In einer interessanten Veranstaltung gedachten Gewerkschaftlerinnen am Jahrestag des Autodafés von 1933 mehrerer Literatinnen und Wissenschaftlerinnen, deren Werke vor 93 Jahren öffentlich vernichtet wurden.
Zu einer Zeit, in der es selbst in unserer einstigen Vorbild-Demokratie, den USA, wieder zuhauf vorkommt, dass den Mächtigen unliebsame Bücher aus Bibliotheken verbannt werden, ist jede Veranstaltung von großer Bedeutung, die daran erinnert, dass es auch in Deutschland eine „Atmosphäre der Verunsicherung und Einschüchterung, in der auch das kulturelle Leben reglementiert werden konnte“ (1), gab. Die Zahl der LiteratInnen, deren Werke verbrannt und verboten wurden, ging schließlich in die Tausende.
So war es traurig, dass im Rahmen der Politischen Maiwoche des DGB unter der Moderation von Nicole Verlage zwar vier Gewerkschaftlerinnen anschaulich das Leben und Werk mehrerer im Faschismus verfolgten Frauen darlegten, die Zuschauerschaft sich aber im einstelligen Bereich bewegte, auch aufgrund von Terminüberschneidungen.
Im einzelnen trugen vor:
- Gaby Uthmann eine historische Einführung
- Sigrun Müller einen Beitrag zum Leben und Werk Dr. Gertrud Wokers
- Birgit Ostendorf zu Maria Leitner
- Brigitte Lewandowsky zu Bertha Suttner
- sowie Eveline Wefer-Kamali zu Rosa Luxemburg.
Als Beispiel der Verfolgung und des Werks einer Autorin sei hier die Journalistin, Romanautorin und Übersetzerin Maria Leitner (19. 1. 1892 – 14. 3. 1942) genannt. 1930 erschien ihr sozialkritischer Roman Hotel Amerika, der der Bücherverbrennung zum Opfer fiel. Leitner hatte das Material zu ihrem Buch auf einer dreijährigen Amerikareise gesammelt, auf der sie Dutzende von Stellen annahm, um das proletarische Leben in Nord- und Südamerika aus erster Hand kennenzulernen.
Dem Kriminalroman war auch international großer Erfolg beschieden und er kann selbst heute noch von Reclam bezogen werden. Leitner berichtete aber auch aus dem sich faschistisierenden Deutschland. 1932 beispielsweise verfasste sie Reportagen wie Im Krug eines Hitler-Dorfes. Wer sieht hier nicht die andauernde Aktualität ihres Werks?
Am Ende einer Exil-Odyssee, die sie in immer verzweifeltere Lagen brachte, da sie selbst mit prominenter Hilfe kein Visum für die Vereinigten Staaten erhalten kann, stirbt Leitner in Marseille an Entkräftung (2). Als Birgit Ostendorf dies vortrug, sah man in erschütterte Gesichter der ZuhörerInnen.
Nächstes Jahr ein größeres Publikum – das muss das Ziel sein.
(1) Norbert Frei, Der Führerstaat, München 2002
(2) Killet, Julia; Helga W. Schwarz (Hrsg.): Maria Leitner oder: Im Sturm der Zeit. Berlin 2013












