Ehrung für jahrzehntelanges demokratisches Engagement
Für sein jahrzehntelanges kulturelles und gesellschaftliches Engagement ist der Osnabrücker Künstler und Kunstpädagoge Manfred Blieffert am Mittwochnachmittag mit dem Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet worden. In einer feierlichen Stunde im gut gefüllten historischen Friedenssaal des Rathauses händigte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter die Auszeichnung im Namen des Landes Niedersachsen aus.
Der Verdienstorden würdigt einen Mann, der die Kunstszene der Friedensstadt maßgeblich geprägt hat und dabei stets die Grenzen seines Ateliers verließ, um direkt mit den Menschen in Kontakt zu treten. Katharina Pötter betonte in ihrer Ansprache, dass Blieffert die lokale Kulturlandschaft durch seine Kreativität und seine Fähigkeit zur Vernetzung aktiv geformt habe. Besonders sein Mut, komplexe gesellschaftliche Themen über den Weg der kulturellen Bildung zu vermitteln, stehe im Zentrum seines Wirkens. In seiner Dankesrede bedankte sich Manfred Blieffert bei Reinhart Richter, der ihn für diese Ehrung vorgeschlagen hatte. Anschließend unterstrich Blieffert die Untrennbarkeit seiner verschiedenen Rollen: „Meine Arbeit an der Musik- und Kunstschule, meine Freischaft in der Arbeit als pädagogischer Künstler und meine pädagogische Arbeit, das ist eigentlich eins.“ Dies könne man laut Blieffert nicht voneinander trennen.
Ein wesentlicher Teil seines Lebenswerks ist mit seiner pädagogischen Arbeit an der Musik- und Kunstschule verbunden, wo er Generationen von Schülern unter dem Spitznamen „Bleifrei“ prägte. Sein Ansatz verfolgt das Ziel, Kunst als Werkzeug für die Gesellschaft zu nutzen, wobei er sich insbesondere auf ökologische Nachhaltigkeit, Friedenssicherung und die Stärkung demokratischer Strukturen konzentriert. Ein besonderes Anliegen ist ihm hierbei die Unterstützung von Kindern, die unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen. Für ihn ist die Sichtbarkeit dieser Arbeit im öffentlichen Raum entscheidend: „Ich habe aber die Öffentlichkeit gesucht und die Instruktionen den Kindern und Jugendlichen immer nach außen getragen, um den Kindern auch Selbstwirksamkeit und Persönlichkeitsbildung zu vermitteln“.
Besonders am Herzen liegt ihm die Erinnerungskultur. Blieffert initiierte zahlreiche Projekte rund um Felix Nussbaum, lange bevor das Nussbaum-Haus entstand. Er zeichnete mit Jugendlichen an historischen Orten wie der alten Synagoge oder organisierte Exkursionen in die Gedenkstätte Buchenwald, um den Totalitarismus begreifbar zu machen.
In der jüngeren Vergangenheit sorgte er unter anderem in der Kulturnacht 2023 mit seinem Plakatprojekt „Wir sind Riesen, nur wissen wir es nicht“ für Aufsehen, das Menschen dazu einlud, ihre eigene Größe und Seele neu zu entdecken.
Zudem zeigte Blieffert 2023 in Zusammenarbeit mit dem ILEX-Kreis die Ausstellung „Parolen aus dem Koffer: Spuren des Widerstands in Osnabrück“. Diese war bis 2025 unter anderem in der Gedenkstätte Augustaschacht, im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum sowie in der Bramscher Kirche St. Martin zu sehen. Die Ausstellung thematisierte die unterschiedlichen Formen des Widerstands gegen das NS-Regime von 1933 bis 45. Für die Zukunft plant Blieffert – ebenso in Kooperation mit dem Osnabrücker ILEX-Kreis – eine Ausstellung zu NS-Tätern.
Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand blieb Blieffert somit als freischaffender Künstler und im Ehrenamt hochaktiv, etwa als Vorsitzender des Vereins Dreidimensional oder in der Felix-Nussbaum-Gesellschaft. Sein Schaffen ist tief in der Erinnerungskultur verwurzelt, was sich in Projekten zur NS-Zeit und seinem Kinderbuch über Felix Nussbaum widerspiegelt. In seinen Dankesworten machte er deutlich, dass sein Wirkungsfeld über Institutionen weit hinausgeht und die gesamte Stadt als Raum für Begegnung begreift: „Im Grunde kann ich sagen, die Stadt ist meine Galerie. Ich drucke für alle Osnabrückerinnen und Osnabrücker“. Mit Projekten wie seinem mobilen Druckfahrrad setzt er dieses Credo bis heute fort und verwandelt den öffentlichen Raum in eine soziale Wirkungsstätte.
Die Verleihung wurde musikalisch umrahmt von Ismail Türker, der unter anderem drei bekannte Gedichte von Bertolt Brecht auf der Satz vortrug: ‚Das Leben‘, ‚Die Grabschrift‘ und ‚Das Glück‘. Weitere Bilder von der Verleihung finden sie im LINK zum Blog von Toni Theilmeier.












