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Donnerstag, 8. Januar 2026

Der „wilde Westen“ lebt! Trumps neue Weltordnung zeigt sich in Venezuela

Ein Vorgeschmack auf die „Neue Weltordnung“

„Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Das ist die Maxime des amerikanischen Präsidenten, nach der er mit der Militäraktion gegen Venezuela und dem Kidnappig des Präsidenten Nicccolas Maduro und seiner Ehefrau (was hat die nur verbrochen?) das neue Jahr eröffnet. Wir gewinnen Einblicke in die „Neue Weltordnung“, die er in seiner „Nationale Sicherheitsstrategie“ (NSS) im Dezember 2025 publik machte.

Trump beruft sich bei seinem Venezuela-Coup auf die zweihundert Jahre alte „Monroe-Doktrin“, benannt nach dem damaligen US-Präsidenten. Der erklärte 1823 Mittel- und Südamerika zur Einflusssphäre der USA (fortan auch deren „Hinterhof“ genannt). Jeder Versuch, von „außen“ (damals bezog sich das primär auf die europäischen Kolonialmächte) oder durch die Staaten der Region, von innen gegen USA-Interessen in dieser Region zu verstoßen, sind feindliche Akte gegen die USA. Die Liste daraus folgender amerikanischer Interventionen in offen militärischer oder in geheimdienstlich verdeckter Form im „Hinterhof“ ist zu lang, um hier gewürdigt zu werden.

Die NSS formuliert diese Doktrin, die nie zurückgenommen wurde, in Anlehnung an Trumps Vornamen als „Donroe-Doktrin“ so: „Nach Jahren der Nichtbeachtung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin bekräftigen und durchsetzen, um die amerikanische Vorrangstellung in der westlichen Hemisphäre wieder herzustellen.“

Undiplomatisch übersetzt heißt das lediglich, die Souveränität der Staaten der westlichen Hemisphäre wird beschränkt, denn wer die Interessen der USA nicht achtet, kriegt es äußerstenfalls auch mit der amerikanischen Militärmacht zu tun. So geriet Venezuelas Präsident Nicolas Maduro als (selbst ernannter) Sozialist zwangsläufig ins Fadenkreuz Trumps. Er wurde ohne veröffentlichte Beweise des staatlich organisierten Drogenschmuggels und der Enteignung der amerikanischen Ölindustrie in Venezuela bezichtigt.

Die Beförderung Maduros zum „Chef eines Drogenkartells“ war die wenig überzeugende Neuerung, denn in diesem Metier waren weder Venezuela im Allgemeinen noch Madura im Besonderen bislang in Erscheinung getreten. Läge Trump wirklich die Unterbrechung des Drogentransports in die USA am Herzen, wären Kolumbien und Mexiko geeignetere Kandidaten gewesen. Aber das kann sich noch ändern. Entsprechende Drohungen Trumps, auch die Tage des kolumbianischen Staatschefs und „Kokainproduzenten“ Gustavo Petro seien gezählt, signalisieren, dass wir hier eine umfassendere Neuordnung der „westlichen Hemisphäre“ erleben.


Die Entmachtung eines üblen Autokraten und das Völkerrecht

Es ist nicht so, dass Maduros autokratisches Regime politisch zu verteidigen wäre. Die UNO hat seine Menschenrechtsverletzungen registriert. Von Demokratie kann nicht die Rede sein und an der Rechtmäßigkeit seiner Wiederwahl gibt es erhebliche Zweifel. Aber auch wenn er irregulär in seinem Amt sitzt (was auf der Erde kein Alleinstellungsmerkmal wäre), gibt das keiner auswärtige Macht das Recht, sich einer Staatsführung mit Gewalt zu bemächtigten und getarnt als „Strafverfolgung“ mittels eines Militäreinsatzes ins eigene Land zu entführen, um sie dort vor ein Gericht zu stellen. Dieser Fall, dessen Zuschauer wir gerade sind, wird nicht dadurch relativiert, dass er nicht neu ist. Die USA ist mit Panamas Präsident Noriega noch im Januar 1990 eben so verfahren.

Die USA berufen sich auch nicht auf internationales Recht. Da sie den dafür zuständigen „Internationalen Strafgerichtshof“ nicht anerkennen, ist der vier Monate in Kentucky geprobte „Strafvollzug“ durch das US-Militär faktisch nichts anderes als „Kidnapping“. Begleitet und vorbereitet wurde dieser Coup schon vor Wochen mit völkerrechtswidrigen Militäreinsätzen gegen die zivile Schifffahrt Venezuelas, deren Bombardierung mit geschätzt über hundert Toten ohne öffentlich vorgelegte Beweise damit begründet wurde, Rauschgifttransporte in die USA zu unterbinden.

Aber die Drogentransporte scheinen nicht das leitende Motiv zu sein. Was Trump interessiert, sind die Rohstoffe und hier vor allem Venezuelas Erdölreserven – die größten der Welt. Hinzu kommt die Rücknahme der Nationalisierung der Ölindustrie von Beginn des Jahrhunderts. Trumps Devise lautet hier: „Wir holen uns zurück, was sie uns gestohlen haben“.

Das aber war, als alleiniger Grund für die Militäraktion, sogar für den Geschäftsmann Trump eine zu schmale Begründung und zu sehr aufs rein Geschäftliche reduziert. Da machen sich Drogen und der Schutz der Gesundheit amerikanischer Bürger davor schon etwas besser. Die Menschenrechte als Interventionsgrund entfallen wie auch die Rückkehr zur Demokratie an Stelle des autokratischen Regimes. Im Gegenteil wird das Land vorerst ganz und gar dem Neuordnungsinteresse der USA unterstellt. Von Neuwahlen ist nicht die Rede. Das scheint auch bei den jubelnden Exil-Venezulanern nicht oberste Priorität zu genießen.

Vorrangig ist die „Wiederherstellung“ der Ordnung. Als Vollstreckerin amerikanischer Vorstellungen ist dafür nicht die frisch gekürte Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado auserkoren worden, obwohl sie nichts unterließ, sich bei Trump einzuschleimen. Aber die Dame aus sehr reichem Hause erscheint dem Milliardär im Weißen Haus als „zu unbeliebt“ in der Bevölkerung, womit er ausnahmsweise einmal recht haben dürfte.
Stattdessen fiel die Wahl auf die amtierende Vizepräsidentin Delcy Rodriguez, die damit als Teil des alten Machtapparates nun für eine Neuordnung sorgen soll.

Diesen Part scheint sie nach anfänglichem Pochen auf nationale Selbstbestimmung (Freilassung Maduros und Wiederherstellung der vollen Souveränität Venezuelas waren ihre zentralen Forderungen) nun wohl doch im Sinne des neuen Kolonialherrn USA zu erfüllen. US-Außenminister Rubio ließ jedenfalls keinen Zweifel daran, dass „Kooperation“ hier heißt, den Willen der USA um- und durchzusetzen.

Die zentrale Botschaft der gesamten Aktion Trumps lautet: Seht her, wir statuieren hier ein Exempel für alle und zeigen, wozu wir bereit sind, wenn jemand gegen unsere Interessen handelt. „Wir tun es, weil wir es können!“ Regeln wie das Völkerrecht gehören einer anderen, zu überwindenden Welt an.


Die Reaktionen – ein Lehrbeispiel der Unterwerfungen

Was nach allen Regeln des Völkerrechts und der bestehenden internationalen Ordnung eigentlich die schärfste Verurteilung verlangt, erfreut sich auf dem internationalen politischen Parkett einer breiten Front von Sprachlosigkeit, Ohnmacht und vor allem peinlichsten Opportunismus, der sich noch böse rächen könnte.

Weltweit protestierten gegen Trumps Intervention vor allem die engsten Verbündeten Venezuelas. Neben Kuba und Iran, die zu den USA keine freundschaftlichen Beziehungen haben, geht Russlands Protest wahrscheinlich mit in die Ukraine-Verhandlungen ein. Am interessantesten ist Chinas klare Kritik, die, ganz im Sinne des Völkerrechts, die gewaltförmige Verletzung der nationalen Souveränität anklagt.

Merkwürdig fällt dagegen die Reaktion in den USA aus. Zwar befürworten laut einer Meinungsumfrage „nur“ 33 Prozent der Amerikaner Trumps Intervention in Venezuela, aber Korrespondenten in den USA berichten übereinstimmend, dass es in den USA keine öffentlichen Proteste gegen diesen eklatanten Völkerrechtsbruch gibt, der rechtlich durchaus vergleichbar mit dem Einmarsch Putins in die Ukraine ist – nur perfekter durchgeführt. So ähnlich hatte sich Putin die „Enthauptung“ des „Nazi-Regimes“ in Kiew auch vorgestellt.

Die US-Demokraten kritisieren stattdessen das „Wie“, insbesondere die Umgehung des Kongresses bezüglich der „Kriegshandlungen“. Aber eine Berufung auf Artikel 51 der UN-Charta wäre gar nicht möglich gewesen, denn es lagen keine Indizien für einen militärischen Angriff seitens Venezuelas auf die USA vor. Tatsache ist dagegen, dass ein als „Strafvollzug“ deklarierter militärischer Angriff auf einen souveränen Staat erfolgte und das ist eine zweifelsfreie Verletzung des Völkerrechts. Doch über das „Ob“, also die politische Legitimität des offenen Bruchs des Völkerrechts durch die Intervention gibt es (bislang) keine kontroverse Debatte.

Spannend ist somit eigentlich nur noch, ob Trumps Wählerschaft seinen unerwarteten Hang zum Interventionismus goutiert. Mit der Floskel „America first“ wurde eigentlich eine Abkehr von der allzu kostspieligen „Weltpolizistenrolle“ suggeriert. Sicher, es geht nun nicht mehr um die Verteidigung einer internationalen Ordnung alten Stils, wo Demokratie, Menschenrechte etc. herhalten mussten als Camouflage für alle möglichen anderen Interessen. Aber es ist nicht sicher, ob die „Make America Great Again“-Bewegung Interventionen und ihre Kosten gutheißen wird, auch wenn sie den unmittelbaren ökonomischen Interessen der USA dienen sollen.


Das Lavieren Europas und deutsche Reaktionen der Ohnmacht

Da der Heißhunger nach Eroberungen des amerikanischen Präsidenten sich auch auf Europa erstreckt, ist seine Verkündigung, in „zwei Monaten“ Amerikas vitales Sicherheitsinteresse an Grönland in Angriff zu nehmen, durchaus als Alarmsignal zu sehen und damit ist die europäische Reaktion auf Trumps Venezuela-Coup von besonderem Interesse. Aber in der Reaktion auf die Intervention in Venezuela findet man in Europa und der EU kein Läuten von Alarmglocken.

Folglich sucht man eine klare Be- und Verurteilung in Europa und von der EU vergebens. Hier betont man (entschuldigend?) das von der UNO anerkannte Menschenrechts- und Demokratiedefizit Venezuelas, Maduros Wahlbetrug und die Nichtanerkennung seines Regimes. In der rechtlichen wie politischen Beurteilung der Intervention der USA hält man sich mehr als bedeckt. Dank Ungarns Einspruch für Trump war eine einstimmige Erklärung der EU ohnehin nicht zu erwarten, aber sie war auch ohne Ungarn als eine klare und eindeutige Verurteilung der USA nicht in Sicht.

Zentral wirkte hier sicherlich die Rücksicht auf die laufenden „Friedensverhandlungen“ über die Ukraine, wo man auf die Unterstützung Trumps angewiesen ist. Aber der Preis für das Schweigen über die elementaren Völkerrechtsverletzungen gegenüber Venezuela ist enorm. Es bringt die völkerrechtliche Legitimation für die Unterstützung der Ukraine gegen Putin ins Wanken und verstärkt wieder einmal Europas weltweit üblen Ruf, mit zweierlei Maß zu messen.

An dieser Stelle zu schweigen, ist keine diplomatische Glanzleistung und Notwendigkeit. Es ist eine Einladung an andere, nach der eigenen europäischen Lesart vor allem an Russland und auch China, sich vom geltenden Völkerrecht zu verabschieden, wenn man durch Schweigen Trumps Diktum, „ich tue es, weil ich es kann“ zur normativen Kraft des Faktischen erhebt.

Zu dem peinlichen Lavieren der Europäer gesellt sich auch Deutschland. Zwar hat der sozialdemokratische Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil das amerikanische Vorgehen als „sehr bedenklich“ eingestuft und in der SPD wurde von ihren Außenpolitkern auch offene Kritik an Trump geäußert. Bedenkt man zudem, dass die NSS der USA eine verstärkte Einmischung der USA auch in innereuropäische Angelegenheiten zwecks Sicherung der „europäischen Zivilisation“ in Aussicht stellt, sollte das eigentlich Grund genug sein, im ureigensten Interesse den Anfängen erweiterter Einmischungen zu wehren.

Bundeskanzler Merz hat sich, unterstützt vom Außenminister Wadephul und dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Laschet von der CDU, um eine klare Stellungnahme mit dem Verweis auf eine „zu komplexe“ Rechtslage gedrückt. Natürlich geht es darum, die USA und damit Trump nicht so zu kritisieren, dass man ihn verärgern könnte. Auch hier spielt das Argument, man brauche ihn für die Ukraine, eine entscheidende Rolle.

Die Frage ist allerdings, was muss noch passieren, bis diese ständigen Unterwerfungen ein Ende nehmen? Wie will man noch das UN-System mitsamt dem Völkerrecht als Ordnungsmodell verteidigen, wenn man so etwas wie in Venezuela durchgehen lässt? Wo soll dann die Grenze sein? An deutlichsten ist übrigens die AfD. Deren außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion hält das Völkerrecht für ein beliebiges „Narrativ“, das momentan nur belege, dass es eigentlich doch nur um Macht und nicht um Recht ginge.

Grenzen eines gefährlichen Opportunismus hat auch der ukrainische Präsident Selenskyj in eine andere Richtung überschritten. Laut „Tagesschau-Liveblog“ vom 3. Januar 2026 hat er vor Journalisten in Kiew den Sturz und auch die Festnahme Maduros durch die USA als „wegweisend“ gelobt. Die „USA wüssten, wie man mit Diktatoren umgeht“ und er wüsste auch, was sie „als nächstes tun müssen“.

Putin wie Maduro aus dem Amt zu katapultieren ist vielleicht ein verständlicher ukrainischer Traum. Er verdrängt aber, dass bei der Wahl der Mittel der Zweck gewahrt bleiben muss. In der immer noch geltenden Begründung, dass der Ukrainekrieg nicht nur für die Sicherheit Europas, sondern auch für den Erhalt einer „regelbasierten Weltordnung“ geführt wird, ist für Coups wie in Venezuela definitiv kein Platz.

Die Zurückhaltung Europas wie auch in Teilen Deutschlandsgegenüber Trump, insbesondere in der CDU, wird sich nicht auszahlen. Europäische Interessen interessieren ihn so wenig wie „Regeln“. Und wer nun die „regelbasierte“ Ordnung taktisch relativiert, verliert gegenüber dem Rest der Welt immer weiter an Glaubwürdigkeit. Die aber braucht ein Europa, das sich langfristig ohne Amerika in einer künftigen Weltordnung noch behaupten will, um neue Partner und Verbündete zu gewinnen.

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