Fachstelle Senioren macht mit 17 Angeboten in den Erlebnisswochen 60+ fit für die Digitale Welt

Leuchtturmprojekt

Die Stadt Osnabrück ist wegen ihrer vorbildlichen Netzwerkarbeit zur Stärkung der Digitalkompetenz älterer Menschen als eine von zehn Pilotkommunen in Deutschland für das Prädikat Kommune im „DigitalPakt Alter“ ausgewählt worden. Wie die Fachstelle Senioren vom Referat für Nachhaltige Stadtentwicklung mitteilte, wird das lokale „Netzwerk Digital-Treffs“ damit zu einem bundesweiten Leuchtturmprojekt. Eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen würdigt damit die erfolgreiche Koordination von 13 Lernorten und rund 80 geschulten ehrenamtlichen Digital-Lotsinnen und -Lotsen im Stadtgebiet.

Digital-Treffs in Osnabrück: Von der Technikhilfe und Ort der Begegnung

Osnabrück nimmt beim Thema digitale Teilhabe im Alter eine echte Vorreiterrolle ein. Als eine von bundesweit nur zehn ausgewählten Pilotkommunen im „DigitalPakt Alter“ entwickelt die Stadt Standards dafür, wie ältere Menschen den Schritt in die digitale Welt meistern können. Doch hinter den Kulissen geht es um weit mehr als nur um Smartphones, Passwörter und Apps – es geht um Lebenshilfe, Geduld und das Miteinander im Stadtteil.

Einfühlsame 1-zu-1-Beratung statt unpersönlicher Kurse

Wer im höheren Alter vor einem digitalen Problem steht, scheut oft klassische Schulungen. Die Sorge, in einer Gruppe nicht mitzukommen oder der Einzige zu sein, der eine Erklärung nicht versteht, ist groß. Genau hier setzen die Osnabrücker Digital-Treffs an: Statt Frontalunterricht gibt es eine individuelle Eins-zu-eins-Betreuung durch ehrenamtliche Digital-Lotsinnen und -Lotsen. Die Unterstützung erfolgt schrittweise und in aller Ruhe. Oft bringen die Seniorinnen und Senioren ein kleines Notizbuch mit, um sich die Klicks Schritt für Schritt aufzuschreiben. Auch die Sprache passt sich der Lebenswelt an: Komplexe IT-Begriffe werden in einfache Bilder übersetzt. So wird aus einem unübersichtlichen Ordner auf dem Bildschirm ganz anschaulich ein „neues Fotoalbum“, in das man Bilder einsortiert.

Vom geerbten Handy bis zu neuen Lebensumständen

Die Anliegen, mit denen die Besucherinnen und Besucher in die Treffs kommen, sind vielfältig. Häufig handelt es sich um abgelegte Smartphones, die von Kindern oder Enkeln weitergereicht wurden – oft vollgepackt mit Apps, die Verwirrung stiften, oder schlicht zu klein für ältere Augen. Hier helfen die Lotsen beim Aufräumen der Oberfläche oder beraten neutral beim Neukauf, damit es nicht das teure Modell sein muss. Manchmal ist der Anlass für den Besuch aber auch ein Einschnitt im Leben. Ein klassisches Beispiel: Nach dem Tod des Partners, der sich jahrzehntelang um alle Finanzen gekümmert hat, muss die hinterbliebene Person handeln und plötzlich Online-Banking oder digitale Anträge erlernen.

Mehr als nur Technik: Brücke gegen Einsamkeit

Über die Lösung von Smartphone-Problemen hinaus haben sich die Digital-Treffs zu wichtigen sozialen Anlaufstellen entwickelt. Man trifft sich auf einen Kaffee, tauscht sich aus und findet Anschluss im Quartier. Dass dabei auch persönliche Sorgen, Familiengeschichten oder Trauer zur Sprache kommen, ist keine Seltenheit. Damit die Ehrenamtlichen mit zu schweren Schicksalen nicht überfordert werden, ist das Netz gut verknüpft. In Schulungen lernen die Digital-Lotsen, empathisch zuzuhören, aber auch klare Grenzen zu ziehen. Bei schwierigen privaten Themen verweisen sie direkt an Fachstellen wie den Senioren- oder Pflegestützpunkt weiter.

Ein starkes Netzwerk im Stadtteil

Das Modell zeigt, wie digitale Teilhabe gelingen kann: Mit derzeit 13 Digital-Treffs und rund 80 engagierten Ehrenamtlichen ist ein dichtes Netz entstanden, das Hürden abbaut und Menschen zusammenbringt. Die Digital-Treffs beweisen jede Woche neu, dass es für das Erlernen neuer Fähigkeiten nie zu spät ist – vorausgesetzt, die Hilfe erfolgt auf Augenhöhe.

Die Auszeichnung bildet den Auftakt für eine einjährige Qualitätsinitiative, in deren Rahmen Osnabrück gemeinsam mit den anderen ausgewählten Kommunen bundesweite Standards und Qualifizierungsrichtlinien für die digitale Seniorenarbeit erarbeitet wurden. Angesichts der rasanten Digitalisierung von Alltagsdiensten, Pflege und Gesundheitsversorgung versteht die Kommune die Sicherung digitaler Kompetenzen als Kernaufgabe der Altenhilfe und als festen Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. „Unser Konzept für den vernetzten Aufbau digitaler Lernorte, die gute Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Digital-Lotsinnen und -Lotsen, der Katholischen und Evangelischen Erwachsenenbildung, der Fachstelle Senioren und dem Projekt Smart City sowie zahlreichen weiteren Netzwerkpartnern hat überzeugt“, betonten die Verantwortlichen der Stadt Osnabrück. Die Auswahl sei eine wichtige Anerkennung für das Engagement der vielen Freiwilligen, die ein zentrales Zukunftsthema vor Ort aktiv gestalten.

Das „Netzwerk Digital-Treffs“ basiert auf einer 2022 von der Fachstelle Senioren erarbeiteten Strategie, die von September 2023 bis Juli 2026 in Kooperation mit dem Projekt Smart City unterstützt wird.

Neben diesen regelmäßigen Terminen engagiert sich das Netzwerk intensiv im Rahmen der 52. Osnabrücker Erlebniswochen 60+, die vom 04. September bis zum 11. Oktober 2026 ein umfangreiches Kursprogramm bieten. Vom 9. September bis 11. Oktober können Interessierte von der Optimierung ihres WhatsApp-Kontos über die Erkennung von Fake News und der Sicherung der eigenen Daten bis hin zum sicheren Umgang mit der VOSpilot-App ein umfangreiches Angebot. Bei einigen Einzelveranstaltungen müssen sich Interessierte vorab anmelden. Alle Interessierten werden gebeten, ihre eigenen Smartphones oder Tablets zu den Veranstaltungen mitzubringen.

Das vollständige Programm kann im Senioren- und Pflegestützpunkt (SPN) in der Bierstraße 32a, in der Tourist Information in der Bierstraße 22 oder auf der Homepage der Stadt Osnabrück eingesehen werden.

Das Osnabrücker Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie demografischer Wandel und digitale Teilhabe auf kommunaler Ebene erfolgreich zusammengeführt werden können. Durch das Engagement von rund 30 unterstützenden Netzwerkpartnern und lokalen Förderern gelingt es der Stadt, bestehende Hürden abzubauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auch im digitalen Zeitalter nachhaltig zu sichern.

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