Neues Regelwerk für das Freiraumsystem: Stadt würdigt „Grüne-Finger-Charta“

Fundament einer resilienten Stadtentwicklung

„Die Stadt Osnabrück bekennt sich zum Schutz und zur Weiterentwicklung der ‚Grünen Finger‘. Dieses prägnante Freiraumsystem ist das Fundament einer resilienten Stadtentwicklung.“ So steht es im Leitgedanken der Charta, die am Donnerstag, den 13. August, im Friedenssaal vom historischen Rathaus gefeiert wurde. Vor rund 50 Gästen präsentierte die Verwaltung das vom Rat beschlossene Regelwerk, das als Selbstverpflichtung dient, um die Klimaresilienz der Stadt langfristig zu sichern.

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter betonte in ihrer Begrüßung den Paradigmenwechsel in der Stadtplanung. Die Stadt werde künftig vom Freiraum her gedacht. Neue Bebauung solle vorrangig dort entstehen, wo bereits Planungsrecht bestand oder Flächen bereits versiegelt waren. Die zusammenhängenden Freiflächen stellten das Rückgrat für ein zukunftsfähiges Osnabrück dar.


Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis

Im Anschluss an die inhaltliche Einführung durch Miriam Bücker von der städtischen Stabsstelle Klimaanpassung und Freiraum folgte ein moderierter Dialog. Der niederländische Landschaftsarchitekt Bart Brands (Planungsbüro Karres Brands) und die Verhaltensbiologin Mag. Dr. Elisabeth Oberzaucher (Universität Wien) beleuchteten die praktische Umsetzung. Brands veranschaulichte die klimatische Bedeutung der Grünzüge an einem persönlichen Erlebnis: Er bezeichnete das System als „Klimaanlage der Stadt Osnabrück“ und forderte, die abstrakten Strukturen sichtbar und bedeutungsvoll zu machen. Oberzaucher ergänzte, dass die Bürgerinnen und Bürger den Wert der Natur und des unverbauten Wassers im Alltag spüren müssten. Sie appellierte an die gesamte Stadtgesellschaft, sich bei der Umsetzung der Maßnahmen zu engagieren.


Ein politischer Meilenstein

Für den Grünen-Politiker Volker Bajus bedeutet die Verabschiedung der Charta vor allem einen Tag der Freude und einen persönlichen wie politischen Meilenstein. Nach eigenen Angaben blickt er auf 30 Jahre in der Kommunalpolitik zurück, in denen der Einsatz für das Freiraumsystem von einem kontinuierlichen Kampf um einzelne Flächen geprägt war. Mit dem neuen Regelwerk und dem dazugehörigen Stadtentwicklungsprogramm liege nun erstmals ein bindendes Instrument vor, das klare Kriterien festlege und damit langwierige Detaildebatten in den Gremien überflüssig mache.

Bajus hob hervor, dass das Papier eine konkrete Bindungswirkung für die Politik, die Verwaltung und auch für Investoren entfalte, die nicht einfach übergangen werden könne. So sei es gelungen, bedeutende Flächen dauerhaft der Nutzung und dem Bebauungsdruck zu entziehen. Zwar sei der Erfolg das Resultat eines breiten Bündnisses und nicht sein alleiniger Verdienst, politisch gesehen könne er nun jedoch ernten, was über viele Jahre hinweg gesät worden sei.

Susanne Hambürger dos Reis (SPD) sah in den Freiflächen vor allem den direkten Nutzen für die Bevölkerung. Die Grünen Finger stünden für „Naherholung für die Menschen, grüne Lungen und Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger“. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Wunderhorn Quartett, bestehend aus Katharina Betten, Diana Hunger, Olivia Alam und Ulrich Petermann.

Das Wunderhorn-Quartett um Katharina Betten, Diana Hunger, Olivia Alam und Ulrich Petermann © Toni Theilmeier


Hintergrund: Ein Jahrhundert Freiraumplanung

Die Ursprünge der Osnabrücker Grünen Finger reichen ein Jahrhundert zurück. Der damalige Stadtbaurat Senator Friedrich Lehmann konzipierte 1926 die keilförmigen Garten- und Landwirtschaftsflächen. Diese flossen 1927 in den ersten Generalbebauungsplan ein. Das System umfasste 13 radial angeordnete Freiraumstrukturen, die tief in die städtische Bebauung hineinreichten. Die nun verabschiedete Charta baute auf den Ergebnissen eines mehrjährigen Forschungsprojekts der Hochschule Osnabrück auf und schrieb die Grundprinzipien für die zukünftige Sicherung fest. Weitere Bilder sind im Blog von Toni Theilmeier zu sehen.

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