Teil 33 der OR-Serie „Täter-Hetzer-Profiteure“: Karl Haas

Gestapo-Beamter und Mitverantwortlicher im Arbeitserziehungslager Ohrbeck

Als die Nordwestdeutsche Rundschau im Oktober 1948 über den Prozess gegen Friedrich Kicker berichtete, tauchte auch der Name eines Mannes auf, der zu den prägenden Figuren der Osnabrücker Gestapo gehörte: Karl Haas.

Kicker, ehemaliger Leites der Arbeitserziehungslagers in Ohrbeck, musste sich wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit verantworten. Gegen Ende des Jahres 1944 hatte er einen sowjetischen Häftling auf dem Gelände des ihm unterstellten Lagers getötet. Vor Gericht berief sich Kicker schließlich darauf, von dem Gestpo-Obersekretär Haas telefonisch den Befehl erhalten zu haben, den Mann unverzüglich zu erschießen, da ein Todesurteil gegen diesen vorliege.

Ob Haas diesen Befehl tatsächlich erteilt hatte oder ob es sich um eine Schutzehauptung Kickers handelte, blieb nach dem Krieg ungeklärt. Bezeichnend war aber Haas Reaktion auf die Vorwürfe. Anstatt die Erteilung des Erschießungsbefehls von sich zu weisen, erklärte er nachdrücklich, wegen dieser Angelegenheit in einem früheren Militärgerichtsverfahren nicht zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Diese Erklärung offenbarte ein Muster, das viele Nachkriegsaussagen des ehemaligen Gestapo-Beamten prägte: Entscheidend war für ihn nicht die Frage nach der eigenen Verantwortung oder einer etwaigen moralischen Schuld, sondern ob ihm ein Vergehen juristisch nachgewiesen werden konnte.

Gedenkstätte Augustaschacht
Hickers Wirkungsstätte: die heutige Gedenkstätte Augustaschacht

Karl Adolf Ernst Haas war keine Randfigur, sondern gehörte zu den einflussreichsten Beamten der Osnabrücker Gestapo. Als Kriminalobersekretär und Leiter der Abteilung für „Gegnerforschung und -bekämpfung“ war er maßgeblich an der Verfolgung politischer Gegner, der Überwachung von Zwangsarbeitern und der Organisation des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck beteiligt. Gerade dieses Lager im Augustaschacht wurde 1944/45 zu einem zentralen Ort des von der Gestapo orchestrierten Terrors im Raum Osnabrück.


Frühe Bindung an den Nationalsozialismus

Haas wurde am 13. November 1900 in Spandau geboren. Er stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, besuchte die Volksschule und erlernte später das Schlosser- und Schmiedehandwerk. 1917 meldete er sich freiwillig zu Kriegsmarine. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst in seinem erlernten Beruf, bevor er 1923 in die Schutzpolizei eintrat, in deren Dienst er bis 1935 verblieb.

Am 1. Mai 1933 wurde Haas Mitglied der NSDAP. Noch nach dem Krieg erklärte er, sein Eintritt sei „aus Überzeugung“ erfolgt. Im Zuge seiner Tätigkeit für die Schutzpolizei habe er den „Kampf zwischen rot und braun“ aus nächster Nähe kennengelernt und sei in der Folge zu der Überzeugung gelangt, dass „eine Änderung“ eintreten müssen.

Zur 1935 ins Leben gerufenen Gestapodienststelle in Osnabrück kam Haas Anfang Januar 1936. Nach dem Krieg versuchte Haas diese Stufe seiner Laufbahn herunterzuspielen: beworben habe er sich eigentlich bei der Kripo oder der Gendarmerie, dann aber seine Einberufung zur Staatspolizeistelle Osnabrück erhalten. Dennoch gab er vor seinen Verhörern zu „keine Bedenken“ gehabt zu haben, diese Stelle anzunehmen, da dort schließlich „nach den bestehenden Gesetzen gearbeitet“ worden sei.


Im Apparat der Besatzungspolitik 

Haas‘ Karriere blieb jedoch nicht auf Osnabrück beschränkt. 1938 wurde er währen der Besetzung des Sudetenlandes zur Staatspolizei nach Reichenberg abgeordnet. In dieser Zeit wurde ihm nach eigenen Aussagen erstmals eine SS-Uniform zur Verfügung gestellt; die Übernahme in den Rang eines Untersturmführers in der „Schutzstaffel“ erfolgte zum 1. Januar 1939. Ein solche Eingliederung in die SS war für Gestapo-Beamte keineswegs ungewöhnlich und verdeutlicht die enge personelle Verflechtung von Polizei, Gestapo und SS im nationalsozialistischen Terrorapparat.

Seine Aufgaben in der Besatzungsverwaltung beschrieb Haas passenderweise später als „Bekämpfung der Linksorganisationen“ im Sudetenland. An das, was mit den mit seiner Hilfe aufgespürten und festgenommenen Personen aber geschehen ist, konnte er sich nach dem Krieg nicht mehr erinnern; er sei schließlich „mehr verwaltungsmäßig als exekutiv“ eingesetzt worden.

Von April 1940 bis Ende 1942 war Haas in Norwegen tätigt. Dort war er unter anderem beim Aufbau sicherheitspolizeilicher Strukturen beteilgt, leitete zeitweise den Außendienst in Tromsø und arbeitete beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Oslo. Wegen seinen Tätigkeiten in Norwegen befragt, betonte er später nachdrücklich (wie schon bei der Frage nach seiner Beteiligung am Mord an dem sowjetischen Zwangsarbeiter), dass die Notwegen ihn niemals als Kriegsverbrecher angeklagt hätten.

 

Vorhergehende Folgen und weitere Veröffentlichungen des ILEX-Kreises


Redaktioneller Hinweis

Dieser und auch andere Beiträge unserer Serie werden vor einer geplanten Buchveröffentlichung noch ausführlicher bearbeitet und mit entsprechenden Literatur- und Quellenhinweisen versehen.

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