Holstein Kiel und der VfL Osnabrück trennen sich 1:1. Der VfL bot ein rundum gutes Auswärtsspiel, hatte über weite Strecken die klareren Chancen und war am Ende deutlich näher an drei Punkten als die Kieler.
Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird seit Anfang 2026 um ein weiteres Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Zur Information: Unsere Spielberichte werden wie ein Liveticker direkt am Laptop verfasst und gleich nach Schlusspfiff ohne Netz und doppelten Boden ins Internet gesetzt. Die Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ wird, falls notwendig, mitunter erst einige Stunden nach dem Spiel vervollständigt, dasselbe gilt für Korrekturen von Tippfehlern.
Vor dem Spiel
Bevor ich zum Spiel komme, noch eine ziemlich traurige Randnotiz von der Bremer Brücke: Einer der beiden Waggons aus der spektakulären Achterbahn-Choreografie gegen Bayern ist gestohlen worden. Sollte es sich bei den Tätern um Fans eines anderen Vereins handeln, hoffe ich nur, dass sie nicht wissen, dass das gute Stück außerhalb der Pappmaché-Achterbahn nicht verkehrstüchtig ist.
Eine kleine Überraschung gibt es in der Startelf des VfL: Riesselmann beginnt für Münst und steht damit erstmals von Beginn an auf dem Platz. Ansonsten stellt sich die Mannschaft weitgehend so auf, wie es im Vorfeld zu erwarten war:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Wagner, Jacobsen, Gomez – Beck, Meißner, Riesselmann
Beginn
Schiedsrichter Tom Bauer (29) aus Mainz pfeift bei Temperaturen um die 18 Grad und bewölktem Himmel an. Der VfL hat Anstoß und spielt zunächst in Richtung Kieler Fankurve.
Der VfL ist gut drin in diesem Spiel. Kiel hat zwar viel Ballbesitz, kommt bislang aber kaum in wirklich gefährliche Räume. Und Riesselmann? Macht das bei seinem ersten Startelfeinsatz bislang ordentlich, behauptet sich früh sogar gegen zwei Gegenspieler auf der Außenbahn.
Etwas ärgerlich sind die beiden frühen Gelben Karten gegen Fabinski und Gomez. Dafür sieht auch Kiels Zec Gelb – wegen einer Schwalbe. Stark erkannt vom Schiedsrichter.
Und jetzt wird der VfL auch offensiv mutiger: Gomez schlägt einen starken Diagonalball auf Meißner, der an der Strafraumkante sauber mitnimmt und Weiner mit einem harten Schuss aufs kurze Eck prüft. Kurz danach muss der Kieler Keeper weit vor seinem Strafraum vor Meißner klären. Beck versucht es anschließend direkt mit dem Heber aus großer Entfernung – der Ball geht drüber.
Nach einer Viertelstunde …
… darf ich feststellen: Der VfL ist hier nicht zum Sightseeing an die Ostsee gefahren.
Inzwischen läuft die 20. Minute. Kiel versucht es jetzt etwas entschlossener: Harres zieht aus zentraler Position ab, bleibt aber an der dicht gestaffelten VfL-Abwehr hängen. Kurz darauf holt sich auch Wagner Gelb ab – damit sind in diesem Spiel schon vier Verwarnungen verteilt.
Kapralik bringt anschließend einen Freistoß in den Osnabrücker Strafraum. Harres kommt nicht an den Ball und begeht dabei auch noch ein Stürmerfoul. Krumrey muss weiterhin nicht ernsthaft eingreifen.
Auch danach bleibt Kiel offensiv erstaunlich harmlos. Ein Umschaltversuch über Balzi und Kapralik wird von Müller sauber entschärft, wenig später klärt die VfL-Abwehr erst eine Flanke und anschließend auch die folgende Ecke. Viel Aufwand der Gastgeber, bislang wenig Ertrag.
Und jetzt wird es richtig interessant: Beck stibitzt Sekine den Ball, wird gelegt – Gelb für den Kieler, mittlerweile die fünfte Verwarnung des Spiels. Der anschließende Freistoß bringt zunächst mehrere geblockte Abschlüsse, dann wird Gomez erneut gefoult. Beck übernimmt aus gefährlicher Position, setzt den Ball aber knapp rechts vorbei.
31. Minute – und beinahe die Führung! Meißner bricht halbrechts durch und steht plötzlich frei vor Weiner. Der Kieler Keeper rettet mit dem Fuß und verhindert das 0:1. Der VfL ist jetzt nicht nur gut im Spiel – er hat inzwischen auch die klareren Chancen, die er aber nicht zu nutzen weiß.
Und der VfL bleibt dran: Keine Minute später legt Meißner quer auf Gomez, der Pass gerät etwas ungenau. Weiner ist gerade noch einen Tick eher am Ball und rettet erneut. Dabei prallen Gomez und der Kieler Keeper zusammen, Weiner muss anschließend behandelt werden.
Der VfL ist nicht nur gut im Spiel, er schnuppert sogar ziemlich deutlich an der Führung.
Dann aber meldet sich Kiel plötzlich mit Nachdruck zurück. Erst landet ein zu optimistischer Pass von Davidsen in die Spitze im Nichts, dann wird es in der 38. Minute richtig brenzlig: Kapralik kommt halbrechts im Strafraum zum Abschluss und hämmert den Ball an die Unterkante der Latte. Das Ding springt zurück ins Feld – Glück für den VfL.
Eine Minute später der nächste Kieler Abschluss: Harres legt nach Ballgewinn auf Davidsen ab, dessen Schlenzer aus 16 Metern direkt in Krumreys Armen landet. Kiel drückt den VfL immer weiter hinten rein, Davidsen prüft Krumrey noch einmal aus der Distanz – zunächst ohne Folgen.
Dann die Nachspielzeit: Balzi schickt de Regt in den Strafraum, der an Krumrey vorbeigeht und vom VfL-Keeper völlig unnötig zu Fall gebracht wird. Elfmeter. Harres tritt an und verwandelt sicher zum 1:0 für Holstein Kiel.
Direkt danach ist Halbzeit.
Halbzeitfazit
Der VfL hatte lange die klar besseren Chancen, lässt sich in den letzten Minuten aber immer weiter zurückdrängen und kassiert praktisch mit dem Pausenpfiff das 0:1 durch einen von Krumrey verschuldeten Elfmeter.
Beider Teams starten unverändert in die zweite Hälfte …
… und Kiel kommt deutlich wacher aus der Kabine. Schon nach wenigen Sekunden fliegt Harres in eine Kapralik-Flanke, trifft den Ball aber nur mit der Schulter. Kurz darauf versucht es Balzi aus der Distanz, dann zieht Kapralik nach einem Steilpass von halbrechts vorbei. Der VfL bekommt im Moment kaum Zugriff.
In der 54. Minute immerhin mal wieder Osnabrück: Riesselmann bringt den Ball flach an den zweiten Pfosten, Meißner jagt ihn über die Latte – allerdings war Riesselmann vorher ohnehin im Abseits.
Eine Minute später wird es im VfL-Strafraum etwas ungemütlich: Fabinski grätscht gegen Kapralik, trifft den Ball offenbar nicht, der Kieler fällt – der Pfiff bleibt aus. Da hätte ich mich über einen zweiten Elfmeter jedenfalls nicht beschweren dürfen.
Nach knapp einer Stunde hat Kiel die Partie klar im Griff. Der VfL steht momentan viel hinten drin und muss aufpassen, dass aus dem schmeichelhaften 1:0 nicht plötzlich ein komfortableres wird.
Nach 60 Minuten …
… findet der VfL gerade wieder etwas besser ins Spiel. Schultz bringt in der 63. Minute Kyereh für Wagner – klar offensiv gedacht. Und beinahe zahlt sich das sofort aus: Kyereh kommt halbrechts an den Ball und sucht Gomez am zweiten Pfosten, doch Weiner ist mit dem Fuß dazwischen.
Kurz darauf bietet sich nach einem Kieler Patzer die nächste Gelegenheit. Jacobsen entscheidet sich gegen den direkten Abschluss, Gomez bleibt anschließend im Dribbling hängen. Da war für meinen Geschmack deutlich mehr drin.
In der 69. Minute bringt Kiel mit Skrzybski noch einmal Erfahrung ins Spiel, eine Minute später sieht Madsen Gelb, weil er Gomez nur per Trikotziehen stoppen kann.
Dann fällt endlich der Ausgleich: 72. Minute, 1:1. Meißner schickt Gomez links in den Halbraum, dessen scharfe Hereingabe Sekine ins eigene Tor lenkt. Schön herausgespielt und nach dem bisherigen Spielverlauf alles andere als unverdient.
Schultz legt direkt nach und bringt in der 74. Minute Raimund und Faber für Riesselmann und Kammerbauer.
Und nur eine Minute später kippt die Partie wieder in Richtung VfL: Zec hält Meißner am Trikot fest, sieht seine zweite Gelbe Karte und muss runter. Kiel ist nur noch zu zehnt.
Noch eine gute Viertelstunde. Jetzt möchte ich schon sehen, dass der VfL diese Überzahl auch wirklich nutzt.
Der VfL drückt weiter auf die Führung. In der 81. Minute muss sie eigentlich fallen: Meißner flankt mit viel Übersicht an den zweiten Pfosten, Faber legt direkt ins Zentrum und Kyereh köpft aus drei Metern links vorbei. Die größere Chance kann man kaum noch serviert bekommen.
Danach bleibt Osnabrück am Zug. Weiner klärt vor Kyereh, Raimund kommt aus aussichtsreicher Position zum Abschluss, bringt aber nur einen harmlosen Schuss zustande. In der 87. Minute bringt Schultz mit Opitz und Abu Hanna noch einmal frische Kräfte.
Kiel versucht in den letzten Minuten vor allem, irgendwie über die Zeit zu kommen. Skrzybski hilft hinten aus, Ugoh stoppt Opitz am Flügel, und in der Nachspielzeit fliegt noch einmal eine abgefälschte Faber-Flanke in den Strafraum.
90.+2: Faber taucht rechts im Sechzehner auf und legt den Ball an Weiner vorbei quer. Wieder fehlt nur der Abnehmer.
Drei Minuten Nachspielzeit sind angezeigt. Ich würde sagen: Wenn hier noch einer gewinnen kann, dann im Moment eher der VfL, der aber das Überzahlspiel nicht zu nutzen weiß. Schlusspfiff.
Fazit:
Holstein Kiel und der VfL Osnabrück trennen sich 1:1. Der VfL bot ein rundum gutes Auswärtsspiel, hatte über weite Strecken die klareren Chancen und war am Ende deutlich näher an drei Punkten als die Kieler.
Zahlen, Daten & Fakten
Zuschauer*innen: 11.700, davon 1.500 aus Osnabrück
Tore:
1:0 Harres (45+2.)
0:1 Sekine / Gomez (72.)
Gelbe Karten:
(01.) Fabinski
(10.) Gomez
(10.) Zec
(19.) Wagner
(29.) Sekine
(70.) Madsen
Gelb-Rote Karten:
(75.) Zec
Rote Karten:
(.)
Holstein Kiel:
Weiner – Sekine, Zec, Madsen, Parduzi – Meffert – Kapralik, Balzi, Davidsen, de Regt – Harres
Trainer: Tim Walter
VfL Osnabrück
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Jacobsen, Wagner, Gomez – Beck, Meißner, Riesselmann
Trainer: Timo Schultz
Schiedsrichter: Tom Bauer (29) aus Mainz
Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 09. November 1947 gleich 98-mal in Pflichtspielen aufeinander, mit FS-Spielen sogar 100-mal. Die Bilanz lautet 47-15-36. Hier geht es zur kompletten Statistik von “weltfussball.de“.
Tabellarisches:
Ergebnisse und Tabelle der 2. Liga













