Verbrecherjagd auf vier Pfoten – „Kommissar Rex“ ist wieder da

Wie schreibt man eigentlich Filmszenen für einen Hund?
Die Osnabrücker Marcel Kawentel und Timo Lombeck schreiben die Drehbücher für die Neuauflage der Kultserie „Kommissar Rex“

Die Osnabrücker Drehbuchautoren Marcel Kawentel und Timo Lombeck können diese Frage beantworten. Sie hatten den Auftrag, Geschichten für eine Neuauflage der österreichisch-deutschen Kultserie „Kommissar Rex“ zu verfassen, die am 13. April bei Sat.1 Premiere hatte und wie ein Teil der älteren Folgen auf der Streaming-Plattform Joyn kostenlos abgerufen werden kann.

Sein erstes Wau auf deutschen Bildschirmen tat Rex am 10. November 1994. Zweiter Hauptdarsteller neben Rex, der am 1. Juni 1992 in Ingolstadt geboren wurde und im richtigen Leben auf den Namen Reginald von Ravenhorst hörte, war Tobias Moretti, ein gefragter Theaterschauspieler, der auf der Bühne mit Regisseuren wie Dieter Dorn und Ingmar Bergman gearbeitet hatte. Mit Soko gab einen weniger bekannten zweiten Filmhund, der für Reginald die Actionszenen übernahm.

Die Idee zu der in Wien gedrehten Krimiserie hatten Peter Hajek und Peter Moser. Hajek war bis dahin bekannt als Autor und Produzent anspruchsvoller Unterhaltungssendungen und Dokumentarfilme, Moser kam aus dem Kabarettbereich, was den Humor der Serie erklärt. Beide schrieben fast alle Drehbücher der ersten drei Staffeln und trugen auch später noch Stoffe bei.

Der clevere Polizeihund eroberte auf Anhieb die Herzen der Zuschauer. Im Schnitt verfolgten in Deutschland neun Millionen Zuschauer die erste Staffel. Selbst Wiederholungen erzielten einen hohen Marktanteil, auch das Ausland war interessiert. Synchronisiert oder untertitelt sah man die Serie beispielsweise in Australien, Chile, Israel, Russland, dem Iran. Neuverfilmungen entstanden unter anderem in Italien, Portugal und Kanada.

Hajek und Moser produzierten die Serie selbst und legten dabei Wert auf handwerkliche Qualität. Regie führten unter anderem der „Schimanski“-Erfinder Hajo Gies und der 2005 für „Der Untergang“ Oscar-nominierte Oliver Hirschbiegel. Reginald alias Rex wurde von Teresa Ann Miller trainiert, die ansonsten Tiere für große Hollywood-Produktionen ausbildete. In den Besetzungslisten finden sich Namen wie Christiane Hörbiger, Veronika Ferres, Senta Berger, Ulrich Tukur.

In der Folge „Amok“ entdeckt man Gedeon Burkhard, der Tobias Moretti ab der vierten Staffel als Hauptdarsteller ablösen sollte. 2001 blickte Moretti im Gespräch mit der TV-Zeitschrift „Gong“ auf das Serienengagement zurück: „Rex hat mir die finanzielle Unabhängigkeit verschafft, heute das zu tun, was ich für wichtig halte.“ Und das sind Charakterrollen im Theater, im Kinofilm und im Fernsehen.

Eine ständige Nebenrolle hatte Karl Markovics inne. Sein Part des überkorrekten Assistenten Ernst Stockinger war so beliebt, dass er eine eigene Serie bekam. Auch Markovics erhielt später eine Einladung nach Hollywood. Als Ensemblemitglied des Kinofilms „Die Fälscher“, 2008 als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet, darf er sich Oscar-Preisträger nennen.

Die ursprüngliche Serie endete 2004 mit der zehnten Staffel. Eine erste Neuauflage gab es 2009 als Gemeinschaftsproduktion von ORF, ZDF und der italienischen RAI. Rex’ neues Revier waren die Gassen von Rom.

Für die aktuelle Fortsetzung im 90-Minuten-Format mit Maximilian Brückner als Rex’ neuem Herrchen fanden die ursprünglichen Partner ORF und Sat.1 wieder zusammen. Die Aktualisierung des Reihenkonzepts und die Drehbücher wurden dem Osnabrücker Autorenteam Marcel Kawentel und Timo Lombeck anvertraut. Die beiden hatten in einer Folge der österreichischen, in Deutschland bei 3sat gezeigten Krimiserie „Der Fall der Gerti B.“ einen Filmhund auftreten lassen und in den Dialogen den berühmten Kollegen Rex erwähnt. In der Produktionsfirma MR Film blieb das nicht unbemerkt. Mit dem erfreulichen Resultat, dass sie sich weitere Geschichten um einen vierbeinigen Schnüffler ausdenken mussten.

Gar nicht so einfach, denn das Mittel des Dialogs steht ja nicht zur Verfügung. Marcel Kawentel gewährt einen Einblick in die Autorenarbeit: „Es gibt ein filmisches Element, das wir in den Büchern angelegt haben, bei dem die Gerüche, denen Rex folgt, visualisiert werden. Außerdem kommunizieren Ermittler und Rex mit Blicken, Geräuschen, auch humoristischen Dialogen vom Herrchen, die sich auf vermeintliche ‚Dialoge‘ von Rex beziehen. Die Grundanlage ist: Der Inspektor denkt und spricht, und Rex ist sein Instinkt, an den er immer wieder erinnert werden muss durch den Hund, auch im Privaten.“

Kawentel und Lombeck haben an der Universität Osnabrück das in der damaligen Form abgeschaffte Fach Medien studiert und zunächst auf zweierlei Wegen in die Filmbranche gefunden. Lombeck studierte ergänzend das Fach Film an der US-amerikanischen Rowan University und arbeitete als Produktionsassistent. Kawentel absolvierte ein Dramaturgiepraktikum in der Produktion der Kika-Serie „Schloss Einstein“ und sammelte erste Erfahrungen als Autor. Inzwischen zeichnen sie als Team für Kinofilme wie „Vanessa“ und „Das schaurige Haus“ verantwortlich, schreiben unter anderem für die Serie „Totenfrau“ und haben mit „Das Vergessen” eine Serie nach eigenem Konzept in Vorbereitung. Marcel Kawentel verrät schon ein wenig zum Inhalt: „Julia Koschitz spielt eine Polizistin, die an Frühdemenz erkrankt und das geheimzuhalten versucht, um ihren wichtigsten und vielleicht letzten Fall noch zu lösen.“

Gedreht wurden die sechs Folgen in Wien und Braunau. Die Ausstrahlung soll im Laufe des Jahres erfolgen.

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