Freitag, 19. April 2024

Die Vorgeschichte Israels in Palästina – Teil 3

Dritter und letzter Teil der Serie
hier geht es zum 1. Teilhier zum 2. Teil

Palästina und der Weg zum Judenstaat –
die Strömungen im Zionismus

Mit der Balfour-Deklaration vom November 1917 entstand in Palästina eine neue Situation mit neuen zahlreichen Konflikten. In Palästina wird das Verhältnis zwischen Juden und Arabern zunehmend konfliktträchtiger. Die Landkäufe und die Einwanderungen werden von den Arabern immer mehr als Gefahr wahrgenommen. Die Verschiebung der Gewichte der Bevölkerungsanteile wird zum Machtkampf. Aufstände und gewaltsame Auseinandersetzungen mit wechselseitiger Radikalisierung werden bestimmen die weitere Entwicklung.

Auf Seiten der jüdischen Zionisten war strittig, wie die künftige Ordnung aussehen sollte, wie man das Ziel des Judenstaates erreichen könnte und unklar ist, wie man mit den Arabern in Palästina verfährt, die zunächst die deutliche Mehrheit im Lande stellen. Und zunehmend wird die Frage gestellt, ob man angesichts der britischen Politik speziell in Palästina, aber auch in Anbetracht der immer offensichtlicher werdenden Schwäche des britischen Empires noch auf die britische Karte setzen kann und soll. Oder sollte man sich besser an der aufsteigenden Weltmacht USA orientierten, wobei neben der weltpolitischen Machtverlagerung im transatlantischen Raum auch die Veränderungen innerhalb des Zionistischen Weltkongresses zugunsten der amerikanischen Juden an Relevanz gewinnt.

Beginnen wir mit der innerzionistischen Entwicklung in Palästina. Auch mit Blick auf aktuelle „postkoloniale“ Debatten, die Israel als „letzte Kolonialmacht“ des 20. Jahrhunderts werten, soll hier eine andere Einschätzung wiedergegeben werden. Die politische Theoretikerin Hannah Arendt, die als Jüdin verfolgt wurde, aus Deutschland emigrierte, den jüdischen Widerstand und die von Zionisten organisierte Hilfe für Flüchtende aktiv unterstützte, zog 1950 ein bitteres Fazit über das Projekt Staatsgründung Israel. Sie erinnerte daran, dass der „Ausgangspunkt der zionistischen Ideologie, die immerhin mindestens dreißig Jahre älter ist als die Balfour-Erklärung, war nicht die Auseinandersetzung mit den Realitäten in Palästina, sondern das Problem der jüdischen Heimatlosigkeit. Der Gedanke, daß ‚ein Volk ohne Land ein Land ohne Volk brauchte‘, nahm die Köpfe der zionistischen Führer derart in Beschlag, daß sie schlicht die einheimische Bevölkerung übersahen.“ (Arendt, 51)

Aber deshalb war der „Aufbau des jüdischen Nationalheims kein koloniales Unternehmen, bei dem Europäer kamen, um fremde Reichtümer auf Kosten und mit Hilfe der einheimischen Arbeitskräfte auszubeuten.“ Palästina war ein armes Land wie eh und je, aller Reichtum war das Produkt jüdischer Arbeiter gewesen und soweit auswärtiges Kapital ins Land floss, fungierte es dort eher als „Spende“ statt als Element profitorientierter Akkumulation. Die Gelder konnten von den Empfängern nach eigenem Ermessen verwendet werden. Sie dienten dem Erwerb und der Nationalisierung des Bodens, der Errichtung von Kollektivsiedlungen, Landwirtschafts- und Arbeitergenossenschaften, einem Sozial- und Gesundheitswesen sowie einem kostenlosen Erziehungs- und Bildungswesen für alle.

Was hier entstand, war eine soziale und ökonomische Experimentierwerkstatt mit sozialistischem Charakter. Und dies alles erfolgt „ohne Eroberung und ohne den Versuch, die Eingeborenen auszurotten.“ (Arendt 55) Der Boden, der käuflich erworben wurde von grundbesitzenden Arabern, durfte allerdings nicht an Nichtjuden weiter veräußert werden. Auf diese Weise erkauften sich die einwandernden Juden, die selbst die dafür erforderlichen Geldsummen gar nicht aufbringen konnten, vermittelt über die Jewisch Agency nicht nur ein unabdingbar notwendiges Produktionsmittel, sondern in der Summierung von Grund und Boden auch das Territorium ihres angestrebten Staates.

Davon profitierte eine stark von osteuropäischen Juden geprägte sozialistische Strömung, deren Ideal der Auf- und Neubau kollektiver ökonomischer Produktionsformen als Überwindung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war. Die jüdischen Heimstätten waren die embryonalen Keimzellen einer neuen sozialistischen Weltgesellschaft, in der Staaten aussterbende Größen waren. Aus diesem Milieu kamen die einzigen Gruppen, die sich „aktiv für eine jüdisch-arabische Freundschaft einsetzten und diese propagierten“. (Arendt, 65) Auf zwei Säulen fußte diese „antichauvinistische und nichtnationalistische Oppositionsrichtung im Zionismus“: dem Kibbutzim und der Hebräischen Universität. (Arendt, 63) Während ersteres den sozialistischen Teil repräsentiert, sollte die Universität das „universalistische Judentum“ gegen das partikuläre zur Geltung bringen. Und diese beiden Strömungen innerhalb des Zionismus wurden zu gegensätzlichen Parteiungen, die im Kern den Umgang mit den Arabern in Palästina zum Gegenstand hatten. Es war der sozialistische, universalistische Flügel, der für eine arabisch-jüdische Verständigung eintrat. Es ist ein Gegensatz, der bis heute nachwirkt und aktuell nur deutlich zeigt, dass diese einst mitprägende Richtung an politischen Einfluss stark verloren hat.

Es gab im Zionismus von Beginn an eine Vielfalt differenter Strömungen, die das gesamte politischen Spektrum abdeckten, die sich dennoch in zwei zentrale Richtungen unterscheiden lassen. Es gab religiöse, geteilt in orthodoxe wie liberal-säkulare, kulturelle, soziale, liberale und auch bürgerlich konservative und chauvinistische, nationalistische Gruppierungen. Sie hatten nur die eine Gemeinsamkeit, dass sie von der Notwendigkeit einer jüdischen Heimstätte überzeugt waren. Im Geiste Theodor Herzls war man überzeugt, dass nur in einem souveränen nationalen Staat das Überleben der Juden möglich sei. Weizmanns Vorstellung, dass „Palästina so jüdisch wie England englisch“ werden solle, standen von Beginn an andere Positionen gegenüber, die auf die Existenz der überwiegend arabischen Bevölkerung und dem Auskommen mit ihr verwiesen und statt auf formale Staatlichkeit auf eine kulturelle Erneuerung eines offenen Judentums setzten. Eine wichtigere Rolle spielten dagegen auch nationalistische Orientierungen, die das Ziel auch mit Gewalt anvisierten und sich vom Zionistenkongress schon 1935 trennten.

 

Die Konflikte in Palästina bis zur Staatsgründung

Als das britische Mandat in Kraft trat, lebten ca. 750.000 Menschen in Palästina, neunzig Prozent davon waren muslimische Araber. Obwohl im historischen Längsschnitt die Entwicklung in Palästina in den 1920er Jahren als eher ruhig, ohne allzu große Konflikte erscheint und das komplizierte Unternehmen des Zionismus für viele noch sehr verheißungsvoll aussah und in dieser Zeit viele Anhänger fand, begann alles in Unfrieden.

Gegen die britische Mandatsmacht erhob sich 1921 ein spontaner arabischer Widerstand, der provoziert wurde von einem neuen zionistischen Selbstbewusstsein, das sich in der Forderung ausdrückte, Palästina in Eretz Israel (Land Israel) umzubenennen. Die Furcht ging umher, die Briten wollten den Juden zu Lasten der Araber sogleich einen Staat verschaffen. Auf beiden Seiten bildeten sich Terrorgruppen, die sich mit offener Gewalt bekämpften. Fast hundert Tote kosteten die Befriedungsversuche der britischen Mandatsmacht. Um die Araber zu besänftigen, ergreifen sie Briten die Flucht nach vorn durch weitreichende Zugeständnisse gegenüber der arabischen Bevölkerungsmehrheit. Der damalige Kolonialminister Winston Churchill entwickelte in einem Weißbuch (das bedeutete eine politische Festlegung der Regierung) einerseits eine gegen Weizmann gerichtete Klarstellung, dass es nicht darum gehen könne, Palästina jüdisch werden zu lassen und dass außerdem die Einwanderung kontingentiert werde, gekoppelt an der Wirtschaftskraft des Landes.

Noch gravierender war eine folgenreiche Präzisierung des territorialen Begriffs Palästina gegenüber der Balfour-Erklärung. Die nordöstlich gelegenen Golanhöhen wurden an Frankreich abgetreten. Das geplante Mandatsgebiet wurde geteilt. Palästina wurde auf einen schmalen Streifen im Westen am Mittelmeer, der in der Mitte bis Jerusalem reicht, begrenzt. Der gesamte weitaus größere östliche Teil, das spätere Jordanien, wurde an einen Bruder des Emir Feisals übergeben. Die Araber lehnten diesen Vorschlag sofort ab, die Zionisten stimmten aus Furcht, die Unterstützung der Briten zu verlieren, zähneknirschend zu.

Auf dieser Basis, mit der keine Seite zufrieden war, wurde das Völkerbundmandat mit weitrechenden Befugnissen für die Briten erteilt. Sie konnten hier nun herrschen wie in einer Kolonie, denn der von ihnen eingesetzte Hochkommissar verfügte über nahezu uneingeschränkte Macht. Da war es schon erstaunlich, dass für die nächsten Jahre das Land befriedet werden konnte. Dieser Zustand hielt aber nur bis 1929.

Seitdem agierte die Jewisch Agency als eine Art „vorstaatlicher Staat“, zuständig für Landkauf, Einwanderung und Kulturaufbau. Das war nicht die Ursache, zeitlich aber eine Parallele zu einem nun beginnenden Wandel der Beziehungen zwischen Juden und Arabern im Lande. Nicht die Auswirkungen der gleichzeitigen Weltwirtschaftskrise waren ausschlaggebend, sondern ein Streit um religiöse Statusfragen, um Gebetsrechte an der „Klagemauer“. Der Streit eskaliert, führt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und den überwiegend muslimischen Arabern, aber auch mit arabischen Christen und mündet in einem Blutbad mit über hundert Toten und Verletzten auf beiden Seiten. Die britische Mandatsmacht zeigt sich überfordert, den inneren Frieden zu gewähren. Der Mufti von Jerusalem billigte die Gewaltakte der Araber und forcierte deren Fortsetzung. Von nun an ist das Verhältnis zwischen Zionisten und Arabern kaum noch reparabel.

Die nun eintretende Wende in den Beziehungen zwischen Zionisten und Arabern verschärfte sich in den 1930er Jahren kontinuierlich mit der verstärkt einsetzenden Einwanderung aus Mitteleuropa, insbesondere aus Deutschland nach der Machtergreifung der Nazis. Kamen im Jahre 1933 ca. 37.000 jüdische Einwanderer ins Land, folgen 1934 45.000 und 1935 waren es schon 66.000. In nur drei Jahren hatte sich die jüdische Bevölkerung fast verdoppelt. Die neuen Einwanderer, vor allem aus Deutschland, flohen nicht, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, sondern deshalb, weil ihr Überleben in der alten Heimat unmittelbar gefährdet war. Auf die zu erwartende Zunahme der Einwanderung reagierte die britische Regierung mit harten Restriktionen, in den Folgejahren sank die Einwanderung bis 1939 auf unter 70.000, obwohl in dieser Zeit der Einwanderungsdruck aus Mitteleuropa dramatisch anstieg.

Im Jahre 1936 eskalierte der Konflikt zwischen Zionisten und Arabern und entwickelte neue Dimensionen. Ein Generalstreik der Araber bildete den Auftakt für bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Terrorgruppen auf zionistischer wie arabischer Seite, die beiderseits über hundert Todesopfer und Verletzte hinterließen. Angesichts dieser Orgien des Hasses erklärte der Mufti von Jerusalem das Experiment des friedlichen Miteinanders mit den Zionisten für gescheitert.

Die britische Regierung geriet zunehmend in eine Zwickmühle. Einerseits wuchs der Einwanderungsdruck durch das Wüten der Nazis. Dadurch erhielt die Balfour-Deklaration eine zunehmende Berechtigung und Bedeutung. Andererseits musste die britische Regierung die zunehmende Kriegsgefahr durch die faschistischen Mächte in Europa und deren Einfluss auf die arabische Welt ins strategische Kalkül ziehen. Im Kriegsfalle konnte man auf die jüdische Unterstützung bauen, aber keinesfalls auf die arabische. Die Araber durch eine zu „judenfreundliche“ Politik auch noch auf die Seite der Feinde zu treiben, war jedenfalls höchst riskant.

Um es weder mit der einen noch der anderen Seite gänzlich zu verderben, richtete London nach dem Aufstand 1936 eine Kommission unter dem Vorsitz des Innenministers William Peel ein. Das Ergebnis des 1937 veröffentlichten umfangreichen Berichts war das Eingeständnis des Scheiterns der bisherigen Politik und die Quasi-Rücknahme der Balfour-Deklaration. Die beiden Seiten gemachten Versprechungen waren zu gegensätzlich, als das sie zu erfüllen waren. Der Lösungsvorschlag war die Vorwegnahme einer Zwei-Staaten-Lösung. Die Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschäftigt uns in unterschiedlichen Varianten zwar bis heute, aber damals war er eine Totgeburt. Die Zionisten stimmten erneut widerstrebend zu, aber in der Hoffnung, ihr eigentliches Ziel, den Judenstaat dennoch erreichen zu können. Die arabische Seite dagegen signalisierte entschiedene Ablehnung und forderte neben einem sofortigen Einwanderungsstopp einen palästinensischen Staat so lange die arabische Mehrheit noch existierte.

Die Briten legten ihren Plan beiseite, entwickelten einen neuen mit einem Staatenbund, der auch abgelehnt wurde. Während dieser Plan noch im Parlament debattiert wurde, brannten in Deutschland die Synagogen und Juden wurden in der Reichpogromnacht öffentlich schikaniert und in Konzentrationslager gebracht. Die Briten waren politisch mit ihrem Latein am Ende, hatten aber ein Jahr darauf noch einen weiteren Tiefpunkt für die europäischen Juden bereit.

Im Mai 1939 wurde erneut ein Weißbuch verfasst. Es stellt erneut klar, dass die Balfour-Erklärung und die britische Regierung nie das Ziel verfolgten, „aus Palästina einen jüdischen Staat werden zu lassen“. Ziel sei nun ein „unabhängiger Palästina-Staat innerhalb von zehn Jahren“ mit engen Vertragsbeziehungen zum United Kingdom unter „Berücksichtigung der wirtschaftlichen und strategischen Interessen“ beider Länder. Den unabhängigen Staat sollen Araber und Juden gemeinsam regieren, sodass die wesentlichen Interessen beider Gemeinschaften gesichert sind. Die jüdische Einwanderung soll in den nächsten fünf Jahren so geregelt werden, dass die eingewanderten Juden maximal ein Drittel der Gesamtbevölkerung erreicht, also höchstens 75.000 für die nächsten fünf Jahre. Danach sollte keine weitere Einwanderung ohne ausdrückliche Zustimmung der Araber erfolgen. Illegale Einwanderung, die gerade mächtig zunahm, würde die britische Regierung unterbinden.

1942 reagierte der Zionisten-Kongress, der nach dem Tagungshotel in New York auch der „Biltmore-Kongress“ genannt wird, auf die durch den Kriegsausbruch veränderte Weltlage mit einem grundlegenden Kurswechsel der Strategie der Zionisten. Personifiziert spitzte sich der innerzionistische Konflikt in den Personen des Präsidenten Chaim Weizman und David Ben Gurion für die Arbeiterpartei in der Frage zu, auf wen man in Zukunft als Hauptunterstützer rechnen sollte: Weiterhin mit Weizman auf Großbritannien oder alternativ mit Gurion auf die USA? Gegen Weizmans probritischen Kurs sprach nicht nur die sich anstauende Unzufriedenheiten mit der britischen Mandatsmacht bezüglich der jüdischen Einwanderung und die zunehmende Rücksicht auf die arabischen Belange.

Noch gravierender war die sich aufdrängende Einschätzung eines dramatischen Machtverlustes des Britisch-Empires. Das galt nicht nur für Europa, symbolisiert in dem Münchner Abkommen von 1938, es galt auch für andere Teile der Welt, wo die Grenzen der britischen Macht spürbar wurden. Die USA waren mit ihrem Kriegseintritt nun nicht nur eine echte Alternative, sie verhieß auch mehr Power und Verlässlichkeit, denn es lebten in den USA mehr Juden als in Israel und von diesem Teil des Weltjudentums versprach man sich zu Recht eine größere und verlässlichere Solidarität. Der Zionistenkongress von 1942 vollzog mit der Wahl Gurions an Stelle Weizmans diesen wegweisenden Wechsel für die Verfolgung des Ziels eines jüdischen Staates. (s. Dan Diner Der andere Krieg) Das Ergebnis war auch deshalb keine Überraschung, weil den größten Teil der 600 Delegierten der historischen Biltmore-Konferenz die amerikanischen Juden stellten.

Der Wandel von den Briten zu den Amerikanern wurde dadurch erleichtert, weil die unmittelbare Bedrohung Palästinas durch einen deutschen Durchmarsch von Afrika aus mit der Niederlage der Armee Erwin Rommels in der Schlacht von El Alamein, einem 100 Kilometer westwärts von Alexandria gelegenen ägyptischen Küstenort, Anfang Juli 1942 gebannt war. Viele Juden kämpften zwar auf britischer Seite, um die Deutschen zu stoppen. Aber die britische Restriktionspolitik, die sich auf die Einwanderung wie auch den Landkauf bezog, fand immer weniger Akzeptanz. Die Vernichtungslager der Nazis gerieten immer stärker ins Blickfeld der Juden und man erfuhr, dass sich die Situation der Juden in Europa immer dramatischer zuspitzte. So weit wie möglich wurde die illegale Einwanderung unterstützt. Die für 1939 errechneten 21.000 waren aber gemessen an der Gefährdung durch Nazi-Deutschland nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die späteren Zeiten gibt es nur Schätzungen. Die Zahl der in Palästina lebenden Juden betrug im Jahre 1948 ca. 600.000, im Vergleich zu den 24.000 im Jahre 1882 war das eine beeindruckende Steigerung. Aber gemessen daran, wie viele bei einer anderen Einwanderungspolitik hätten noch gerettet werden können, waren es viel zu wenig.

Während des Krieges wie auch danach nahmen die Spannungen zwischen Juden, Arabern und Briten stetig zu. Innerhalb der Zionisten schwelte schon seit längerem ein zunächst verborgen gebliebener Konflikt, der schon 1935 offenkundig wurde. Die in der MAPAI, der Arbeiterpartei, organisierten und tonangebenden säkularen Juden wurden zunehmend von einer sich konstituierenden „revisionistischen“ Richtung wegen ihrer Araberfreundlichkeit und ihrer Zugeständnisse an die britische Mandatsmacht kritisiert. Diese Gruppe forderte einen entschiedeneren Einsatz für die Staatsgründung und schloss dabei auch Gewalt als Mittel nicht aus. Konsequenterweise verließen sie, wie oben schon erwähnt, 1935 die Zionistische Weltorganisation.

Aus dieser Trennung entsprangen nationalistische Terrorgruppen, die das Ziel des eigenen Judenstaates ohne Rücksicht auf die Interessen der Araber dezidiert mit Gewalt verfolgten. Den arabischen Aufstand 1936 beantworteten sie mit gezielten Bombenangriffen, die zivile Opfer durchaus einkalkulierten. Die bedeutendste und militanteste Gruppe war Irgun. Ihr späterer Leiter hieß von 1943 bis 1948 Menachem Begin, der in den siebziger Jahren als israelischer Ministerpräsident die Ära der Arbeiterpartei beendete und Israels Entwicklung nach rechts einleitete. Ziele ihrer Terrorakte waren Märkte, Kaffeehäuser und Busse in den großen Städten wie Jerusalem, Jaffa und Haifa. Aber selbst das reichte noch nicht, sodass es noch Abspaltungen gab, die den Terror noch intensivierten.

Ebenfalls veränderte sich die Struktur der Flüchtlinge, In den dreißiger Jahren kamen sie in größeren Mengen aus Mitteleuropa, insbesondere aus Deutschland. Wie erwähnt, zog es sie nicht wegen eines besseren Lebens nach Palästina, sondern wegen des gefährdeten Überlebens daheim durch die Judenverfolgung der Nazis. Die deutschen Juden waren überwiegend bürgerlicher Herkunft und häufig akademisch gebildet. Ihrem Selbstverständnis nach waren sie Juden, die durch die Nazis erst zu welchen gemacht wurden. Aber auch jene, die durchaus noch in Kontakt zum jüdischen Leben standen, fremdelten mit ihren „neuen Volks- und Glaubensgenossen“. Die kulturellen Differenzen zeigten sich sogleich daran, dass diese neuen Einwanderer nicht nur für die Araber, sondern auch für die Juden zum Problem wurden, denn sie waren für die Landarbeit und ähnliche Tätigkeit wenig geeignet. Dementsprechend siedelten sie sich nicht in den Dörfern an, sondern forcierten das rasante Wachstum der Städte.

Die kulturellen Risse betrafen nicht nur das innerjüdische Gleichgewicht, es verschärfte auch die Differenzen und Konflikte mit den arabischen Einwohnern, wie die kulturellen Distanzen immer tiefer wurden und der Erkenntnis Nahrung gab, es gebe keine Zukunft für Araber und Juden unter einem gemeinsamen politischen Dach. Die „traditionell orientalische“ Kultur und Lebensweise und die zunehmende Europäisierung oder Verwestlichung der eingewanderten Juden drifteten immer weiter auseinander und wurden mit Ende des Krieges auch durch äußeren Druck nicht mehr zusammengehalten.

 

Vom Ende des Weltkrieges zum Krieg Israels gegen die arabischen Nachbarn

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb die weiterhin restriktive Einwanderungspolitik der britischen Mandatsregierung für europäische Juden nach Palästina Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Auf jüdischer Seite übernahmen hier terroristische Gewaltaktionen immer mehr die Führung. Die Untergrundorganisationen Ezel und Irgun taten sich besonders hervor. Letztere leistete ihren spektakulärsten Beitrag zu dieser Art Befreiungskampf des jüdischen Volkes am 22. Juli 1946 mit einem Bombenanschlag auf den Südflügel des King David Hotels in Jerusalem, wo sich das britische Hauptquartier Palästinas befand. Die 90 Todesopfer waren überwiegend Zivilisten, aber es fanden sich auch zahlreiche britische Soldaten darunter.

Wahrscheinlich war dieser Terrorakt der Auslöser für die Kehrtwende der britischen Palästinapolitik. Offenkundig hatte die britische Mandatsmacht die Kontrolle über das Gebiet verloren. Im Februar 1947 kapitulierte sie und übergab das Palästina-Problem den Vereinten Nationen. Winston Churchill bekundete im Epilog zu seinem Geschichtsbuch Der Zweite Weltkrieg vollstes Verständnis für die Politik seiner Nachfolger. Churchill und seine Konservative Partei verloren 1945 nach Ende des Krieges die Parlamentswahl gegen die Labour Party mit Clement Attlee als Premierminister (1945 bis 151). Das „Palästina-Problem“ war für Churchill die „größte Schwierigkeit“ vor die sich Großbritannien gestellt sah. Sich selbst bezeichnet er seit der Balfour-Declaration „zu den aufrichtigsten Verfechtern der zionistischen Sache“. Ob sich diese nachträgliche Selbsteinschätzung mit seinen Taten deckt, lassen wir hier mal offen. Seiner Bewunderung für die Aufbauleistung der jüdischen Einwanderer, den Problemen diesen Prozess mit den Rechten der arabischen Einwohner in Einklang zu bringen, folgt seine Enttäuschung über die „Taten der Terroristen, die ihr Ziel durch Ermordung britischer Beamter und Soldaten zu erreichen trachteten“, die er als „abscheuliche Akte der Undankbarkeit“ wertet. Und in dem Entsetzen über diese Morde in Palästina, enttäuscht über das Verhalten auch der britischen Alliierten in der Region, „war es nur natürlich, daß die sozialistische Regierung mit dem allen nichts mehr zu tun haben wollte und es 1948 den Juden selbst überließ, sich ihr Heil zu suchen.“ (Churchill, 1122)

Die UN setzte bereits im August 1947 eine Sonderkommission ein. Eine Minderheit plädierte für einen förderalen Staat in Palästina mit einem arabischen und einem jüdischen Landesteil. Die Kommissionsmehrheit schlug eine Teilung des britischen Mandatsgebietes in zwei selbständige Staaten für die die Juden und Araber vor. Jerusalem sollte wegen seiner besonderen religiösen Bedeutung für Juden, Christen wie Muslime internationaler Kontrolle unterstellt werden.

Während die arabischen Regierungen diesen Teilungsplan ablehnten, wurde er von der Jewish Agency als der jüdischen Vertretung in Palästina akzeptiert. Aber die letzte Entscheidung trafen nicht die betroffenen Bevölkerungen, sondern die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Am 29. November 1947 erfolgt deren Beschluss für den Teilungsplan. 33 Länder, darunter die USA, die Sowjetunion und Frankreich stimmen dafür, Großbritannien enthielt sich und 13 Länder, dazu gehörten alle Nachbarländer Palästinas stimmten dagegen. Aber da er die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichte, war der Teilungsbeschluss nun geltendes Völkerecht.

Für das Abstimmungsverhalten waren verschiedene Gründe ausschlaggebend. Den größten Einfluss hatte sicher der Holocaust. Die Ermordung von 6 Millionen der weltweit 17 Millionen Juden war sicherlich für viele Länder entscheidend für das Votum eines eigenständigen jüdischen Staates Den katholischen Ländern wie Frankreich, Polen oder Brasilien war der international garantierte Zugang zur Grabeskirche Jesus und zu anderen Pilgerstätten von zentraler Bedeutung. Für die USA, damals noch weit davon entfernt der wichtigste Verbündete Israels zu werden, war die geschlossene Abwehrfront der arabischen Staaten ein Problem, denn ein gutes Verhältnis zu den arabischen Staaten war angesichts der Ölabhängigkeit der USA ein vitales Interesse. Zudem waren nicht unerhebliche militärische Befriedungskosten zu befürchten. Dass sich der damalige US-Präsident Harry S. Truman dennoch hinter die Teilungsidee stellte, hatte innen- wie außenpolitische Gründe. Bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen brauchte er dringend die Stimmen der amerikanischen Juden. Außenpolitisch war in Anbetracht des sich weltweit ausdehnenden Kalten Krieges ein jüdisch-westlicher Staat militärisch wie wirtschaftlich ein wichtiger Partner im Nahen Osten gegen Stalins Sowjetunion. Und die kalkulierten bei ihrem Ja genauso, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Hier spekulierte man auf einen kommunistisch ausgerichteten jüdischen Staat als willkommene Gegenmacht zu den USA in dieser Region.

Im Kern sah der Teilungsplan vor, dass fast 43 Prozent der Gesamtfläche an die arabische Seite fielen und fast 57 an die jüdische, aber gemessen an den Einwohnern war das die Umkehrung der Verhältnisse. Denn auf dem jüdischen Territorium standen fast einer halben Millionen Juden mit 507.780 fast genauso viele Araber gegenüber. Aber in dem Araberstaat war das Verhältnis 10.000 Juden zu 749.010 Araber. Aufs Ganze betrachtet erhielt die überwältigende Mehrheit der Araber einen wesentlich geringen Teil des Territoriums. Die arabische Kritik an dem Beschluss und die Begründung der Ablehnung bezog sich aber primär darauf, dass der Beschluss antidemokratisch sei, weil er über die Köpfe der Betroffenen hinweg erfolgte. Außerdem wurde die Legitimation der UN dazu in Frage gestellt, die noch durch Pressionen seitens der Befürworter bestärkt würde.

Der Beschluss der UN bewirkte jedenfalls eines nicht: das Ende des Konfliktes. Er war wenn auch nicht der Beginn eines neuen, so doch die Fortsetzung des schon existierenden, der nun sein Eskalationspotenzial entfaltete. Ob die Kämpfe zwischen bewaffneten jüdischen und arabischen Gruppen als Bürgerkrieg zu bezeichnen sind, ist gemessen an den Folgen unerheblich. Zwischen November 1947 bis Mitte 1948 starben auf beiden Seiten Hunderte Zivilisten und Freischärler bei den Bombenattentaten, den Überfällen und Anschlägen auf arabische wie jüdische Siedlungen und auf Busse. Wer die Hölle Europas glücklich überlebt hatte, kam hier in eine weitere.

Historiker verweisen darauf, dass bis April 1948 zuerst die Araber / Palästinenser mit Unterstützung der arabischen Nachbarländer, die sich in Form der 1945 gegründeten „Arabischen Liga“ mit einer Befreiungsarmee von 6.000 Kämpfern beteiligen, den Terror entfachten. Ab April 1848 schlagen die jüdischen Untergrundorganisationen zurück, Objekte der Zerstörung sind Dörfer, wichtige Verbindungsstraßen und die Einnahme von Städten, die nach dem UN-Beschluss zum künftigen Gebiet der Juden gehören. Die dort lebenden Araber flüchten oder werden vertrieben. Die Region wurde zum Eldorado der Waffenhändler, die hier die Restbestände aus Europa absetzen konnten und Großbritannien realisierte den Kabinettsbeschluss, das Feld bis zum 15. Mai 1848, dem offiziellen Ende des Mandats, komplett zu räumen. Dieses Datum fiel aber auf einen Samstag.

Eigentlich sollte nach Ben Gurions Plan mit dem Ende des britischen Mandats der Staat Israel proklamiert werden, was aber am Schabbat Probleme bringen konnte, also wurde Ben Gurions Unabhängigkeitserklärung und die Gründung des Staates mit dem historischen Namen Israel vorgezogen auf Freitag, den 14. Mai 1948. Während die Juden auf den Straßen und Plätzen Freudenfeste feierten, hatten sie doch nach all ihren Leiden, den Verfolgungen und dem Elend der Diskriminierungen endlich ihr Ziel eines schützenden eigenen Staates erreicht, da folgte nach der sofortigen Anerkennung durch die USA (die der Sowjetunion erfolgte zwei Tage später) am Tag darauf, also am Schabbat, der Einmarsch der Truppen aus sieben arabischen Ländern. Der Generalsekretär der Arabischen Liga Abd ar-Rahman versprach neben dem offiziellen Zielen des Krieges „Frieden, Sicherheit und Wohlstand für diesen Teil der Welt“ noch etwas anderes: „Dies wird ein Ausrottungskrieg und ein Massaker sein, von dem man wie von dem mongolischen Massaker und den Kreuzzügen sprechen wird.“

Betrachtet man das Kräfteverhältnis nüchtern, dann kann man das Alte Testament anrufen, denn hier kämpfte David gegen Goliath. Das war eigentlich unumstritten, kurioserweise war die Frage, wer war was? Über den Kriegsverlauf, die Bewaffnungen, die Unterstützungen von außen, die verschieden Phasen des Krieges und die darin sich abzeichnenden Veränderungen, all das ist umfangreich dargestellt, dokumentiert und kontrovers interpretiert und diskutiert worden. Fakt war, dass die jüdische Seite schon bald nach dem ersten Waffenstillstand am 11. Juni 1948, den die Ägypter dann brachen, ihren ursprünglichen Gebietsanteil von 57 auf 78 Prozent des ehemaligen Mandatsgebietes erweitern konnte. Ägypten holte sich den Gaza-Streifen, Der König Transjordaniens dehnte auf der anderen Seite sein Gebiet nach Westen aus und nannte es nun Jordanien. Solche Geländegewinne blieben zwar begrenzt, lehrten aber in der Summe eines: Die Palästinenser, für die der Krieg offiziell geführt wurde, gingen leer aus. Jordanien setzte alles daran, palästinensische Ambitionen jeglicher Art, insbesondere die nach einem eigenen Staat, zu verhindern.

Schlimmer noch erging es den geflüchteten und vertriebenen Palästinensern, denn sie waren die eigentlichen Verlierer. Die Juden wollten sie nicht wieder aufnehmen und ihre „Helfer“ kümmerten sich nicht um sie. Das erklärt, warum dieser Krieg bei den Israelis „Unabhängigkeitskrieg“ und bei den Palästinensern „al-Nakba“, die Katastrophe heißt. Die Zahl der Palästinenser, die Opfer der Vertreibung und Flucht wurden, wird auf ca. 750.000 geschätzt.

Das Geheimnis des Sieges des vermeintlichen Davids Israel über den Goliath der „Arabischen Liga“ lag nach Ben Gurion nicht in den Wunderwerken der israelischen, sondern in der miserablen arabischen Armee. Das mag hinsichtlich der Ausstattung und Kampfkraft ein Teil der Erklärung sein, aber ein anderer politisch wesentlicher Aspekt ist die Uneinigkeit der antiisraelischen Allianz. Was hier seinen Ausgang nahm, gilt bis heute. Die arabische Allianz war und ist eine Illusion. Transjordanien und Ägypten waren die bedeutenden, an Ausweitung ihrer Macht interessierten Akteure, denen es nicht nur um Palästina, sondern auch um den Libanon und Syrien ging. Beiden Antipoden war ein jeweiliger Geländegewinn einschließlich Palästinas das Abenteuer wert. Die innere Zerrissenheit, die soziale Kluft innerhalb dessen, was als Palästinenser zu bezeichnen ist, machte sie von Beginn an auch bei ihren „Verbündeten“ eher zu ohnmächtigen Objekten der Politik als zu Subjekten ihrer eigenen Anliegen. Auch dieser Zustand hat sich in der Folgezeit nicht grundlegend geändert. Ausdruck dafür ist das bis heute ungelöste Flüchtlingsproblem.

Dabei soll und kann nicht unerwähnt bleiben, dass der „Verrat“ der Verbündeten der Palästinenser das eine ist, das andere die Brutalität der jüdischen Untergrundbewegungen gegen die Palästinenser. Das Massaker von Deir Yasin, einem arabischen Dorf westlich von Jerusalem, wo am 9. April 1948 die Terrororganisationen Irgun und Lechi weit über hundert Menschen ermordeten, bildet selbst in der von solchen Akten gefüllten Zeit von 1947 bis 1949 eine grausame Ausnahme. Selbst die Jewish Agency verurteilte diesen barbarischen Akt, dessen arabische Antwort vier Tage später erfolgte. Araber überfielen einen jüdischen Konvoi auf dem Weg zu einem Krankhaus in Jerusalem, 80 Menschen kamen in dem Kugelhagel um. Zu den Opfern zählten Ärzte, Krankenschwestern und Patienten.

Es ist schwierig in dieser Geschichte der Eskalation der Gewalt Ursache und Wirkung, Täter und Opfer in Angreifer und Verteidiger zu teilen. Aber kaum zu bestreiten ist, dass die Palästinenser die großen Verlierer in diesem Drama waren. Sie blieben die ungeliebten Flüchtlinge, die mehr als politische Allzweckwaffen genutzt werden, als das ihnen ernsthaft geholfen würde. Für Israel gelten sie nach wie vor als Sicherheitsrisiko, weshalb alle UN-Resolutionen mit diesem Verweis ignoriert werden.

Am Ende des Krieges konnte Israel sein Staatsgebiet nicht nur beträchtlich erweitern und konsolidieren. Aus dem zerklüfteten Flickenteppich entstand ein zusammenhängendes Staatsgebiet. Aber dieser Krieg, mit dem der Staat Israel durch Gewalt geschaffen wurde, hat, so befand schon Winston Churchill, die „Spannungen im Mittleren Osten weiter verschärft.“ Die Aussicht sei finster, denn die „Lage von einigen hunderttausend Arabern, die aus ihren Heimstätten vertrieben wurden, und nun, von der Willkür anderer abhängig, ist grausam und gefährlich.“ (Churchill, 1123) Es drohe dem „neuen Staat unversöhnliche Feindschaft“, ein „bedrohliches Schauspiel voll grenzenloser Gewalttätigkeit und Unvernunft“. Leider hat sich Winston Churchill hier als wahrer Prophet erwiesen.

Mit der Staatsgründung und dem Sieg über die arabischen Nachbarn beginnt der Kampf um die Existenz Israels. Dass der „Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ gehört für die Israelis zur Grunderfahrung. Zweimal, 1967 und 1973 wurde aus einer Gefahr Realität. Israel ging aus beiden Kriegen als Sieger hervor. Und auch für den gegenwärtigen Krieg gilt die Maxime: Alles andere als ein Sieg wäre der Untergang. Aber keiner dieser Kriege hat Israels Drang nach Sicherheit befriedigen können. Für Israel gilt wie für kein anderes Land eine grundlegende Erkenntnis, die Henry Kissinger so formulierte: Ein Staat der nach absoluter Sicherheit strebt, produziert Unsicherheit für alle anderen. In diesem Dilemma steckt Israel bis heute und ein Ausweg ist nicht erkennbar.

 


Zitierte Literatur:

Arendt, Hannah: Frieden oder Waffenstillstand im Nahen Osten? (1950); in: dies. Israel, Palästina und der Antisemitismus. Berlin 1991, S. 39 – 76
Brenner, Michael: Geschichte des Zionismus. München 2019
Brenner, Michael: Kleine jüdische Geschichte. München 2008
Chamberlain, Houston Stewart: Die Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts. München 1899 (29. Aufl. 1944)
Churchill, Winston: Der Zweite Weltkrieg. München – Zürich 1960 (1954)
Darwin, John: Das unvollendete Weltreich. Aufstieg und Niedergang des Britischen Empire 1600-1997. Frankfurt / New York 2013
Diner, Dan Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935-1942. München 1921
Diner, Dan: Israel in Palästina. Über Gewalt und Tausch im Vorderen Orient. Königstein / Ts. 1980
Eisenstadt, S.N.: Die Transformation der israelischen Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1987
Faroqhi, Suraiya: Geschichte des Osmanischen Reiches. München 2000
Flug, Noah / Schäuble, Martin: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser. München – Wien 2007
Frankopan, Peter: Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt. Berlin 2016
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Hourani, Albert: Die Geschichte der arabischen Völker. Frankfurt a.M. 1997
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