Kaum zu glauben, dass es die weltweit erste Diskothek ausgerechnet in Deutschland gab

Das sind wir wie der Spiegel, die Augsburger Allgemeine und zig andere Zeitungen einem Irrtum aufgesessen, wie der Osnabrücker Harald Keller dankenswerterweise klarstellt: 

„Hallo, Kalla,

die Datenlage ist eindeutig: Der „Ocambo Club“ öffnete vor dem angeblich ersten Auftritt Quirinis. Zudem gibt es etliche Unstimmigkeiten in seinen Angaben. Beispiel: Er will am 19. Oktober 1959 als ersten Titel „Ein Schiff wird kommen“ aufgelegt haben und beschreibt die Besucherreaktionen. Die Platte war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht auf dem Markt, sie erschien erst 1960. Gisbert Wegener hat dazu einen Text für den Ausstellungskatalog „The Beat Goes On“ geschrieben. Ich habe die Angaben verifiziert und um eigene Recherchen ergänzt. Bei uns hat alles Hand und Fuß, bei anderen … Nun  ja.
Zudem steht außer Frage, dass es schon gut zehn Jahre vorher in Frankreich Diskotheken gab. Daher stammt auch die Bezeichnung, einer der ersten Läden hieß La Discothèque. In Anlehnung an Bibliothek. Also die Aussage „die erste Disko der Welt“ ist definitiv nicht stichhaltig.

Herzliche Grüße“

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Einst wurde im Aachener „Scotch-Club“ vornehm gespeist und zur Livemusik einer Kapelle getanzt …

An diesem 19. Oktober 1959 aber ließ Franzkarl Schwendinger, der seinen Laden nun „Jockey-Tanzbar“ nannte, zum ersten mal Schallplatten-Musik abspielen und wie im Radio (Chris Howland hatte es dort vorgemacht) von einem Moderator, hier einem Kölner Opernsänger, ansagen. Doch das publikum murrte ob der „toten Musik“ und des Langweilers am Mikrofon.

Schwendinger fragte in seiner Not Klaus Quirini, einen 19jährigen Zeitungsvolontär, der über die Eröffnung berichten sollte, ob er nicht eine Ansage probieren wolle. Der wollte und legte eine so witzige Anmoderation hin, dass sofort die Stimmung im Saal stieg, der Abend gerettet, die erste Diskothek und der erste Diskotheken-Discjockey geboren waren.

Dass das Konzept erfolgreich wurde, sich das Wort „Diskothek“ durchsetzte und Mitte der 60er Jahre dann auch in den Duden aufgenommen wurde, war vor allem Klaus Quirini zu verdanken, der dem Scotch-Club treu blieb, sich aber nun „DJ Heinrich“ nannte, weil sein Vater, Landgerichtsdirektor Helmut Quirini, seinen Namen nicht im Zzusammenhang mit einem Tanzschuppen in der Zeitung zu lesen wünschte.

Die Leute kamen allein schon wegen ihm in den Club, er war ein Stimmungsgarant, hatte die besten spontanen Sprüche drauf und bezog das Publikum mit ein. Das sprach sich herum, bald reisten die Leute sogar aus Holland und Belgien an, um ihn und die neuartige Unterhaltungsform zu erleben und DJ Heinrich belehrte die naserümpfende Konkurrenz, die immer noch auf Livemusik setzte, eines Besseren. Denn der Scotch-club war jede Nacht rammelvoll, auch wenn Männer ohne Schlips und Jackett und Frauen im Hosenanzug nicht reinkamen. Egal ob Rock ’n’ Roll, Madison, Twist oder Sirtarki, im Scotch-Club gab’s das alles als erstes; Udo Jürgens, Peter Maffay und the Rattles begannen hier ihre Karrieren und auch die A-Promis stellten sich in der Schlange vor dem Eingang an. Die Diskothek und der Entertainer „Heinrich“ wurden x-fach kopiert, zuerst natürlich vorort in Aachen, wo es bald 42 Diskotheken (!) gab und dann deutschland- und weltweit, in den USA beispielsweise ab 1973 und dort dann kurz „Disco“ genannt …

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Judith Kessler
Judith Kessler
Judith Kessler ist Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin mit den Schwerpunkten jüdische Migration, Gegenwartskultur und Biografieforschung.
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