Vielschichtigen Programm im Zeichen von Humanität und Zuversicht
Das Osnabrücker Symphonieorchester eröffnete die neue Konzertsaison am Montagabend mit dem 1. Sinfoniekonzert unter dem Titel „musica pro pace 2026″. Mit einem vielschichtigen Programm im Zeichen von Humanität und Zuversicht startete das Osnabrücker Symphonieorchester am 5. Oktober in die neue Spielzeit.
Vor großem Publikum in der OsnabrückHalle widmete sich der Abend im Rahmen der Traditionsihe „musica pro pace“ – es handelte sich bereits um die 34. Ausgabe der Reihe sowie den 15. Auftritt des Orchesters in diesem Rahmen – musikalischen Werken, die sich mit existenziellen gesellschaftlichen und historischen Herausforderungen auseinandersetzten. Die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein entfachten dabei ein eindringliches Klangpanorama, das von der Klassik bis in die unmittelbare Gegenwart reichte.
Den Auftakt des Abends bildete Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu „Fidelio“ (op. 72), die mit ihren energischen Motiven als dramatischer Aufruf zu Mut und Freiheit funktionierte. Darauf folgte ein besonderer Höhepunkt des Konzerts: die Uraufführung des neuen Klavierkonzerts des 1989 im dänischen Roskilde geborenen Komponisten Matias Vestergård Hansen. Das Werk, eine Gemeinschaftsauftragskomposition zweier dänischer Orchester und des Osnabrücker Symphonieorchesters, verlangte dem Ensemble wie auch dem dänischen Solisten Gustav Piekut höchste präzise Spieltechnik ab. Vestergård, der nach eigener aussage im Vorfeld die musikalischen Ideen für das Konzert seit rund zehn Jahren im Kopf trug, verarbeitete darin unter anderem ein Spiel mit den Fäusten auf den Tasten, Einflüsse einer urbanen Club-Szenen-Ästhetik sowie eine Rhythmik, die von gemeinsamen Achterbahnfahrten der beiden Künstler inspiriert war. Zudem kamen rund 34 Schlaginstrumente sowie außergewöhnliche Requisiten wie eine Schreibmaschine und drei Autofedern zum Einsatz.
Im weiteren Verlauf schlug das Ensemble leisere, doch umso tiefgründigere Töne an. Mit Lukas Foss’ Werk „Elegy for Anne Frank“ rückte das Gedenken an das Schicksal der jungen Tagebuchschreiberin in den Mittelpunkt. Sprecherin Susanna Edelmann, die am Theater Osnabrück auch die Partie der Anne Frank in Anno Schreiers Opern-Uraufführung „Peter van Pels“ verkörpert, lieh der Komposition ihre Stimme und verlieh den historischen Bezügen besondere Eindringlichkeit. Das Stück bildete zudem die inhaltliche und konzeptionelle Brücke zu der Inszenierung am Theater am Domhof. Zum Abschluss erklang Arthur Honeggers 3. Sinfonie („Symphonie liturgique“, H. 186), die der Komponist unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkriegs verfasst hatte und die – von Prof. Dr. Stefan Hahnheide fachlich eingeordnet – mit der Motifsymbolik der Solo-Querflöte als Friedenstaube als kraftvoller Appell nachhallte.
Das Format reihte sich nahtlos in die Tradition der Friedensstadt Osnabrück ein, in der kulturelle Institutionen regelmäßig historische Verantwortung mit künstlerischem Schaffen verknüpfen. Die Kooperation zwischen dem Theater Osnabrück und den Osnabrücker Friedensgesprächen unterstrich den Anspruch, klassische Musik als aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs über Humanität und Frieden zu nutzen. Das zweite Sinfoniekonzert findet am ersten und zweiten November in der OsnabrückHalle statt.












