Freitag, 1. März 2024

Vítězslava Kaprálová war, obwohl sie nur 25 jahre alt wurde, die bedeutendste tschechische Komponistin und Dirigentin des 20. Jahrhunderts

Vítězslava Kaprálová wurde heute vor 109 Jahren geboren

Die in Brno geborene Tochter des Komponisten Vaclav Kapral, eines Janáček-Schülers, und der Sängerin Vítězslava Uhlirová begann mit neun Jahren zu komponieren, mit elf bedankte sich Präsident Masaryk für ein ihm gewidmetes Stück bei ihr, mit 15 begann sie am Brünner Konservatorium Komposition und Dirigieren zu studieren, bevor sie an die Meisterschule des Prager Konservatoriums wechselte.

vítězslava kaprálová schrieb in ihrem kurzen leben etwa 58 stücke: kunstlieder, klavier- und kammermusik, streichquartette, orchestersuiten, chöre und eine kantate. die militär-sinfonietta op. 11 („vojenská symfonieta“) war ihr erstes größeres orchesterstück, das die unruhigen zeit zum ausdruck brachte, in der man die bedrohung durch hitler zu spüren begann. gewidmet war es dem damaligen präsidenten der republik, edvard beneš, der auch befehlshaber der streitkräfte war. 1937 dirigierte sie die tschechische philharmonie bei der uraufführung und ein jahr später das bbc orchestra in london mit der sinfonietta, die von musikkritikern in ganz europa hoch gelobt wurde.

1937 hatte auch bohuslav martinů prag besucht, um die uraufführung seiner surrealistischen oper „julietta“ vorzubereiten. dabei lernte er die 25 jahre jüngere, talentierte schönheit kennen, die den komponisten schon lange bewundert hatte. er riet ihr, das studium bei ihm in paris fortzusetzen und es kam, wie es kommen musste, sie verliebten sich ineinander.

kaprálová, die das konservatorium mit auszeichnung abgeschlossen hatte, bekam ein stipendium und studierte in paris an der ecole normale de musique weiter – bei charles munch dirigieren, bei martinů komposition. sie wurde seine muse und seine geliebte, und sie begannen gemeinsam bläsertrios zu schreiben. doch im september lief ihr stipendium ab und sie musste zurück nach prag. bis zum ende des jahres schrieb martinů ihr 37 sehnsuchtsbriefe, „kannst du nicht verstehen, wie ich mich fühle, wenn ich ohne dich nicht existieren kann (…)?“

ihr stipendium wurde schließlich verlängert und kaprálová kehrte im januar 1939 nach paris zurück. im märz besetzten die deutschen die tschechoslowakei (ihr vater wurde 1942 von der gestapo verhaftet und saß bis kriegsende im kz) und sie entschied sich, das leben einer emigrantin zu führen und nicht in die heimat zurückzukehren. und sie entschied sich, ihre beziehung mit martinů zu beenden, der sich nicht von seiner frau trennen konnte. sie lernte einen anderen landsmann kennen, den jungen schriftsteller jiří mucha, sohn des berühmten jugendstilmalers alfons mucha, und heiratete ihn im april 1940 (zu dieser zeit hatte sie möglicherweise auch unterricht bei nadia boulanger, die noch bis zur besetzung im sommer an der école normale lehrte).

kurz darauf zeigten sich erste symptome einer schweren, möglicherweise tuberkulösen erkrankung; aber sie komponierte weiter, veröffentlichte artikel und leitete den neu gegründeten tschechischen frauenchor in paris. doch ihr zustand verschlechterte sich rapide. am 9. mai musste sie in ein pariser krankenhaus eingeliefert werden und kurz bevor die deutschen truppen am 14. juni paris erreichten, sorgte jiří mucha dafür, dass vítězslava nach montpellier evakuiert wurde. am vortag hatte martinů sie noch einmal besucht. zwei tage später, am 16. juni 1940, starb vítĕzslava kaprálová.

bohuslav martinů liebte vítĕzslava bis an sein lebensende. 1947 schrieb er in seinen memoiren: „überall, wo sie hinkam, brachte sie den frühling mit. sie war geduldig, freundlich, energisch und instinktiv. ich hatte selten die gelegenheit, eine so begabte person zu treffen (…) und das ist eines der dinge, die ich nicht erklären kann, (…) warum das schicksal ihr solche geschenke gegeben hat, so kostbar und einzigartig, nur um sie ihr wieder zu nehmen.“

eine kaprálová-playlist: https://youtube.com/playlist…

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Judith Kessler
Judith Kessler
Judith Kessler ist Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin mit den Schwerpunkten jüdische Migration, Gegenwartskultur und Biografieforschung.
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