Donnerstag, 18. April 2024

„Der Tod ist ständig unter uns“

Ausstellung im Augustaschacht beleuchtet die Deportation jüdischer Menschen nach Riga: auch Osnabrücker*innen waren beteiligt

Zu einer Sonderausstellung lädt vom 7. April bis zum 1. September 2024 die Gedenkstätte Augustaschacht ein. Erstmals wird der Versuch unternommen, die nationalsozialistische Deportation von fast 25.000 Juden und Jüdinnen aus dem Deutschen Reich, dem angeschlossenen Österreich und der annektierten Tschechoslowakei nach Riga in die Geschichte der deutschen Besatzungspolitik im Reichskommissariat Ostland einzubetten. Das offizielle Thema der Präsentation lautet „Der Tod ist ständig unter uns“. Erstellt wurde die Ausstellung von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten. Vorzumerken ist die Eröffnung der Präsentation am Sonntag, 7. April, 15 Uhr.

Thematisch geht es, wie angedeutet, nicht allein um die Deportationen nach Riga, sondern zugleich auch um den Holocaust im besetzten Lettland. Die Ausstellung thematisiert somit detailgenau die Ermordung der lettischen wie der ins deutsch besetzte Lettland verschleppten litauischen, polnischen und ungarischen Jüdinnen und Juden. Das historische Geschehen und die aktuelle Gedenkkultur werden beleuchtet. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale von jüdischen Verfolgten, die Tatorte und ausgewählte Biografien von Tatbeteiligten.

Gedenkstätte Augustaschacht
Gedenkstätte Augustaschacht

Mit anderen deportiert: Menschen aus Osnabrück

Osnabrück besitzt einen besonderen Bezug zur Ausstellung: Ein großer Teil der in der Region Osnabrück verbliebenen jüdischen Gemeinde wurde am 13. Dezember 1941 in einem Sondertransport nach Riga gebracht. In den beiden Tagen zuvor waren in der Turnhalle der Pottgrabenschule annähernd 500 Jüdinnen und Juden aus dem Osnabrücker Gestapobezirks zusammengepfercht worden. Bereits Mitte November 1941 hatten die Menschen die Nachricht bekommen, sich am 13. Dezember zur „Evakuierung“ nach Riga in Lettland bereit zu halten. Am Morgen des 13. Dezember wurden sie in Wagons gepfercht und in das Ghetto und Konzentrationslager Riga deportiert. In dem Zug befanden sich bereits etwa 400 Betroffene aus dem Gestapobezirk Münster, weitere 420 sollten noch in Bielefeld hinzukommen. Insgesamt sind am besagten Tag 1012 Menschen nach Riga verschleppt worden. Von insgesamt 34 aus Osnabrück Deportierten sollten nur vier Personen aus dem Konzentrationslager zurückkehren. Ausführlich hat OR-Redakteurin Martina Sellmeyer das Geschehen zuletzt im Rahmen eines sehr lesenswerten Berichts im Dezember des Vorjahres dargestellt: https://os-rundschau.de/rundschau-magazin/martina-sellmeyer/nicht-bei-nacht-und-nebel/

Gedenkkultur im heutigen Riga. Collage: Mārtiņš Mintaurs, Universität Riga
Gedenkkultur im heutigen Riga. Collage: Mārtiņš Mintaurs, Universität Riga

Zum Begleitprogramm der Ausstellung im Augustaschacht zählen Rundgänge und Workshops für Gruppen und Schulklassen. Hier wird um Voranmeldung unabhängig von den Öffnungszeiten angeboten. Ausstellungsort ist die Gedenkstätte Augustaschacht, Zur Hüggelschlucht 4 in Hasbergen-Ohrbeck, von Osnabrück aus sehr gut per Rad, Bus oder PKW zu erreichen. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis zum Samstag jeweils von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Montags ist die Einrichtung geschlossen. Der Eintritt in die Gedenkstätte ist frei. Zahlreiche weitere Informationen zu den begleitenden Veranstaltungen und einer Reise nach Lettland bietet die Homepage der Gedenkstätten: www.gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de

Falls weitere Informationen gewünscht sind, lohnt auch eine direkte Kontaktaufnahme zu den Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht e. V.: Tel. 05405 8959270. Per Mail: info@augustaschacht.de

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