Donnerstag, 13. Juni 2024

Heute vor 81 jahren beginnt der Aufstand im Warschauer Ghetto

Nach dem sog. „kleinen Aufstand“ vom Januar 43 beginnt heute vor 81 Jahren der zum Symbol gewordene Aufstand im Warschauer Ghetto
„Der Traum meines Lebens hat sich erfüllt. Der bewaffnete jüdische Widerstand und die Rache sind Realität geworden …“

aus dem aufruf des jüdischen verbands „zzw“ vom januar 1943: „[…] erwache und kämpfe! wisse, dass kein entkommen zu finden ist, wenn du passiv in deinen tod gehst, wie ein schaf zum schlachten. […] wer die selbstverteidigung von vornherein aufgibt, hat schon verloren! nichts erwartet ihn außer eines grauenvollen todes in der erstickungsmaschine von treblinka. […] lasst das volk erwachen und um sein leben kämpfen! lasst jede mutter eine löwin sein, die ihre jungen verteidigt! lasst keinen vater zusehen und schweigend das blut seiner kinder sehen! der erste akt unserer vernichtung soll sich nicht wiederholen! […] lasst den tyrannen mit seinem blut für jede seele in israel bezahlen! […] kein einziger jude soll mehr in treblinka sein ende finden! […]“

der letzte brief (abbildung) des jungen żob-kommandeurs mordechaj anielewicz an seinen stellvertreter icchak cukierman auf der „arischen“ seite vom 23. april 1943: „[…] was wir durchgemacht haben, lässt sich mit worten nicht beschreiben. was geschehen ist, übersteigt unsere kühnsten träume. die deutschen sind zweimal wieder aus dem ghetto abgehauen. […] ich spüre, dass große dinge geschehen und dass das, was wir gewagt haben, von ungeheuer großem wert ist […] ich kann die bedingungen nicht beschreiben, unter denen die juden im ghetto jetzt leben. nur einzelne werden durchhalten können. die anderen werden früher oder später umkommen. ihr schicksal ist besiegelt. fast in allen verstecken, in denen sich tausende verborgen halten, kann man aus luftmangel keine kerze anzünden. […] fahre wohl, mein freund! vielleicht sehen wir uns noch wieder! der traum meines lebens hat sich erfüllt. der bewaffnete jüdische widerstand und die rache sind realität geworden. ich war zeuge dieses wunderbaren heldenhaften kampfs jüdischer kämpfer.“ (unter denen auch zahlreiche frauen waren.)

vor dem aufstand waren seit juli 1942 rund 265.000 menschen von warschau aus nach treblinka deportiert worden. 100.000 waren vorher bereits infolge unterernährung, krankheit oder zwangsarbeit im ghetto gestorben. während des aufstands starben – wie mordechaj anielewicz selbst – weitere 13.000 ghetto-insassen, infolge rauch- und gasvergiftung, granaten, erschießen oder suizid. die überlebenden 40.000 wurden nach seiner endgültigen niederschlagung am 16. mai – von stroop mit der sprengung der hauptsynagoge und der bekannten meldung „es gibt keinen jüdischen wohnbezirk in warschau mehr“ symbolisch besiegelt – ebenfalls nach treblinka, majdanek und in andere vernichtungslager deportiert.

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Judith Kessler
Judith Kessler
Judith Kessler ist Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin mit den Schwerpunkten jüdische Migration, Gegenwartskultur und Biografieforschung.
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