Red Hot Chilli Pipers gastieren im Rosenhof
Sie sind laut, lustig und sympathisch. Und sie spielen Rock ‘n‘ Roll: Ein Konzert der schottischen Red Hot Chilli Pipers garantiert beste Unterhaltung.
Der Schotte rockt im Schottenrock, und das tut er weithin hörbar – vor der Erfindung der elektrischen Gitarre sorgte der Dudelsack für angemessenen Partylärm: die Sackpfeife ist schreckenerregend laut und obendrein ideal für das Call-and-Response-Schema. AC/DC gehörten zu den ersten Rockbands, die dieses prächtige Getöse zu nutzen wussten: 1975 traten bei ihrem Jahrhundert-Stück „It‘s A Long Way to the Top (If You Wanna Rock ‘n‘ Roll)“ Dudelsack und E-Gitarre in einen stürmischen Dialog, der dem Albumtitel „High Voltage“ alle Ehre machte.
Eben diese Energie ist das Markenzeichen der Red Hot Chilli Pipers. Bei den schottischen Recken trifft genau wie damals bei AC/DC die Sackpfeife auf E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug. Und anders als bei AC/DC auch auf Keyboards. Sie adaptieren Rock-Klassiker nebst Balladen aus Rock, Pop und Folk, werfen ein paar Eigenkompositionen dazu und jagen das Ganze mit mächtig großem Atem durch die Rohrblätter – wer den Dudelsack beherrscht, braucht im Herbst keinen Laubbläser. Oftmals verweben die virtuosen, teils preisgekrönten Musiker bekannte Titel zu pfiffigen Medleys. Da trifft dann zum Beispiel „Smoke on the Water“ auf „Thunderstruck“ oder „We Will Rock You“ auf „Eye of the Tiger“.

Das Gründungsmitglied der Red Hot Chilli Pipers Kevin MacDonald, zuletzt auf der 2016er-Veröffentlichung „Octane“ dabei, erinnerte sich 2022 in einem Interview: „Es war mehr oder weniger ein Hobby, als wir anfingen, dann entwickelte es sich zu einem bezahlten Hobby.“
2005 erschien das erste Studioalbum, das nur den Bandnamen als Titel trug und sich eher mäßig verkaufte. 2007 nahm die Band an der BBC-Talentshow „When Will I Be Famous?“ teil und gewann nicht nur das Preisgeld in Höhe von 10.000 Pfund, sondern auch enorm an Popularität. Im selben Jahr erschien das Album „Bagrock To The Masses“, überschrieben in Anspielung auf Depeche Modes „Music For The Masses“ – wie schon ihr Name verrät, hat die Band Sinn für Humor. Und die Massen reagierten.
Seither ziehen die scharfen Pipers mit ihrer „high-energy fusion of traditional Scottish music and rock/pop anthems“ – so formulierte es der Journalist Sean Wallace – durch die Lande. Sie traten mit Ed Sheeran und Tom Walker auf, spielen in Clubs und auf großen Festivals, auch beim deutschen Wacken Open Air. Ihr guter Ruf als Liveband eilt ihnen voraus.
Regelmäßig zu Gast sind sie im Osnabrücker Musikclub Rosenhof. Ihre laufende Tour heißt wie ihr jüngstes Album: „Back To Roots“. Gemeint sei, so Piper-Mitglied Ross Miller im Interview, ein teilweiser Rückgriff auf Titel, die in früheren Besetzungen bereits im Programm waren oder auf Tonträger erschienen sind, aber „mit einem neuen Twist“. Der rockige Charakter wird, beispielsweise im Vergleich mit dem sehr groovigen Album „Fresh Air“ von 2019, wieder stärker herausgestellt. Auch auf technischem Gebiet. Am Bühnenrand reihen sich neuerdings Effektgeräte, mit denen sich, ähnlich wie bei Gitarren, die Klänge modulieren lassen. Lightshow und Nebelmaschine unterstützen die Tendenz zum Rock-Erlebnis, zu dem selbstredend auch getragenere Töne – beispielsweise Coldplays „Fix You“ – gehören.
„Highland Cathedral“, seit je im Repertoire und schon auf ihrem Debütalbum enthalten, wird in deutscher Sprache angesagt, denn die Komponisten des Titels, der zur heimlichen Nationalhymne Schottlands wurde, waren Deutsche: der hiesige Sackpfeifenvirtuose Michael Korb und der Produzent Uli Roever († 1997). Und es gab im letzten Jahr noch eine Verbeugung vor den deutschen Fans: Auch Andreas Bouranis „Auf uns“ hatten die Schotten-Rocker keltisches Kolorit verpasst. Die Truppe ist immer für eine Überraschung gut.
31.10.2026, Rosenhof, Osnabrück, 20:00 Uhr
Die Tickets gibt es zu unterschiedlichen Preisen, bei Reservix.de für 43 Euro.













