Nachkriegszeit und Karriere als niederländischer Politiker (1945 – 1970)
Von Raphael Völler
In der letzten Woche starteten wir eine Serie, die sich mit dem niederländisch-deutschen Widerstandskämpfer Alfred Mozer beschäftigt hat. Die Abhandlung endete mit seinem Überleben als „Onderduiker“ anno 1945.

1947 beantragt wurde Alfred Mozer wegen seiner langjährigen Beteiligung im niederländisch-deutschem Widerstand bis zum Ende des zweiten Weltkriegs ehrenhalber die niederländische Staatsbürgerschaft verliehen. Nach Zerbrechen seiner 1928 geschlossene Ehe mit Änne Andre, die Mitte der Amsterdamer Jahre 1935 in ihre Heimatstadt Bad Hersfeld zurückgezogen war, heiratete er 1948 Aaltje Ebbinge aus Groningen, die er als aktive Kurierin im Widerstandskampf kennengelernt hatte. Aus beiden Ehen ging jeweils ein Sohn hervor.


Angesichts fehlender direkter Bezüge zu Osnabrück erfolgt die Darstellung seiner steilen politischen Karriere in der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid (PvdA) auf zwei Höhepunkte beschränkt _ seine Ernennung 1948 als Sekretär für Internationales (Buitenlandsecretaris) und 1958 als Kabinettschef des ersten Vizepräsidenten und Landwirtschaftskommissars der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) Sicco Mans-holt in Brüssel, die er bis 1970 ausübte.
Europäisches Engagement
Während dieser langen intensiven Schaffensphase gehörte er zu den Gründungsvätern des Verbandes europäischer sozialistischen Parteien, der Föderalistischen Bewegung. Als deren langjähriger Vorsitzender baute er ein breites europäisches Netzwerk auf. Als begabter Redner vertrat er durchsetzungsstark seine Positionen _ in seiner menschlich humorvollen Art und als guter Zuhörer war er auch über Parteigrenzen hinweg ein gefragter Berater, was zu persönlichen Freundschaften mit fast allen bekannten europäischen Politikern führte.
Trotz seines persönlichen Schicksalshintergrundes schloss dies auch deutsche Nachkriegspolitiker aller Couleur und Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen ein, beispielhaft seien hier nur seine enge Beziehungen mit dem christdemokratischen ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer oder später mit den sozialdemokratischen Nachfolgern Willi Brand und Helmut Schmidt angeführt. Letzterer soll des Öfteren gesagt haben, wenn er schnell eine belastbare politische Bewertung zu europäischen Fragen benötige, würde er direkt mit Mozer telefonieren _ aber vielleicht ist das auch nur eine der vielen Anekdoten, mit denen Mozer gerne seine Gespräche würzte.
Für seine grundsätzliche Denkweise als überzeugter Verfechter der europäischen Idee nutzte er auch seine langjährige Freundschaft mit dem niederländischen Königshaus zur Initiierung und Unterstützung konkreter Initiativen.
Quellen/Fotos
Alle Fotos/Abbildungen , soweit nicht anders gekennzeichnet, aus der Biographie Paul Weller, Alfred Mozer Duitser . Nederlander – Europeaan (1905 – 1979), ISN 978 90 5345 548 7, 2019, Stichting Matrijs, UtrechtT












