Streiktag im nordwestdeutschen Einzelhandel

Losung: „Ohne uns kein Geschäft“

Unter dem Motto „Ohne uns kein Geschäft“ rief die Gewerkschaft Ver.di am Westfalentag zu einer Demonstration für einen guten Tarifabschluss auf. Ca 150 TeilnehmerInnen reisten aus dem ganzen Tarifbezirk an und fanden sich auf dem Marktplatz ein.

Aufgrund des in den Augen der Gewerkschaftler unakzeptablen Arbeitgeber-Angebots von 3,4% mehr Lohn verteilt über zwei Jahre, hatte Ver.di zum Streik aufgerufen, um der Forderung von sieben Prozent mit einer Laufzeit von einem Jahr Nachdruck zu verleihen. Die Leistung der Beschäftigten im Groß-, Außen- und Einzelhandel sowie im Versandhandel bilde das Angebot der Arbeitgeber nicht ab, so die Gewerkschaft. In einer Branche, in der viele in Teilzeit arbeiten und die ohnehin nicht besonders gut bezahlt müsse endlich erreicht werden, dass nicht schon vor dem Monatsende für Arbeitnehmende das Geld alle sei, hörte man verschiedentlich aus den Reihen der Streikenden. Sarkastisch verstärkt wurde das Anliegen auch mit dem veränderten Werbeslogan einer Lebensmittelkette („Ich liebe Lebensmittel, konnte sie aber nicht bezahlen“), der an einem Skelett befestigt war.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Reihe von kurzen, aber kämpferischen Reden. Der OB-Kandidat der SPD Robert Alferink sprach ebenso Klartext wie Barbara Gorgs (DGB) oder Sandra Schmidt (Ver.di Fachbereich Handel, Verhandlungsführung auf Landesebene). Kerstin Hoffmann und Anja Wiens, die bei Marktkauf arbeiten, reihten sich in die Kette der RednerInnen ein, wobei der Beitrag von Anja Wiens großteils aus einem selbst gedichteten Lied bestand, das die Zuhörenden durch Witz und Aktualität mitriss. Heidi Reichinnek (MdB Die Linke, Ver.di-Mitglied) verstand es, den Marktplatz mit einem Redebeitrag zu begeistern, der under anderem auf ihre kurze Erfahrung mit Arbeit im Einzelhandel abhob. Wenn ihre zwei Tage im Kühlhaus schon unerträglich waren, wie muss sich dann erst ein ganzes Arbeitsleben im Handel anfühlen, so ihr Tenor. Eine angemessene Entlohnung sei da das mindeste, was erreicht werden müsse.

An die Reden schloss sich ein Demonstrationszug an, der sich über die Große Straße und angrenzende Geschäftsstraßen bewegte. Ohrenbetäubender Einsatz von Trillerpfeifen und Rasseln stellte sicher, dass niemand den Zug und die ebenfalls laut skandierten Forderungen der Marschierenden überhören konnte. Den Schluss der Veranstaltung bildeten Gespräche beim gemeinschaftlichen Verspeisen einer sehr guten vegetarischen Linsensuppe.

Mehr, zugegeben heidilastige Bilder gibt es in meinem Blog. 

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