmbad übernahm später einfach den Namen. Aus dem Kaffeehaus „Moskau“ wurde also das „Moskaubad“ — vermutlich ganz ohne Kreml, Zarenkrone und Matrjoschka, aber bestimmt ohne Borschtsch auf der Speisekarte.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Warum heißt das Moskaubad Moskau? Sondern: Warum hieß ausgerechnet dieses Kaffeehaus so?
Eine Theorie besagt, der Name sei ein hämischer Gruß an die aus Russland abziehenden Franzosen gewesen. Schließlich gehörte Osnabrück ab 1810 kurzzeitig für drei Jahre zu Frankreich unter Napoleon, der 1812 in Russland bekanntlich alles andere als einen Wellnessurlaub verbrachte. Manche sehen in der Eröffnung des Kaffeehauses „Moskau“ im Jahr 1834 daher einen späten Seitenhieb gegen die Franzosen.
Das klingt allerdings nach einer konstruierten Erklärung: Über 20 Jahre nach dem Abzug noch einen derartig verkappten Wortwitz zu platzieren, wäre schon ein sehr spätzündender Gag. Selbst für Osnabrücker Verhältnisse.
Wahrscheinlicher ist daher eine deutlich bodenständigere Erklärung: Der Name geht auf das moosige Feuchtgebiet zurück, auf dem sich das Moskaubad bis heute befindet. „Mosk Au“ bedeutet auf Plattdeutsch so viel wie „moosige Aue“ und beschreibt die Gegend vermutlich treffender als jeder Reiseführer: feucht, grün, irgendwie naturverbunden und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht russisch.
Sicher ist also: Das Bad wurde nach dem Kaffeehaus „Moskau“ benannt. Und das wiederum verdankt seinen Namen wahrscheinlich weniger Napoleon, Russland oder großer Weltpolitik — sondern schlicht und nur wenig ergreifend einem vermoosten Stück Osnabrück.
Manchmal ist Geschichte eben nicht Weltbühne, sondern Wiese.
(Aus dem Buch „Kär, Kär, Kär!“ von Kalla Wefel)

Mit freundlicher Genehmigung vom Verlag H. Th. Wenner
Alt-Osnabrück. Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945. Band 1
Alt-Osnabrück. Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945. Band 2
Alt-Osnabrück. Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945. Band 3












