Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.
Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.
Vorschau auf das Auswärtsspiel in Bielefeld
mit persönlichen Einschätzungen von Lars Mosel, Janis Weber und Sven Dirkes
Am Sonntag um 13:30 Uhr tritt der VfL bei der Arminia aus Bielefeld an. Die Bielefelder Alm hat sich dabei in der Vergangenheit immer wieder als äußerst hartes Pflaster für die Osnabrücker herausgestellt: Von den 17 Auswärtsspielen in Ostwestfalen gingen neun verloren, sechs Mal trennte man sich Unentschieden und lediglich zwei Siege sprangen heraus. 1986 konnte man in der 2. Bundesliga einen Zwei-Tore-Rückstand noch zu einem 2:3 drehen, unter anderem durch einen Doppelpack von Uwe Jursch. Und einen Doppeltorschützen brauchte es auch 2014 beim 1:2 Auswärtssieg, als Stanislav Ilyuchenko den VfL mit zwei Toren in Halbzeit 1 in Führung brachte.
Auf’m Platz
Wirklich aktiv war die Arminia im Sommer nicht auf dem Transfermarkt. Linksaußen Jannik Rochelt, in der Rückrunde bereits ausgeliehen, wurde fest von Hannover 96 verpflichtet. Die Verteidiger Maximilian Bauer und Henri Koudossou kamen aus Augsburg, wobei Bauer ebenfalls schon in der vergangenen Rückrunde für Bielefeld auflief. Zudem wurde kurz vor Transferfensterschluss noch Mittelstürmer David Min aus Utrecht ausgeliehen, um den Abgang von Roberts Uldrikis zu kompensieren, und der auch in Osnabrück gehandelte Leon Jensen von Hertha BSC für das Mittelfeld verpflichtet. Beide Last-Minute-Transfers standen jeweils erst einmal in der Startelf und Bauer und Rochelt waren bereits ab Winter im Kader, sodass Koudossou, der den nach Darmstadt abgewanderten Lannert ersetzt, die bislang einzig größere Veränderung zur letzten Saison ist.
Das spricht für Konstanz. Aber ganz so einfach ist es nicht…
Denn zwei Abgänge aus dem Sommer wurden noch nicht genannt und die stechen heraus. Mael Corboz hat es in die zweite französische Liga zu Grenoble verschlagen. Corboz war zuvor 2,5 Jahre Dreh- und Angelpunkt der Bielefelder, spielstark, torgefährlich, Führungsspieler, Kapitän. Corboz galt immer als verlängerter Arm des Trainers. Und damit wären wir bei dem zweiten, noch bedeutenderen Abgang angelangt: Mitch Kniat. Nach genau drei Jahren, in denen Kniat mit der Arminia aufstieg, in Liga 3 Meister und „Trainer des Jahres“ wurde, das DFB-Pokalfinale erreichte und in der letzten Saison den Klassenerhalt in der 2. Liga schaffte, entschied man sich ab Sommer getrennte Wege zu gehen. Und so fühlt sich in Bielefeld, trotz der hohen personellen Konstanz im Kader, doch einiges nach Umbruch an.
Kniat wurde durch Oliver Kirch ersetzt, der von der Zweitvertretung aus Mönchengladbach zur Arminia wechselte und als Trainer zuvor keinerlei Profierfahrung gesammelt hatte. Und wer sich durch Kirch einen schnellen Aufschwung erwartet hatte, wurde bislang enttäuscht. Viele Probleme aus der letzten Saison wurden mit in die neue getragen. Oliver Kirch setzt wie sein Vorgänger auf ein 4-3-3, die Abwehr fällt immer noch durch wiederkehrende individuelle Fehler auf und nach vorne fehlen Ideen und Durchschlagskraft. Die Lebensversicherung in der Offensive ist auch in dieser Saison Joel Grodowski, der in den bisherigen sieben Partien bereits fünf Treffer erzielen konnte. Ansonsten sucht man eher vergeblich nach Lichtblicken.
Das Ganze hat bislang zu zwei Siegen gereicht: am 2. Spieltag konnten sehr schwache und vor allem fehleranfällige Cottbusser mit 3:0 bezwungen werden und am letzten Spieltag gab es einen etwas schmeichelhaften 0:1 Auswärtssieg der Kategorie „Minimalismus“ in Bochum. Unterm Strich steht für Oliver Kirch ein Punkteschnitt von 1,14, der sogar den von Kniat aus der letzten Saison (1,17) leicht unterbietet. Dramatisch ist das alles noch nicht, man steht auf dem neunten Tabellenplatz, punktgleich mit dem VfL. Und doch bleiben die Fragezeichen, ob der Wechsel auf der Trainerposition wirklich nötig gewesen ist oder ob man sich nicht selbst das Leben unnötig schwer gemacht hat.
Im Fokus
Jonas Kersken ist aktuell bereits in seiner vierten Saison als Torhüter bei Arminia Bielefeld. Der gebürtige Düsseldorfer kam 2023 per Leihe von Borussia Mönchengladbach und wurde im Jahr darauf fest verpflichtet. In der 3. Liga war er einer der Faktoren für den Aufstieg 2025, die erste Zweitligasaison lief für ihn ordentlich und so tauchten im Sommer Gerüchte über Interesse aus dem Ausland auf. Union Saint-Gilloise, Birmingham City, FC Kopenhagen. Durchaus spannende Namen, aber konkret wurde nichts. Und so steht Kersken weiterhin im Tor der Bielefelder, sieht sich aber immer wieder mit Kritik aus dem eigenen Anhang konfrontiert. Dass er zwar ein Guter für die 3. Liga sei, aber höchstens Mittelmaß für Liga 2. Dass die Strafraumbeherrschung ausbaufähig sei und das Spiel mit Ball am Fuß zu fehlerbehaftet. Dass man bei Elfmetern des Gegners eigentlich direkt den Ball wieder auf den Anstoßpunkt legen könne.
Die Kritik kommt nicht aus dem Nichts, die Saison startete maximal unglücklich für den 26-Jährigen: beim Ligaauftakt in Karlsruhe sah er bei beiden Gegentoren nicht gut aus. Das 1:0 kassiert er ins kurze Torwarteck, bei der Ecke zum zweiten Karlsruher Treffer kommt er zwar raus, hat jedoch keinerlei Chance auf den Ball, sodass Broschinski nur noch ins leere Tor zu köpfen braucht. Von den letzten acht Elfmetern konnte er keinen halten. Und da ist das Elfmeterschießen gegen Großaspach im DFB-Pokal nicht mal mit eingerechnet. Während sein Torhüter-Konkurrent Reule zwei Elfmeter hielt, konnten die Schützen der SG Sonnenhof allesamt verwandeln. Bielefeld schied mit einem 0:3 im Elfmeterschießen aus.
Danach konnte sich Kersken jedoch stabilisieren, war bei den vier Gegentoren in Nürnberg machtlos und konnte beim 2:2 Unentschieden zu Hause gegen St. Pauli sogar mit einer Torvorlage auf sich aufmerksam machen. Am letzten Wochenende hielt er gegen Bochum zum zweiten Mal in dieser Saison seinen Kasten sauber. Kritiker mögen einwenden, dass er nicht wirklich durch die Bochumer Offensive geprüft wurde und dass er auch darüber hinaus der Arminia in dieser Saison noch keinen Punkt festgehalten habe. Aber Jonas Kersken hat sich in den letzten Jahren wenig durch solche Dinge beeinflussen lassen und wird den eigenen Fans so auch in dieser Saison wieder beweisen, dass er vielleicht kein Ortega 2.0 ist, aber für Bielefelder Verhältnisse ein mehr als ordentlicher Torhüter.
Stadion
Geschichten aus der Geschichte
Wir schreiben den 6. Juni 1971. Der Präsident der Offenbacher Kickers, Horst-Gregorio Canellas, feiert in illustrer Runde seinen 50. Geburtstag. Und neben Häppchen und Schaumwein hält er für seine Gäste noch eine ganz besondere Überraschung bereit. Im Laufe des Abends spielt er ein Tonband mit mitgeschnittenen Telefonaten ab, in denen von Spielmanipulationen und Bestechungsgeldern die Rede ist. Der anwesende Bundestrainer Helmut Schön verlässt fluchtartig die Party, doch die Büchse der Pandora ist geöffnet. In den kommenden Wochen wird Schritt für Schritt eine Schmiergeld-Affäre aufgedeckt, die bis heute unter dem Namen „Bundesliga-Skandal“ firmiert. Und Arminia Bielefeld war mittendrin.
1970 gelang der Arminia der erste von bis heute acht Aufstiegen in die Bundesliga. Und es sah schon früh in der Saison 1970/71 so aus als bliebe es für die Ostwestfalen ein kurzes Abenteuer im Oberhaus. Erst am sechsten Spieltag konnte der erste Sieg eingefahren werden, den Großteil der Spielzeit verbrachte man im Tabellenkeller. Doch war den Bielefeldern jedes Mittel recht, um den drohenden Abstieg zu verhindern: 40.000 Mark ließ man sich einen Auswärtssieg bei Schalke 04 am 28. Spieltag kosten, an den letzten beiden Spieltagen durften sich der VfB Stuttgart und Hertha BSC über „Sonderzahlungen“ freuen. An die Berliner sollen ganze 200.000 Mark geflossen sein.
Das Urteil des DFB sah einen Zwangsabstieg der Arminia in die höchste Amateurklasse vor, nach einer Berufung wurde das Urteil abgeschwächt, sodass der DSC mit einem 10-Punkte-Abzug in der Regionalliga starten durfte. Die Saison 1971/72 durfte man sogar noch in der Bundesliga beenden, wenn auch jedes Spiel für den jeweiligen Gegner gewertet wurde.
Insgesamt wurden 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Vereinsfunktionäre sanktioniert, darunter auch Canellas, der Mann mit den Tonbändern. Unter den Spielern traf es namhafte Stars wie Stan Libuda und Klaus Fischer von Schalke 04. Neben den Bielefeldern wurde auch den Offenbachern die Bundesligalizenz entzogen. Der immense finanzielle Schaden, der durch diesen Skandal für die Arminia entstand, konnte unter anderem mit dem Verkauf von Topspieler Dieter Burdenski und Spenden aus der Anhängerschaft abgefedert werden. Für Rot-Weiss Essen, die wegen der Spielmanipulationen letztendlich unverschuldet aus der Bundesliga abgestiegen waren, gab es keinerlei Entschädigungen. Bielefeld stieg 1978 zum zweiten Mal in die Bundesliga auf und, ganz ohne Bestechungsversuche, prompt wieder ab.
Prognose Lars Mosel (OS-Rundschau)
Wer nach zwei Spielen, die jeweils 1:1 endeten, ein neues Ergebnis erwartet, wird enttäuscht werden. Auch in Bielefeld sammelt der VfL genau einen Punkt ein. Hat die Mannschaft bisher aber in der ersten Halbzeit häufiger Probleme mit dem Gegner, gelingt Robin Meißner auf der Alm ein Blitzstart auf Zuspiel von Ismail Badjie, der in die Startelf gerückt ist. Leider wird der Druck der Bielefelder zunehmend größer, es gelingt aber lediglich der Ausgleich nach einer Ecke.
Bemerkenswert bei der Aufstellung, dass Leon Flach erstmals in der Startaufstellung steht, Faber auf rechts für Kammerbauer eingesetzt wird und Badjie Riesselmann ersetzt. Drei Wechsel in der Startelf sind für den Trainer sehr viel, aber er war in den letzten Spielen nicht restlos zufrieden. Zufrieden kann der VfL allerdings mit dem Punktgewinn in Bielefeld nach Hause fahren!
Janis Weber (Ostkurvenchor)
Beide Mannschaften stehen mit acht Punkten im Mittelfeld der Liga, beide Mannschaften kassieren im Schnitt knapp zwei Gegentore pro Spiel, die Bielefelder spielten in ihrem letzten Heimspiel Remis, die Lila-Weißen in ihrem letzten Auswärtsspiel ebenfalls. Also bin ich langweilig, runde ein bisschen und tippe auf ein 2:2, mit dem der VfL sicherlich besser leben kann als die Arminia. Alle vier Tore fallen durch Standards, eins für jedes Team in Halbzeit eins, eins für jedes Team in Halbzeit zwei.
Sven Dirkes (Ostkurvenchor)
Am letzten Spieltag hat die Arminia das erste Mal seit dem Heimsieg gegen Cottbus wieder einen 3er eingefahren. Somit treffen am Sonntag nicht nur geographische sondern auch tabellarische Nachbarn aufeinander. Die Bielefelder Alm ist kein gutes Pflaster für Osnabrücker. Selten konnten wir mit einem breiten Grinsen und einem Sieg nach Hause fahren. Das wird dieses Wochenende anders. Die Arminia konnte mich in dieser Saison bisher selten überzeugen, dementsprechend fahren wir einen dreckigen 1:0 Auswärtssieg nach einer Ecke ein. Vielleicht macht es ja Blaulicht Wiemann wie in Dresden.













