Trauer um getötete Mitarbeiter*innen
Am letzten Montag versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Bedienstete des öffentlichen Dienstes und der freien Träger, die im Kinder-, Jugend- und Familienbereich tätig sind, auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus in Osnabrück zu einer Schweigeminute. Anlass war das Gedenken an die sechs Opfer des schweren Gewaltverbrechens in Stade, das sich genau eine Woche zuvor ereignet hatte. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter fand im Rahmen einer Ansprache bewegende Worte des Mitgefühls und der Solidarität.
Der Impuls für die Kundgebung ging aus der Belegschaft des Osnabrücker Fachbereichs für Kinder, Jugendliche und Familien hervor, denen es ein wichtiges Anliegen war, ein klares Zeichen der Solidarität innerhalb der Jugendhilfe zu setzen. Unter den sechs Getöteten befanden sich drei Angestellte eines Jugendamtes aus der Region Hannover sowie drei Mitarbeiter freier Träger – sie alle waren als Fachkräfte der Jugendhilfe im Kinderschutz im Einsatz. Die späteren Opfer suchten eine Einrichtung in Stade für einen behördlichen Routine-Termin auf, als ein Bürger eine mitgeführte Waffe gegen sie einsetzte.
„Es sind Menschen getötet worden, die bei ihrer täglichen Arbeit für den Schutz von Kindern im Einsatz waren“, betonte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter in ihrer Rede vor den Anwesenden. Sie verwies darauf, dass die Tat die gesamte Region betreffe, da auch in der Osnabrücker Stadt- und Kreisverwaltung tagtäglich Kolleginnen und Kollegen in identischen Positionen für das Kindeswohl arbeiten. Neben Vertretern der Stadt und des Landkreises Osnabrück nahmen auch zahlreiche Mitarbeitende freier Träger an dem gemeinsamen Gedenken teil. Zudem wohnte der Erste Stadtrat Wolfgang Beckermann der Veranstaltung bei.
Sicherheitskonzepte auf dem Prüfstand
Die Tat löste in den Verwaltungen eine Debatte über den Schutz von Mitarbeitern im Außendienst und in den Behörden aus. Pötter erklärte hierzu, dass das Ereignis konkrete Fragen zur eigenen Sicherheit aufwirft. Die Stadtverwaltung kündigte an, die bestehenden Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte intensiv zu überprüfen und bei Bedarf nachzubessern. Obwohl das Idealbild offener und einladender Behördenhäuser gewahrt bleiben solle, müsse dieses im Zweifelsfall hinter dem Schutz der Beschäftigten zurücktreten. Eine absolute Sicherheit, so räumte die Oberbürgermeisterin ein, könne es im öffentlichen Dienst jedoch niemals geben.
Hintergrund des Geschehens
Bereits in der vorausgegangenen Woche hielt der Rat der Stadt Osnabrück vor Beginn seiner regulären Sitzung eine Schweigeminute ab, um ein politisches Zeichen der Verbundenheit und Solidarität zu senden. Die Tat in Stade reiht sich ein in eine vom Stadtoberhaupt konstatierte gesellschaftliche Entwicklung, in der die verbale und körperliche Aggressivität gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes spürbar zunehme, wenn Entscheidungen von Bürgern nicht akzeptiert würden. Das Mitgefühl der Stadtverwaltung und der Teilnehmenden galt an diesem Tag insbesondere den Familien, Freunden sowie den Kolleginnen und Kollegen der Opfer, die einen schweren Verlust erlitten haben. Weitere Bilder von Toni Theilmeier sind auf seinem Block zu finden.












