Der VfL gewinnt dank enormer Leistungssteigerung nach der Pause verdient mit 3:1 gegen Eintracht Braunschweig

Dr. Jekyll und Mr. Hyde in Lila-Weiß. Nach einer erschreckend harmlosen ersten Hälfte zeigt der VfL nach der Pause plötzlich ein völlig anderes Gesicht und verdient sich den zweiten Saisonsieg. Kyereh, Jacobsen und Meißner sorgen für die Tore, Krumrey hält hinten fast alles – und Braunschweig wacht erst auf, als es längst zu spät ist. 3:1 am Ende. Nach den ersten 45 Minuten hätte ich darauf keinen Pfifferling gesetzt. Umso lieber nehme ich die drei Punkte jetzt mit.

Weiter geht es für den VfL am kommenden Sonntag, 13. September, erneut um 13.30 Uhr an der Bremer Brücke. Dann ist Hertha BSC zu Gast. Am 19. September steht anschließend das Auswärtsspiel in Kiel auf dem Programm.

Unsere aktuellen VfL-Podcasts und Kallas Einwürfe gibt es rund um die Uhr zu hören. Ansonsten werden der aktuelle VfL-Podcast jeden Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr auf OS-Radio 104,8 übertragen und „Kallas Einwurf“ jeden Montag und Freitag mehrmals am Tag.
Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird seit Anfang 2026 um ein weiteres Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Zur Information: Unsere Spielberichte werden wie ein Liveticker direkt am Laptop verfasst und gleich nach Schlusspfiff ohne Netz und doppelten Boden ins Internet gesetzt. Die Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ wird, falls notwendig, mitunter erst einige Stunden nach dem Spiel vervollständigt, dasselbe gilt für Korrekturen von Tippfehlern.

 

Vor dem Spiel

Nach dem großen Pokalabend gegen Bayern ist an der Bremer Brücke wieder Liga-Alltag angesagt – wobei „Alltag“ bei einem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig vermutlich das falsche Wort ist. Beide Mannschaften stehen nach drei Spielen bei drei Punkten, der VfL kommt mit dem 1:0 in Bochum im Rücken und könnte heute gleich mehrere Neuzugänge erstmals im Pflichtspiel einsetzen.

Nach dem 1:4 gegen Bayern habe ich in meiner Kolumne noch geschrieben: Bayern gewinnt das Spiel, die VfL-Fanszene gewinnt den Fußball. Heute darf es gern etwas konventioneller laufen: Die Fans gewinnen den Fußball – und der VfL am besten gleich das Spiel dazu.

Timo Schultz hat sich für diese Startelf entschieden:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Jacobsen, Wagner, Gómez – Beck, Meißner, Badjie.


Beginn

Schiedsrichter Wolfgang Haslberger (33) aus St. Wolfgang, das liegt im Landkreis Erding, pfeift bei Temperaturen um die 20 Grad und leicht bewölktem Himmel an. Die Eintracht hat Anstoß und spielt zunächst in Richtung Ostkurve.

In den ersten Minuten wird hier Fußball mit angezogener Handbremse gespielt. Braunschweig presst ein bisschen, der VfL schaut sich das in Ruhe an. Die erste Ecke der Lila-Weißen brachte immerhin kurz so etwas wie Aufregung – mehr aber auch nicht.

Nur wenig später muss Müller als letzter Mann gegen Entrup ran, der anschließend reklamiert, als hätte man ihm gerade den Hauptgewinn gestrichen. Für mich klar: Müller spielt den Ball. Also Aufregung wieder einpacken.

Nach einer knappen Viertelstunde wird es erstmals ungemütlich vor unserem Tor. Nach einer Braunschweiger Ecke muss Krumrey gleich dreimal ran: erst fausten, dann Aydins Schuss aus der zweiten Reihe abwehren und schließlich sicher zupacken. Mir war die gepflegte Langeweile der ersten Minuten fast lieber.


Nach einer Viertelstunde …

… bleibt das hier eine ausgesprochen vorsichtige Angelegenheit. Beide Mannschaften gehen hinten lieber einmal zu viel auf Nummer sicher und schlagen den Ball notfalls ins Aus, bevor daraus irgendein Unsinn entsteht.

Braunschweig wird danach etwas mutiger und holt sich gleich mehrere Ecken. Nach rund 20 Minuten dann plötzlich die erste richtig dicke Chance: Hoti kommt zum Schuss, Müller fälscht noch ab – und der Ball klatscht an den Pfosten. Da dürfen Krumrey und wir alle einmal tief durchatmen.

Kurz darauf sieht Fridolin Wagner die erste Gelbe Karte des Spiels.

Kurz darauf versucht es Sturm aus rund 18 Metern flach aufs Tor. Krumrey packt sicher zu. Wenigstens einer bleibt hier völlig unaufgeregt.

Dann will Badjie einen langen Ball mit der Brust mitnehmen, bekommt ihn aber nicht recht unter Kontrolle. Hoffmann sagt danke und beendet den Angriff. Nach einer knappen halben Stunde wartet der VfL weiter auf die erste richtig gefährliche Szene vor dem Braunschweiger Tor.

Nach einer knappen halben Stunde ist Braunschweig hier das klar bessere Team. Die Gäste wirken wacher, zielstrebiger und kommen immer wieder in gefährliche Räume. Beim VfL dagegen läuft inzwischen ein kleines Fehlpassfestival – leider ohne Zugabe und erst recht ohne Unterhaltungswert.

Der VfL wirkt erschreckend passiv und findet offensiv praktisch gar nicht statt. Braunschweig bestimmt das Spiel, während bei uns im Sturm derzeit eher Anwesenheitspflicht als Torgefahr herrscht.

Das Bild bleibt unverändert: Braunschweig macht das Spiel, der VfL verwaltet vor allem die eigene Harmlosigkeit. Opokus Flanke ist noch zu ungenau, kurz darauf schlägt Gómez bei einer Hereingabe ein Luftloch – zum Glück ohne Folgen.

Dann muss wieder Krumrey ran. Erst baggert er einen Distanzschuss von Sturm zur Seite, wenig später ist er erneut hellwach und kommt rechtzeitig aus seinem Tor, bevor Marie abschließen kann. Ohne Krumrey sähe mir das hier inzwischen deutlich ungemütlicher aus.

Zwischendurch löst sich der VfL einmal schön aus dem Mittelfeld, doch Badjies Steckpass auf Gómez landet im Seitenaus. Bezeichnend für diese erste Hälfte: Sobald es interessant werden könnte, ist der Ball weg.

Kurz vor der Pause versucht der VfL wenigstens einmal, so etwas wie einen Konter aufzuziehen. Gómez steht allerdings deutlich im Abseits – schade, denn Meißner wäre daneben deutlich besser positioniert gewesen.

Nach 42 Minuten gibt es tatsächlich den ersten Osnabrücker Abschluss. Kammerbauer schlenzt den Ball allerdings einige Meter am Tor vorbei. Ich verbuche das trotzdem einmal unter Lebenszeichen.

Auf der Gegenseite bleibt Krumrey weiter der wichtigste Mann in Lila-Weiß. Nach einem Gestochere am Pfosten behält er den Überblick und begräbt den Ball unter sich. Bislang verhindert vor allem er, dass diese schwache erste Hälfte noch unangenehmer aussieht.

Halbzeitfazit

Pünktlich ist Pause – und ich kann nicht behaupten, dass mir diese erste Hälfte fehlen wird. Der VfL offensiv praktisch nicht existent, ein einziger harmloser Abschluss ist die komplette Ausbeute. Braunschweig ist das klar bessere Team, ohne daraus bislang Kapital zu schlagen. Ein Pfostentreffer, mehrere ordentliche Annäherungen – und immer wieder Krumrey als Lebensversicherung des VfL. Dass es hier noch 0:0 steht, ist aus Osnabrücker Sicht momentan die beste Nachricht.

Für die zweite Hälfte kann es eigentlich nur heißen: früher stören, sauberer passen und endlich selbst mal dafür sorgen, dass der gegnerische Torwart seinen Beruf ausüben muss. Noch ist hier alles drin – aber der VfL muss jetzt deutlich mehr anbieten.


Der VfL wechselt zur Pause …

… und Timo Schultz bringt Daniel Kofi Kyereh für Fridolin Wagner. Offenbar war auch auf der Bank aufgefallen, dass nach vorn noch etwas passieren sollte.

Und tatsächlich: Kaum läuft die zweite Hälfte, spielt Kammerbauer eine flache Hereingabe schön in den Rücken der Abwehr. Kyereh lauert schon, kommt aber einen Hauch zu spät. Immerhin – das sieht jetzt schon ein bisschen mehr nach Fußball aus.

Und dann die 52. Minute: Daniel Kofi Kyereh! Jacobsen köpft aufs Tor, Hoffmann kann nur nach vorne abwehren, Fabinski bringt den Ball noch einmal hinein – und der eingewechselte Kyereh steht genau richtig und schiebt aus kurzer Distanz zum 1:0 ein.

Und für Kyereh ist es tatsächlich das erste Punktspieltor im VfL-Trikot. Nach seiner langen Leidenszeit mit schwerer Verletzung und jahrelangen Folgen kommt er zur Pause rein und trifft praktisch mit der ersten Gelegenheit. Geschichten wie diese schreibt der Fußball dann eben doch gelegentlich besser, als ich es könnte.

Kaum ist der Jubel verklungen, wird es schon wieder gefährlich im Braunschweiger Strafraum. Hoffmann und seine Vorderleute bekommen die Situation gerade noch irgendwie bereinigt. Der VfL ist nach der Pause kaum wiederzuerkennen. Selbst die Statistik dreht sich binnen weniger Minuten zugunsten des VfL: 1.20 : 0.84 xGoals.


Nach 60 Minuten …

… bleibt der VfL am Drücker. Badjie zwingt Hoffmann immerhin zu einer Parade, wenn auch keiner sonderlich anspruchsvollen. Braunschweig reagiert mit zwei Wechseln und bringt Junior Zé sowie Urbich.

Nach gut einer Stunde profitiert Kyereh beinahe von einem Missverständnis in der Braunschweiger Abwehr. Plötzlich liegt der Ball wieder vor seinen Füßen, und aus der zweiten Reihe prüft er Hoffmann. Der ist diesmal auf dem Posten.

Kyereh scheint sich jedenfalls vorgenommen zu haben, seinen Einstand nicht bei einem einzigen schönen Moment zu belassen.

Rund 20 Minuten vor Schluss versucht es Aydin aus der Distanz, doch der Ball rollt deutlich am Osnabrücker Tor vorbei.

Dann kommt Münst für Badjie. Braunschweig wechselt kurz darauf ebenfalls noch einmal und bringt Mijatovic für Entrup.

Wenig später hat Meißner das 2:0 auf dem Fuß, kommt aus halbrechter Position aber nur ans Außennetz. Der Winkel war spitz, der Gegner dran – trotzdem: Der VfL ist jetzt deutlich näher am zweiten Treffer als in der gesamten ersten Hälfte am ersten.

Eine Viertelstunde vor Schluss zerrt Aydin Münst ziemlich deutlich am Trikot und sieht dafür Gelb. Offenbar wollte er sich noch einmal persönlich davon überzeugen, ob Münst tatsächlich eingewechselt worden ist.

Und dann klingelt es! Beck bringt die nächste Ecke an den zweiten Pfosten, dort steigt „Air“ Jacobsen völlig unbedrängt hoch und hämmert den Ball per Kopf aus fünf Metern zum 2:0 ins Netz. Nach dieser ersten Hälfte hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass ich hier noch einen derart entspannten Sonntagnachmittag erleben würde. Es steht tatsächlich 2:0 für den VfL.

Braunschweig reagiert mit weiteren Wechseln, aber im Moment spricht hier sehr viel für den VfL. Aus einem erschreckend passiven Auftritt vor der Pause ist nach dem Seitenwechsel plötzlich eine Mannschaft geworden, die das Spiel kontrolliert und ihre Chancen nutzt.

Und dann wird es richtig deutlich: Hoffmann kann einen Schuss von Gómez nur abklatschen lassen, Münst setzt nach, der Ball landet schließlich bei Meißner – und der schiebt zum 3:0 ein. Nach dieser ersten Halbzeit muss ich mich inzwischen ernsthaft fragen, ob da in der Pause dieselben Spieler wieder aus der Kabine gekommen sind.

Braunschweig gibt sich allerdings noch nicht völlig geschlagen. Sturm zieht kurz darauf los, Krumrey bekommt gerade noch die Fingerspitzen an den Ball und lenkt ihn an die Latte. Den Nachschuss hält er dann sicher. Dieser Mann hat heute wirklich alles im Griff, was irgendwie in seine Richtung fliegt.

In der Schlussphase bringt Schultz noch einmal frische Kräfte: Raimund kommt für Meißner, Faber für Gómez. Der darf damit nach seinem Startelfdebüt Feierabend machen.

Ganz ohne kleinen Schönheitsfehler geht es offenbar nicht: Kurz vor Schluss gewinnt Braunschweig noch einmal den Ball, Urbich legt auf Sturm ab und der trifft flach zum 3:1. Für Krumrey ist da nichts zu machen. Ärgerlich – gerade weil er sich den Nachmittag zuvor so eindrucksvoll sauber gehalten hatte.

Vier Minuten werden nachgespielt. Mijatovic versucht es gleich noch einmal aus der Drehung, verfehlt das Tor aber um rund anderthalb Meter. Ich hätte gegen eine völlig ereignislose Nachspielzeit jetzt wirklich überhaupt nichts einzuwenden.


Fazit:

Dr. Jekyll und Mr. Hyde in Lila-Weiß. Nach einer erschreckend harmlosen ersten Hälfte zeigt der VfL nach der Pause plötzlich ein völlig anderes Gesicht und verdient sich den zweiten Saisonsieg. Kyereh, Jacobsen und Meißner sorgen für die Tore, Krumrey hält hinten fast alles – und Braunschweig wacht erst auf, als es längst zu spät ist. 3:1 am Ende. Nach den ersten 45 Minuten hätte ich darauf keinen Pfifferling gesetzt. Umso lieber nehme ich die drei Punkte jetzt mit.

Weiter geht es für den VfL am kommenden Sonntag, 13. September, erneut um 13.30 Uhr an der Bremer Brücke. Dann ist Hertha BSC zu Gast. Am 19. September steht anschließend das Auswärtsspiel in Kiel auf dem Programm.


Zahlen, Daten & Fakten

 

Zuschauer*innen: 15.741, davon 1.400 aus Braunschweig

Tore:
1:0 Kyereh (52.)
2:0 Jacobsen (76.)
3:0 Meißner (80.)
3:1 Sturm (88.)

Gelbe Karten:
(22.) Wagner
(59.) Ehlers
(75.) Aydin
(80.) Katterbach
(90.+2) Flick

Gelb-Rote Karten:
(.)

Rote Karten:
(.)

VfL Osnabrück
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Jacobsen, Wagner, Gómez – Beck, Meißner, Badjie.
Trainer: Timo Schultz

Eintracht Braunschweig
Hoffmann – Aydin, Ehlers, Hoti, Sanchez – Flick – Benedetto, Marie – Opoku, Entrup, Sturm
Trainer: Lars Kornetka

Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (33) aus St. Wolfgang




Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 30. November 1947(!) 82-mal in Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 25-22-35.  Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de“.

Tabellarisches:
Gibt es hier erst ab dem 5. Spieltag


Ergebnisse und Tabelle der 2. Liga

spot_img
6.9.2026spot_img
13. September 2026spot_img
September 2026spot_img
13. September 2026spot_img
6.9.2026spot_img
13. September 2026spot_img
erscheint September 2026spot_img
Oktober 2023spot_img
Oktober 2025spot_img
6.9.2026spot_img
August 2024spot_img
August 2024spot_img
Juni 2025spot_img
2015spot_img