„Die Maschinen haben alle ihren eigenen Charme“ – BesucherInnen zeigen sich begeistert von der Ausstellung
Es gibt sie noch: Perlen von Ausflugszielen, die nicht überlaufen sind, wo der Leiter persönlich Zeit für die Besucher hat. Eine solche Perle liegt in ganz in der Nähe: Es ist das Motorradmuseum von Reinhard Stockmann, das Raritäten der Transportgeschichte gelungen präsentiert und dabei auch für nur flüchtig Interessierte spannend bleibt.
In einem ehemaligen Schulgebäude eröffnete Stockmanns Vater 1978 das Museum, das als Heimstätte für seine umfangreiche Sammlung von zweirädrigen Gefährten gedacht war. Als Kohlenhändler hatte er Zugang zu Kellern und Schuppen und wusste, wo Motorradschätze zu heben waren, die dann – seit etwa Ende der sechziger Jahre – in teils traurigem Zustand auf dem Firmengelände gelagert wurden. Aus heutigem Blickwinkel muss man sagen: In einer Zeit, in der nur sehr Wenige Motorrad fuhren und noch Weniger alte Maschinen spannend fanden, rettete er viele unersetzliche Artefakte der Transportgeschichte vor dem Schrotthaufen.
Einige der ausgestellten Maschinen befinden sich noch im Fundzustand – rostig, unkomplett, von Kindern bespielt und von Jugendlichen über den Acker gejagt. Nur für Kenner erschließt sich ihre historische Bedeutung. Der Zweck: BesucherInnen sehen mit eigenen Augen, wieviel Zeit und Kenntnis in die Restaurierung der Sammlung geflossen sein muss. Stockmann bemerkt, dass die Bearbeitung der Motorräder Sache seines Vaters, aber auch von Familie und Freunden war. Außer dem Lack und der eine geübte, ruhige Hand verlangenden Linierung wurde viel im Haus erledigt. Das Ergebnis sind auch heute noch überaus ansprechende Ergebnisse. Gibt es auch neue Zugänge? Das Museum atmet: Stockmann weist auf ein grünes Kleinkraftrad, eine Kreidler RS-GS von 1978, wie er eine als Jugendlicher fuhr. Als er meine 40 Jahre alte BMW betrachtet, sagt er, er könne sie gleich so in die Austellung schieben; er würde mich dann auch nach Hause fahren. Scherz oder Ernst? Wer weiß…

Was bleibt zu tun? Bei 180 Maschinen gibt es immer etwas. Stockmanns Herzensprojekt wäre die mechanische Überarbeitung einer optisch schön erhaltenen 1921er Mars, die in vornehmem Weinrot die Besucher erwartet. Er wünscht sich dabei die Erhaltung des originalen Materials wo immer möglich. “Früher wurde alles neu lackiert, das ist heute nicht mehr so,“ reflektiert er den Fortschritt der Museumsarbeit. Stockmann wünscht sich auch eine größere Anzahl von BesucherInnen. Er muss sehen, wie er das Museum weiterhin finanziert – Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhält er nicht.

Nach einem ausführlichen Rundgang nach ihren Eindrücken befragt, antworten Julia und Phil mit größerer Sachkenntnis als vor dem Besuch. „Die BMW R12 ist für mich die schönste Maschine,“ bemerkt Phil. Julia kann sich nicht entscheiden – so geht es mir auch. Ist es die Horex Regina, eine NSU der zwanziger Jahre, die fast 75 Jahre alte Victoria Bergmeister in praktisch fabrikneuem Originalzustand, eine Wanderer von vor dem Ersten Weltkrieg? Schießt eins der zahlreichen Emailplakate, Schnittmodelle, Zubehörteile den Vogel ab oder doch ein Fahrrad mit Hilfsmotor? Empfehlung: Zeit mitbringen, nur selber angucken macht schlau.
Übrigens: Wenngleich die meisten BesucherInnen mit dem Motorrad kommen, gibt es am Museum reichlich Parkplätze auch für Autos.
Besuchstipp im Stakkato
- Adresse: Motorradmuseum Ibbenbüren, Markweg 26, 49479 Ibbenbüren, Tel: 0170 356 33 91
- Öffnungszeiten: von April bis einschließlich Oktober samstags 14-18 Uhr, sonn- und feiertags 10-18 Uhr
- Fotografieren: ist erlaubt und Hunde dürfen gern mit in das Museum genommen werden.
- Eintritt: Erwachsene 7€. Kinder 7-14 Jahre 3€
- Sonderpreise: für Führungen und Gruppen außerhalb der Öffnungszeiten.
- Tip: Es wird eine Sonderausstellung „BMW“ geplant. Das Instagram-Profil des Museums im Auge behalten.












