Eine Wehrmachtskarriere
Warlimonts Wehrmachtskarriere startet in Osnabrück als General der Artillerie. Jahre später wirkt der Osnabrücker in der Zentrale der Wehrmacht. Beim Attentat auf Adolf Hitler in der Wolfsschanze ist er als Offizier und Hitler-Vertrauter anwesend. 1948 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt, kommt aber schon 1954 frei – und ist fortan als reger Buchautor, Gesprächspartner und Militärexperte gefragt.
Warlimont wurde am 3. Oktober 1894 in Osnabrück als Sohn des Verlagsbuchhändlers bzw. Antiquars Louis Warlimont (1857-1923), dessen Familie wallonischer Herkunft und aus Eupen eingewandert war, sowie seiner Frau Anna, geborene Rinck (1860-1931), geboren.
Er legte das Abitur am Carolinum in Osnabrück im Jahre 1913 ab und trat am 17. Februar 1913 in das Fußartillerie-Regiment 10 in Straßburg (Elsaß) ein. Von August 1913 bis Mai 1914 besuchte er die Kriegsschule in Danzig. Im Januar 1914 zum Leutnant ernannt, war er im 1. Weltkrieg Batteriechef im Westen und an der Isonzofront in Italien. Das Kriegsende erlebte er in Lothringen. Er gehörte danach dem Freikorps Maercker an, wurde im Herbst 1919 in die Reichswehr übernommen und im Oktober 1925, nachdem er die Führergehilfen-Prüfung abgelegt hatte, in das Reichswehrministerium versetzt.1
1927 heiratete er Anita Freiin von Kleydorff (1899-1987); Tochter von Franz Egenieff, eigentlich Marian Eberhard Franz Emil von Kleydorff, sowie der US-Amerikanerin Paula Busch, einer Nichte des deutschamerikanischen Bierbrauers bzw. Multimillionärs Adaolpus Busch; zwei Töchter und ein Sohn gingen aus der Ehe hervor. 2
Der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, kommandierte Warlimont im Mai 1929 in die Vereinigten Staaten, um die wirtschaftliche Mobilmachung des amerikanischen Heeres zu studieren. Dieser einjährige Aufenthalt prägte ihn; Sein Gesichtskreis weitete sich. Danach verlief Warlimonts Laufbahn in stetem Wechsel von Stabs- und Truppendienst.1 Nach seiner Rückkehr war er bis 1935 Chef der II. Batterie im 1. (Preußischen) Artillerie-Regiment in Allenstein, (Ostpreußen). Von August bis Dezember 1936 vertrat er den Reichskriegsminister bei Franco in Spanien und führte bis Oktober 1937 die II. Abteilung des Artillerie-Regiments in Trier, um danach bis Ende März 1938 das Artillerie-Regiment 26 in Düsseldorf zu kommandieren.
Im selben Monat erfolgte Warlimonts Kommandierung in das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) zur Abteilung Landesverteidigung (L), die Oberst i.G. Jodl leitete, ein Offizier, über den Warlimont Jahre später schreibt, er sei ihm „immer wesensfremd geblieben“. Nachdem Jodl im Herbst 1938 Artillerie-Kommandeur in Wien geworden war, wurde Warlimont am 10. November dessen Nachfolger; gleichzeitig übernahm der junge Oberst die Geschäfte des Chefs der Amtsgruppe Führungsstab.
Im Sommer 1939 verschärfte sich die Polenkrise, und Keitel, der Chef des OKW, rief Jodl als Chef des Wehrmacht-Führungsamtes (lt. Oberst i. G. Wagner „sehr zum Missvergnügen von Warlimont“) zurück.1
Mit Warlimont, der im Kriege vom Generalmajor zum General der Artillerie aufstieg, sind zwei Befehle verbunden, die vom Oberkommando des Heeres ausgegangen und dem OKW/WFSt (Wehrmachtführungsstab) zugeleitet worden waren:

Der „Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“ und über besondere Maßnahmen der Truppe“ vom 14. Mai 1941 und, drei Wochen später, die „Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare“ vom 6. Juni. Es waren Befehle, die eindeutig gegen das Landkriegsvölkerrecht verstießen und Hitlers Absicht, einen brutalen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen den Bolschewismus zu führen, offenbarten.1
Zum 1. März 1944 gab Jodl seine Beurteilung über Warlimont ab. Sie lautet „Hat sich von Jahr zu Jahr immer besser entwickelt; neben seinen schon immer hervorragenden geistigen Eigenschaften, seinem Weitblick und seinen umfassenden Kenntnissen und Erfahrungen hat sich auch seine nationalsozialistische Grundhaltung stark ausgeprägt. (…) Als mein Stellvertreter und Leiter des gesamten Stabes für mich von unersetzlichem Wert.“ Des Generalobersten „Zusammenfassendes Urteil“ lautete: „Überragend“ und fügte hinzu: „Durch Führerbefehl an die jetzige Stellung gebunden.“ Diese Aussage machte deutlich, dass Hitler Warlimont sehr schätzte.

Am 20. Juli 1944 nahm Warlimont an der Lagebesprechung im Hauptquartier „Wolfschanze“ in Ostpreußen teil, als Stauffenbergs Bombe explodierte.
Er hatte, so schien es, abgesehen von Prellungen, keine ernsthaften gesundheitlichen Schäden erlitten. Warlimont versah weiter seinen Dienst, bis der behandelnde Arzt eine Gehirnerschütterung feststellte. Am 6. September schied Warlimont aus und „war sehr traurig, dass sein Posten neu besetzt werde!“ Das Heerespersonalamt versetzte ihn am 15. November 1944 zur Führerreserve des OKW.
Warlimont kehrte zu seiner Familie nach Dürnbach-Finsterwald am Tegernsee zurück und ließ sich von KZ-Häftlingen einen privaten Luftschutzstollen in der Nähe seines Hauses, Am Ackerberg, bauen. Mitte Dezember bat er den Reichsführer-SS, Himmler, „die Häftlinge nach dem demnächstigen Abschluss dieses Baues noch eine Zeitlang der Gemeinde Gmund zu belassen, um in der Mitte der Ortschaft, einen Stollen zu bauen und damit allen hiesigen Volksgenossen gleichmäßige Sicherheit zu bieten.“
Himmler stimmte der Bitte zu, allerdings blieben die Beweggründe Warlimonts unsicher. Eventuell wusste er, dass das Ende des Kriegs bevorstand, um danach auf seine vermeintlichen Dienste verweisen zu können?
Im Mai 1945 wurde Warlimont von amerikanischen Soldaten in Dürnbach verhaftet und im alliierten Kriegsgefangenenlager Camp Ashcan in Mondorf in Luxemburg inhaftiert. Im November befand er sich in Nürnberg, wo er seine ehemaligen Vorgesetzten, Keitel und Jodl, die zu den Hauptangeklagten gehörten, wiedertraf.
Er war Mitverfasser der Denkschrift „Das Deutsche Heer von 1920 – 1945“, eines sehr apologetischen Memorandums, das alle Schuld auf Hitler schob. Die alliierte Anklagebehörde war so beeindruckt, dass sie den Generalstab und das OKW nicht zur „verbrecherischen Organisation“ erklärte. Warlimont, dessen Selbstwertgefühl ungebrochen war und der sich immer noch „General der Artillerie“ nannte, dachte auch nach der Kapitulation nicht über das Regime nach, dem er vorbehaltlos und gläubig gedient hatte.
Nach Jodls Hinrichtung musste Warlimont damit rechnen, dass auch gegen ihn ein Prozess eröffnet wird. Daher bat er im März 1947 Paul Leverkuehn, einen angesehenen Rechtsanwalt, den er 1929 in den Vereinigten Staaten kennengelernt hatte, ihn zu verteidigen. Dieser Prozess, bekannt als Nürnberger OKW-Prozess (Fall XII) war die letzte große Verhandlung vor dem amerikanischen Militärtribunal V und dauerte vom 5. Februar bis 28. Oktober 1948.1
Das Gericht verhandelte gegen Warlimont, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, begangen durch Mitwirkung
- bei dem Entwurf des von Keitel erlassenen Gerichtsbarkeitserlass „Barbarossa“, der die Tötung feindlicher Zivilpersonen bei Straftaten gegen die Wehrmacht anordnete und Straftaten von Wehrmachtsangehörigen gegen feindliche Zivilpersonen vom Verfolgungszwang ausnahm,
- bei dem Entwurf des von Hitler am 6. Juni 1941 erlassenen Kommissarbefehls, der anordnete, kriegsgefangene russische Kommissare sofort zu töten,
- bei dem Entwurf des von Keitel am 16. September 1941 erlassen Befehls, um die kommunistische Aufstandsbewegung in den besetzten Gebieten zu bekämpfen, der als Sühne für die Tötung eines deutschen Soldaten anordnete, fünfzig bis hundert Kommunisten zu töten,
- bei dem Entwurf und der Ausführung des von Hitler am 10. Oktober 1942 erlassenen Kommandobefehls, der anordnete, Angehörige gegnerischer Kommandounternehmen im Kampf oder auf der Flucht sofort zu töten,
- bei dem Entwurf eines Planes, um die Lynchjustiz an alliierten Fliegern (Verhinderung von Maßnahmen der Polizei, Justiz und Wehrmacht bei Lynchungen notgelandeter oder abgesprungener alliierter Flieger durch die Zivilbevölkerung) zu fördern,
- Bei der Verschleppung und Versklavung von Zivilisten.1

Das Gericht erklärte Warlimont für überführt und verurteilte ihn am 27./28. Oktober 1948 zu lebenslanger Haft im Gefängnis Landsberg am Lech, wo er sich mit militärgeschichtlichen Studien befassen konnte. Im Jahre 1951 wurde Warlimont mit 88 anderen Kriegsverbrechern begnadigt. Seine Strafe wurde vom amerikanischen Hochkommissar, John J. McCloy, auf achtzehn Jahre herabgesetzt. Drei Jahre danach, Anfang Juni 1954, wurde Walter Warlimont entlassen.

Nach seiner Entlassung wohnte er in Rottach-Egern und veröffentlichte kriegsgeschichtliche Arbeiten. 1962 legte er seinen Bericht „Im Hauptquartiert der deutschen Wehrmacht 1939-1945“ vor. Ende Juli 1962 zog Warlimont nach Gmund am Tegernsee. Wiederholt gab er für Fernsehsendungen Interviews. Niemals erwähnte er seine persönliche Schuld, seine Verstrickung, an verbrecherischen Befehlen mitgewirkt zu haben.1
Walter Warlimont starb am 9. Oktober 1976 in Kreuth/Oberbayern.
Quellen:
1 Hg. Gerd R. Ueberschär: Hitlers militärische Elite Bd. 2, Autor Mühleisen, Horst.
2 www.austria-forum.org/af/AustriaWiki/Walter_Warlimont.













