Tiefsinnige Einblicke in die Mechanismen von Ruhm, Kunst und Identität
Tiefsinnige Einblicke in die Mechanismen von Ruhm, Kunst und Identität gab es am vergangenen Donnerstagabend im Vermittlungsraum der Kunsthalle. Der renommierte Autor Andreas Schäfer las dort vor einem gebannten Publikum aus seinem sechsten und aktuellen Roman „Letzter Akt“. Das Literaturbüro Westniedersachsen hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Durch den Abend führte Dr. Jens Peters vom Literaturbüro Westniedersachsen. Er befragte den Autor zwischen den drei gelesenen Passagen eingehend zum Entstehungsprozess sowie den inhaltlichen Kernthemen des Werkes. Im Zentrum der Geschichte stehen die erfolgreiche Schauspielerin Dora und der Maler Victor, deren Beziehung durch das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wahrnehmung und privater Identität auf die Probe gestellt wird.
Auf die Frage nach den Beweggründen für diesen Doppelkünstlerroman verwies Schäfer auf ein persönliches Schlüsselerlebnis. Eine Ausstellung des Malers Lucian Freud in Wien habe ihn vor Jahren tief beeindruckt und zugleich durch die dargestellte Bloßstellung irritiert. Diese Ambivalenz im Kunsterleben habe den Anstoß gegeben, die Instrumentalisierung und die Schattenseiten des Kunstbetriebs literarisch zu verarbeiten. Seine eigenen beruflichen Erfahrungen als ehemaliger Theaterkritiker sowie die Expertise eines befreundeten Malers nutzte Schäfer, um die Atmosphären beider Kunstsparten authentisch einzufangen.
Der Moderator lenkte das Gespräch auch auf die Erzählperspektive und die Frage nach den Grenzen der Sprache. Schäfer erklärte, warum der Roman konsequent aus Doras Sicht geschildert wird. Die Figur schwanke zwischen der Sehnsucht, erkannt zu werden, und der Angst vor dem Durchschautwerden. Die spürbare Dynamik zwischen Podium und Publikum spiegelte sich in der intensiven Atmosphäre des Raumes wider. Der Applaus am Ende der Veranstaltung unterstrich den gelungenen Charakter des Abends und das große Interesse an Schäfers neuem Werk.
Der Autor im Profil: Vielseitiges Schaffen und literarische Erfolge
Andreas Schäfer wurde 1969 in Hamburg geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf. Heute lebt der freie Schriftsteller mit seiner Familie in Berlin. Neben seinen Romanen verfasst er Essays, Libretti sowie Radiofeatures und war viele Jahre als Theaterkritiker tätig.
Sein literarisches Debüt „Auf dem Weg nach Messara“ erschien 2002 und wurde mit dem Bremer Literaturförderpreis ausgezeichnet. Es folgten die Romane „Wir vier“ (2010), der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, „Gesichter“ (2013), der Bestseller „Das Gartenzimmer“ (2020) sowie „Die Schuhe meines Vaters“ (2022). Mit „Letzter Akt“ legt Schäfer seinen sechsten Roman vor.
Vorschau für zu weiteren Veranstaltungen vom Literaturbüro
Das Kulturprogramm in der Region bietet in den kommenden Wochen weitere literarische Höhepunkte. Am Dienstag, den 30. September, liest Raul Aguayo-Krauthausen aus seinem Buch „Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden“. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr in der Lagerhalle Osnabrück. Am Sonntag, den 4. Oktober, folgt die Lesung „Die unsterbliche Geliebte“ um 17:00 Uhr im Haus der Jugend.
Zudem wirft ein weiteres regionales Großprojekt seine Schatten voraus. Am Freitag, den 27. November, startet die neue Saison der LiteraTour Nord. Im Renaissancesaal vom Ledenhof wird die Veranstaltungsreihe um 19:00 Uhr eröffnet.













