Mittwoch, 17. April 2024

Judith Kessler über Napoleon, der offenbar nicht wusste, wie der Hase läuft …

(Es gibt genügend reale „Aprilscherze“ …)

Waterloo soll Napoleons demütigendste Niederlage gewesen sein, aber vielleicht fand die ja schon acht Jahre früher statt …

Es war im Sommer 1807. Napoleon Bonaparte hatte gerade den Frieden von Tilsit ausgehandelt, der den Krieg zwischen Frankreich und Russland beendete und wollte das Ereignis gebührend feiern. Am liebsten mit einem guten Essen und einer schönen Hasenjagd.

Er beauftragte also seinen Stabschef Alexandre Berthier, der ein festliches Mittagessen im Freien arrangierte, Einladungen an hochrangige Militärs verschickte und seinen Untergebenen befahl, so viel wie möglich Hasen aufzutreiben. Je nach Quelle sollen dabei zwischen einigen hundert und dreitausend Hasen zusammengekommen sein.

Napoleon und seine Gäste fuhren also am angesetzten Tag der Jagd mit ihren Kutschen auf das ausgesuchte Feld und probierten erst einmal ihre Waffen aus, bis die Jagdhörner erklangen und Berthiers Leute, die hinter einer langen Reihe von Käfigen mit den Langohren warteten, die Hasen freiließen und die Hatz losgehen konnte.

Theoretisch …
… denn praktisch begannen die Hasen nicht um ihr kleines pelziges Leben zu rennen, sondern zu Hunderten auf Napoleon zuzuhüpfen, sich an seine Beine zu krallen und seine Uniformjacke hinaufzuklettern. Die Jagdgesellschaft amüsierte sich zunächst köstlich, doch als es so aussah, als würden die Hasen den Kaiser bei lebendigem Leibe auffressen, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Die Entourage griff zu allem, was da war – Stöcke, Peitschen, Musketen – und versuchte, die Hasen zu vertreiben, aber es waren zu viele und sie kamen immer wieder.

Selbst als der Korse sich in seine Kutsche geflüchtet hatte, teilte sich die Hasenmeute wie nach guter napoleonischer Strategie in zwei Flügel, griff über die Flanken an und „eroberte“ auch die Kutsche. Napoleon und seiner Jagdgesellschaft blieb nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen und ihnen das Feld zu überlassen. Selbst als die kaiserliche kutsche schon losgefahren war, musste Napoleon noch etliche Hasen zum Fenster wieder hinausbefördern.

Die verlorene Schlacht wurde später Berthier angelastet. Napoleons Stabschef war offenbar nicht der hellste. Statt nach wilden Hasen zu suchen, hatte er seinen Männern befohlen, einfach alle zahme Hasen von den Bauernhöfen in der Umgebung einzusammeln. Und die hatten keine Angst vor Menschen, waren inzwischen völlig ausgehungert, und als die käfige geöffnet wurden, nahmen sie wohl an, es sei endlich Fütterungszeit, und jeder, die in der Nähe herumstand, hätte leckere Karotten für sie oder der große Imperator sei ein riesiger Kopfsalat.

Joyeuses pâques! Fröhliche Ostern!

 

Judith Kessler
Judith Kessler
Judith Kessler ist Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin mit den Schwerpunkten jüdische Migration, Gegenwartskultur und Biografieforschung.
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