Castles Made of Sand

„Volksfront“ für die Wüste? Kinderburg-Koalition sorgt für Panik bei der CDU-Fraktion

Osnabrück, ich liebe dich. Dieses Bekenntnis zur Hasestadt ist für mich keine Floskel aus dem vergangenen Kommunalwahlkampf. Osnabrück ist Lebensgefühl – auch die Oberbürgermeisterin sprach am Handgiftentag von einem Osnabrück-Gefühl. Gerade erst war auswärts ein ostdeutscher Provinzclub mit seinen weniger sympathischen Fans an der Bremer Brücke, und ich machte mir echt Sorgen um die sanitären Einrichtungen unseres Stadions.

Was die letzte Woche alles sonst so kaputt gegangen ist, ist in aller Munde: Die CDU und ihre Glaubwürdigkeit bei der Wahl eines Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt, ein mutmaßliches Reagenzglas in einer russischen Forschungseinrichtung, wodurch mindestens eine Forscherin gestorben ist – und sicherlich das bisschen Restwürde des freiesten Journalisten des Axel-Springer-Verlags, Ulf Poschardt, der diese Republik einfach nur brennen sehen möchte, wo wir beim Thema Brandschutz zurück in Osnabrück wären.

Aber von Anfang an: Es begab sich an einem schönen Samstag gegen Mittag, mitten im Kommunalwahlkampf. Am Wahlstand der SPD Wüste-Kalkhügel, typisch am kleinen Edeka in der vorderen Wüste, ergeben sich immer gute Gespräche, nie frei von Kritik, aber man befindet sich in nachbarschaftlicher Atmosphäre, man kennt und schätzt sich – und ab und an wird man unfreiwillig zum Hundesitter. An diesem Tag kam Nils, ein Kind aus der Wüste, mit seinen Eltern vorbei. Und der kleine Junge äußerte auf Anregung den Wunsch nach einer „Wüstenburg“, die durch Susanne Hambürger Dos Reis freudig gefördert wurde. Eine Zeichnung entstand, und ein Antrag wurde geschrieben. Gelebte Demokratie. Der Antrag war auch schnell kein bloßer SPD-Antrag, zeichneten Volt, Grüne, CDU und Linke ihn doch mit.

Und da wären wir bei einem Blogger aus der Altstadt, einer völlig orientierungslosen CDU und einer Sandkastenposse, die einer Wüstenburg nicht würdig ist. Eben jener Autor, sichtlich bemüht, seit Jahren die rechtsradikale Bestrebung in Deutschland zu verharmlosen wie die personifizierte Midlifecrisis Poschardt, „erinnerte“ den Fraktionsvorsitzenden Keite an den Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Partei „Die Linke“ – und voilà: Die Provinzposse hat zugeschlagen! Die CDU zog sich zurück.

Und der Text zum Sandkastendilemma platzt nur so vor wilden Spekulationen, Kulturkampfrhetorik und Gerüchten. Ich hoffe einfach, Nils‘ Antrag wird alsbald umgesetzt und die angesprochenen Erwachsenen reißen sich zukünftig im politischen Sandkasten am Riemen. Und wenn ich Osnabrück auch liebe: Manchmal wünschen sich einige unter uns doch wohl Berliner Verhältnisse – und ich, dass sie sich dorthin verkrümeln.

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