Von Bach bis zu Rachmaninoff und Tschaikowsky
Im Rahmen der zehnten Veranstaltung des diesjährigen Euregio Musikfests präsentierten der Cellist Yung-Han Cheng und der Pianist Tao Hwang am Sonntag im Lichthof der Stroetmanns Fabrik in Emsdetten ein hochkarätiges Programm. Die beiden international ausgebildeten Musiker überzeugten das Publikum mit einem Repertoire, das von den barocken Wurzeln Johann Sebastian Bachs bis hin zu spätromantischen Werken von Rachmaninoff und Tschaikowsky reichte.
Das Konzert begann mit einer beeindruckenden Darbietung für Klavier solo. Tao Hwang interpretierte die berühmte Chaconne in d-Moll von Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni. Hierbei gelang es dem Pianisten, die monumentale Struktur des Werkes präzise herauszuarbeiten und die klangliche Tiefe der Busoni-Transkription voll auszuschöpfen. Im direkten Anschluss übernahm Yung-Han Cheng das Podium für die Suite Nr. 3 C-Dur für Violoncello solo (BWV 1009). Cheng durchlief die sechs Sätze – vom einleitenden Prélude über Allemande, Courante, Sarabande und die Bourrées bis hin zur abschließenden Gigue – mit einer technischen Souveränität, die besonders in den rasanten Presto- und Allegro-Passagen deutlich wurde.
Nach einer Pause widmeten sich die beiden Künstler dem gemeinsamen Kammerspiel. Den Auftakt des zweiten Teils bildete Frédéric Chopins Sonate für Klavier und Cello g-Moll, op. 65. In den vier Sätzen der Sonate bewiesen Cheng und Hwang ein hohes Maß an interpretatorischer Abstimmung.Besonders im Largo in B-Dur entfaltete sich ein feinsinniger Dialog zwischen den Instrumenten, bevor das Werk im Finale kraftvoll in G-Dur endete. Die Auswahl der Stücke unterstrich die Vielseitigkeit beider Musiker, die ihre Ausbildung an renommierten europäischen Instituten wie der Hochschule für Musik und Tanz Köln sowie dem Conservatoire de Paris absolviert haben.
Den Abschluss des Konzerts bildeten drei lyrische Einzelwerke der Spätromantik, die den Fokus auf die gesangliche Qualität des Cellos legten. Sergej Rachmaninoffs „Vocalise“ wurde ebenso wie Camille Saint-Saëns’ berühmte Komposition „Der Schwan“ mit großer Sensibilität vorgetragen. Den Schlusspunkt setzte das Nocturne von Peter Tschaikowsky. Das Zusammenspiel der beiden Musiker, die bereits Erfahrungen in hochkarätigen Ensembles wie der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und der Deutschen Radio Philharmonie sammelten, zeichnete sich durch eine präzise Dynamik und ein tiefes Verständnis für die jeweilige Epoche aus.
Hintergrund: Das EUREGIO Musikfest
Das EUREGIO Musikfest feierte mit seiner 29. Ausgabe ein Jubiläum der grenzüberschreitenden Kulturpflege. Die Konzertreihe hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Solisten und Ensembles in die Region zu bringen und dabei sowohl etablierte Meisterwerke als auch zeitgenössische Interpretationen zu fördern. Die Verknüpfung von historischer Spielstätte wie Stroetmanns Fabrik mit jungen Talenten wie Cheng und Hwang steht dabei stellvertretend für das Konzept des Festivals, Musik als lebendiges Bindeglied zwischen Tradition und Moderne zu präsentieren.











