Gemeinsames Statement von Uni-Fachschaften zu Beitragserhöhungen des Studierendenwerks
Die Fachschaften der Universität Osnabrück eint ein zentraler Gedanke: Studieren an der Universität Osnabrück muss bezahlbar bleiben. Beitragserhöhungen des Studierendenwerks, die unter anderem für die Mensen und für Wohnangebote verantwortlich sind, müssen nachvollziehbar und angemessen sein. In einem offenen Brief an die Verantwortlichen des örtlichen Studieremdenwerks appellieren die gewählten Vertretungen der Uni-Fachschaften, die angedachten Beitragserhöhungen um beinahe 60% unbedingt rückgängig zu machen.
„Es fehlt jede Begründung“
Wörtlich heißt es: „Sie haben angekündigt, den Beitrag für das Studentenwerk in den nächsten zwei Semestern (WiSe26/27 bis WiSe27/28) um 58% zu erhöhen. Diese Erhöhung stellt nicht nur eine enorme finanzielle Belastung für die Studierenden dar, sondern verringert auch die Attraktivität des Studienstandorts Osnabrück durch die vergleichsweise hohe Summe des Semesterbeitrags. Gleichzeitig baut das Angebot in den Mensen und Cafeterien stetig ab; auch die Verfügbarkeit von Wohnheimplätzen verändert sich entgegen dem Bedarf und sinkt, statt anzusteigen. Dazu fehlt bisher jegliche Begründung, warum eine Erhöhung des Beitrags um 58% notwendig ist und wofür dieses Geld eingesetzt werden soll.“
Eine Beitragserhöhung um 58 % greife massiv in die Lebensrealität der Studierenden ein. Als Vertretenden aus den Fachschaften sehen sich somit in der Pflicht, diese „existenzielle Belastung nicht nur hochschulintern zu diskutieren, sondern auch die Osnabrücker Öffentlichkeit und die lokalen Medien transparent über die sozialen Folgen aufzuklären.“
Faire Angebote – Studierende entlasten!
In den Geschäftsberichten der letzten Jahre (bis 2024) weist das Studentenwerk, so die Studierenden, regelmäßig Überschüsse aus. Es sei zu bemerken, dass die Überschüsse reinvestiert werden sollten, allerdings fehle die Transparenz darüber, wie diese Reinvestitionen geplant und umgesetzt werden sollen. Weiter heißt es: „Zudem ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb ein nicht defizitäres Studentenwerk seine Beiträge in diesem Maße erhöht, während viele Studierende finanziell am Limit leben. Weniger Leistung für mehr Geld? Wir beobachten mit Sorge, dass die Schere zwischen Kosten und Service in den Mensen und Cafeterien immer weiter auseinandergeht.“
Aufgereiht werden danach Qualität & Angebot der Mensen mit offenbar kleineren Portionen und einem ausgedünnten Angebot. Studierende berichten den Fachschaften aktuell von Qualitätsunterschieden zwischen der Mensa am Schloss und am Westerberg. Besonders am Westerberg sei die Qualität schlechter, einzelne Mahlzeiten seien regelmäßig vergriffen und das Angebot der Salatbar im Vergleich zur Mensa am Schloss nicht auf demselben Niveau.
Kritik erfahren auch die Öffnungszeiten: Wer spät aus der Bibliothek oder dem Seminar komme, stehe bei den Mensen immer vor verschlossenen Türen. Während die Cafeteria am Westerberg momentan immerhin bis 16:30 Uhr geöffnet habe, schließe die Cafeteria am Schloss in den letzten Monaten regelmäßig vor der eigentlichen Mensa.
„Warum insbesondere am Schloss dann kein Personal von der Mensa für die Cafeteria abgestellt wird oder die Cafeteria mit weniger Personen betrieben wird, erschließt sich uns nicht“, meinen die Fachschaftsvertreter*innen.
Wo bleibt die Rechtfertigung?
Aktuell mangele es vor allem auch an einer fehlenden Rechtfertigung: „Es ist schwer vermittelbar, warum wir mehr bezahlen sollen, während das Angebot gleichzeitig spürbar reduziert wird. Frustration und Zukunftsängste sind in der Studierendenschaft spürbar. Wir haben kurzfristig durch den AStA die Information erhalten, dass geplant wird, im kommenden Wintersemester die Cafeteria am Schloss wieder bis 16:30 Uhr zu öffnen; im nächsten Jahr, vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Personal, sogar bis 18:30 Uhr und mit warmen Essen. Dies begrüßen wir ausdrücklich, sofern es denn eintritt.“

Auch bezüglich des studentischen Wohnens nähme man eine Kostensteigerung ohne gleichzeitige Verbesserung der Wohnqualität wahr. „Neben Mieterhöhungen, mangelhafter Kommunikation und Verzögerungen bei notwendigen Arbeiten durch Vermietende“, so die Kritisierenden, „berichten uns Studierende, dass Wohnheimplätze weniger und Wartelisten länger werden, während das Gegenteil der Fall sein sollte. Aus diesem Grund bitten wir Stellungnahme, wie diese Punkte nach der Erhöhung des Semesterbeitrags durch das Studierendenwerk angegangen werden sollen.“
Mangelnde Planbarkeit und unverhältnismäßiger Anstieg
Beim debattierten neuen Beitrag kommt der Unmut naturgemäß besonders hoch: „Wir sehen es als weder zumutbar noch vermittelbar, dass der Beitrag für das Studentenwerk innerhalb von nur zwei Semestern um 58 Prozent ansteigt. Eine solche sprunghafte Erhöhung stellt eine enorme Belastung dar, die völlig vermeidbar gewesen wäre: In den vergangenen Jahren hätten kleinschrittige Anpassungen von beispielsweise 10 Euro vorgenommen werden können und müssen, sobald sich abzeichnete, dass die Beiträge nicht mehr ausreichend sein würden. Ein solch kontinuierliches Vorgehen wäre deutlich fairer gegenüber der Studierendenschaft gewesen und hätte eine verlässliche Finanzplanung ermöglicht, statt uns nun mit dieser massiven Kostenwelle zu überrollen.“
Finanzielle Barrieren und Attraktivitätsverlust
Offenkundig fürchten die Fachschaftsvertreter*innen sowohl einen immensen Imageschaden wie auch eine gewisse Mensa-Flucht“: „Durch die geplante Erhöhung droht unsere Universität zu einer der teuersten in ganz Deutschland zu werden. Diese Spitzenposition bei den Kosten schreckt nicht nur potenzielle Erstsemester ab, sondern zwingt auch aktuelle Studierende dazu, sich nach günstigeren Alternativen umzusehen. Besonders kritisch ist dies für Fachbereiche, die ohnehin schon mit sinkenden Anmeldezahlen kämpfen: Steigende Fixkosten gefährden die akademische Vielfalt, da ein Studium in diesen wichtigen Bereichen für viele schlicht unbezahlbar wird.“
Soziale Selektion statt Chancengleichheit?
In Kombination mit dem verstärkt angespannten Wohnungsmarkt werde das Studium in Osnabrück zunehmend zu einer Frage des Geldbeutels: „Wir fordern eine Universität, die für alle offen bleibt. Besonders marginalisierte Gruppen wie internationale Studierende, Menschen mit Migrationsbiografie sowie Personen aus einkommensschwachen Haushalten werden durch diese Erhöhungen überproportional belastet. Das Recht auf Bildung darf nicht vom sozialen Status abhängen – wird hier jedoch faktisch beschnitten. Insgesamt sinkt die Attraktivität eines Studiums massiv, wenn die finanzielle Belastung an zu vielen Fronten gleichzeitig steigt. Dazu kommen Umstände wie Inflation, mangelnde Investitionen, eine unzureichende BAföG Struktur, der Wohnungsmarkt und eben der Semesterbeitrag: all dies trägt zu der Entscheidung des Studienstandorts bei. Studieren soll und darf nicht zum Luxusgut werden, das man sich erkaufen muss.“
Kurzfristige Forderungen erstrecken sich aufgrund aller dargestellten Aussagen zunächst auf Transparenz (Warum ist diese Erhöhung jetzt in dieser Höhe notwendig? Was soll mit den zusätzlichen Geldern konkret geschehen? Warum war/ist eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung über mehrere Jahre nicht möglich?). In Erfahrung bringen möchte man auch Fragen wie Qualitätssicherung und Ausbau: Wie plant das Studierendenwerk, die Qualität der Mensen und Cafeterien langfristig und messbar zu sichern und zu verbessern (Qualität des Essens, Portionsgröße, Öffnungszeiten)?
Zentral sind auch Fragen an die nahe Zukunft: Wie plant das Studierendenwerk, die Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit und Qualität des von ihm vermieteten studentischen Wohnraumes zu verbessern?
Mitbestimmung tut not!
Last but not least wir mehr Mitbestimmung eingefordert: „Frühzeitige und regelmäßige Einbindung der Studierenden, bevor solche weitreichenden Entscheidungen getroffen werden. Studieren darf kein Luxus sein – wir setzen uns für faire und transparente Beiträge ein!“
Unterzeichnende
Unterzeichnet ist der offene Brief unter anderem von der Fachschaftskoordinationskonferenz, namentlich auch von Jonathan Zuidema und Victoria Weißenfels (AStA Referenten für Fachschaften) sowie von den Uni-Fachschaften Physik, Erziehungswissenschaft, IMIB, Sachunterricht, Umweltsystemwissenschaft, Rechtswissenschaft, Textiles Gestalten, Anglistik, Sozialpädagogik, Philosophie, Musik, Katholische Theologie, Evangelische Theologie, Psychologie, Germanistik, Informatik, Cognitive Science, Biologie, Geschichte, Romanistik, Promotion und Kunst.












