Der VfL beginnt die Saison vor 1.200 mitgereisten Fans nach einem großartigen Spiel mit einer 4:3-Niederlage beim 1. FC Heidenheim. Eine Niederlage, die aufgrund der spielerisch wie kämpferisch tollen Leistung des VfL Hoffnung macht.
Am kommenden Samstag geht es dann an der Bremer Brücke gegen den 1. FC Magedburg weiter.
Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird seit der Rückserie um ein weiteres Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Zur Information: Unsere Spielberichte werden wie ein Liveticker direkt am Laptop verfasst und gleich nach Schlusspfiff ohne Netz und doppelten Boden ins Internet gesetzt. Die Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ wird, falls notwendig, mitunter erst einige Stunden nach dem Spiel vervollständigt, dasselbe gilt für Korrekturen von Tippfehlern.
Vor dem Spiel
Mit Krumrey im Tor und Faber auf der rechten Schiene stehen gerade einmal zwei Neuzugänge von Beginn an auf dem Platz. Der große Umbruch findet zum Saisonauftakt also zunächst überwiegend auf der Bank statt.
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Faber, Jacobsen, Wagner, Kammerbauer – Kopacz, Meißner, Badjie
Auch meteorologisch hat Heidenheim offenbar mitgedacht: Bis auf die unteren Reihen der Nordtribüne sitzen oder stehen praktisch alle im Schatten. Bei rund 15.000 Zuschauern durchaus bemerkenswert, denn über dem Stadion hängt kein einziges Wölkchen, das Thermometer zeigt 27 Grad.
Beginn
Schiedsrichter Eric Weisbach (29) aus Halle pfeift pünktlich an.
Die ersten Minuten gehören zunächst den Heidenheimern. Nach vier Minuten zielt Honsak nur knapp über das VfL-Tor – der erste Warnschuss des Nachmittags.
Eine Minute später meldet sich auch der VfL vorne an: Kopacz bringt den Ball gefährlich ins Zentrum, doch Meißner und Badjie verpassen knapp. In der achten Minute versucht es Badjie selbst, marschiert von der Mittellinie los und zwingt FCH-Keeper Feller erstmals zum Eingreifen. Die anschließende Ecke sorgt für gepflegtes Chaos im Heidenheimer Strafraum.
Dann schlägt Heidenheim in der 10. Minute zu: Costly hat halbrechts Platz, steckt auf Zivzivadze durch, der eiskalt ins lange Eck vollendet. Keine Chance für Krumrey – 1:0. Und das nach dem guten Auftakt des VfL.
Nach einer Viertelstunde …
… fängt sich der VfL beinahe das 2:0. Zum Glück steht Zivzivadze im Abseits, womit der VAR bislang zum besten VfL-Abwehrspieler avanciert.
Der VfL versteckt sich aber keineswegs, steht nicht besonders tief, sucht Ballgewinne und traut sich einiges zu. Ganz ungefährlich ist das nicht – gelegentlich riecht es nach offenem Feuer.
Heidenheim wird druckvoller. Mhamdi zieht aus der zweiten Reihe ab, Jacobsen blockt mit dem Kopf – eine dieser Aktionen, bei denen der Trainer klatscht und der Schädel eher nicht. Auch danach muss der VfL einige Abschlüsse wegverteidigen, bleibt aber selbst gefährlich.
Und dann fällt der aus meiner Sicht verdiente Ausgleich: Nach einer abgewehrten Ecke flankt Faber butterweich an den Fünfer, Wiemann setzt sich durch und köpft ins lange Eck. Die Heidenheimer Abwehr schaut dabei ein wenig so aus, als hätte sie für diese Szene nur Zuschauerplätze gebucht.
1:1 – der VfL ist wieder voll im Spiel und bekommt nun mehr Ballbesitz. Doch Heidenheim bleibt gefährlich.
Wenig später pariert Krumrey zunächst glänzend gegen Mhamdi, doch Honsak nimmt den Abpraller auf, legt quer auf Costly – und der schiebt ins leere Tor ein. 2:1 in der 29. Minute. Ausgerechnet in der bislang besten Phase des VfL.
Der VfL lässt sich davon erstaunlich wenig beeindrucken. Badjie kommt gefährlich zum Abschluss, Siersleben klärt gerade noch zur Ecke.
Und dann zaubert David Kopacz: Am linken Sechzehnereck schaut er kurz hoch und zirkelt den Ball mit rechts derart elegant ins lange Eck, dass Feller nur noch hinterherschauen darf. Ein Traumtor. Eins von der Sorte, bei der der Torschütze später natürlich versichern wird, dass der Ball exakt dorthin sollte. Großartig! 2:2 in der 34. Minute.
Nach gut einer halben Stunde ist hier bereits mehr los als in manchem Spiel der Vorsaison.
Kurz vor der Pause hat der VfL sogar die Riesenchance zur Führung. Nach einer Ecke kommt Fabinski nahe des Elfmeterpunkts zum Abschluss, doch der Schuss wird geblockt. Wenig später sieht Wagner Gelb, vier Minuten Nachspielzeit gibt es obendrauf.
Und dann passiert das, was Heidenheim an diesem Nachmittag offenbar besonders gern macht: in Führung gehen.
Eine Ecke fliegt an den Fünfmeterraum, Schöppner gewinnt das Kopfballduell gegen Jacobsen und köpft zum 3:2 ein. Zum dritten Mal liegt der VfL zurück, zweimal ist er bereits wiedergekommen. 3:2 für Heidenheim in der 45.+2 Minute.
Halbzeitfazit
Was für eine erste Halbzeit: fünf Tore, reichlich Tempo und erstaunlich wenig Zeit zum Durchatmen. Ich sehe einen VfL, der defensiv durchaus anfällig ist und phasenweise mächtig unter Druck gerät. Aber ich sehe eben auch einen Aufsteiger, der seine Nadelstiche richtig gut setzt und den FCH damit immer wieder vor Probleme stellt.
Wenn ich es vorsichtig formulieren soll, setzt sich bislang vor allem die Erfahrung und Cleverness des Bundesliga-Absteigers durch. Chancenlos ist der VfL hier aber ganz sicher nicht. Zweimal ist er bereits nach einem Rückstand zurückgekommen – warum also nicht noch ein drittes Mal? Ich bin jedenfalls gespannt auf die zweite Hälfte. Und nach diesen ersten 45 Minuten wage ich keine Prognose.
Beide Teams gehen unverändert in die zweite Hälfte …
… und ich frage mich zunächst, ob der VfL zum dritten Mal die richtige Antwort findet. Der erste vorsichtige Vorstoß kommt in der 48. Minute: Kammerbauer chippt den Ball in den Strafraum, Meißner verpasst knapp, Mainka klärt.
Auf der Gegenseite jagt Beck den Ball aus guter Position deutlich über das Tor. Kurz darauf versucht es Mhamdi aus 16 Metern, verzieht aber ebenfalls.
Dann erhält der VfL in der 53. Minute rechts einen Freistoß in ordentlicher Position. Kammerbauer bringt ihn scharf in den Fünfer, doch Heidenheim kann per Kopf klären.
Der VfL bleibt dran. Meißner setzt einen Freistoß zunächst in die Mauer, kurz darauf versucht es Jacobsen flach aus der Distanz – und da fehlt gar nicht viel.
Was mir gefällt: Heidenheim kann sich keineswegs gemütlich zurücklehnen und auf das vierte Tor warten. Der VfL verteidigt teilweise schon tief in der gegnerischen Hälfte und hält den Druck hoch. Nach knapp einer Stunde bin ich deshalb weiterhin der Meinung: Hier geht noch was.
Nach 60 Minuten …
… gleich eine ärgerliche Szene: Der gerade erst eingewechselte Conteh geht ohne Fremdeinwirkung zu Boden und fasst sich an den hinteren Oberschenkel. Sein Arbeitstag ist damit schon wieder beendet, Kerber kommt für ihn.
Sportlich bleibt Heidenheim gefährlich. Fabinski verteidigt im eigenen Strafraum stark gegen Zivzivadze, kurz darauf schießt Beck aber weder scharf noch platziert genug – Krumrey hat keine Mühe.
In der Trinkpause, ehemals Hydration Break, kommt Tony Lesueur für Konrad Faber ins Spiel.
Heidenheim verteidigt inzwischen konzentrierter, deshalb bleibt das große Chancenfeuerwerk in der zweiten Hälfte bislang aus. Trotzdem habe ich jederzeit das Gefühl, dass hier noch ein Tor fallen kann.
Und der VfL gefällt mir heute wirklich gut: direkt, mutig und immer wieder ansehnlich nach vorne. Nach 75 Minuten kann ich eigentlich nur sagen: Das sieht bislang ziemlich ordentlich aus.
In der Schlussphase läuft dem VfL langsam die Zeit davon. Kammerbauer stößt Pieringer im Strafraum, für einen Elfmeter reicht das aber nicht. Kurz darauf versucht es Meißner aus der Mitteldistanz, doch den Flanken und Abschlüssen fehlt inzwischen ein wenig die letzte Präzision.
Und dann scheint in der 89. Minute der berühmte Deckel drauf zu sein: Costly bringt eine Ecke herein, Pieringer köpft zum 4:2 ein. Costly damit mit seiner dritten direkten Torbeteiligung – kein ganz schlechter Einstand.
Aber der VfL gibt sich nicht geschlagen. Fünf Minuten werden nachgespielt, und gleich zu Beginn gibt es Handelfmeter: Busch will bei einem Freistoß sein Gesicht schützen, macht das allerdings mit weit ausgestreckten Armen. Meißner tritt an, Feller ist sogar in der richtigen Ecke, kann den Einschlag aber nicht verhindern.
4:3 in der 90.+2 Minute. Und plötzlich frage ich mich wieder: Geht hier tatsächlich noch etwas? Der Vfl bleibt bis zum Abpfiff am Drücker, aber es reicht am Ende leider nicht.
Fazit
Der VfL beginnt die Saison vor 1.200 mitgereisten Fans nach einem großartigen Spiel mit einer 4:3-Niederlage beim 1. FC Heidenheim. Eine Niederlage, die aufgrund der spielerisch wie kämpferisch tollen Leistung des VfL Hoffnung macht.
Am kommenden Samstag geht es dann an der Bremer Brücke gegen den 1. FC Magedburg weiter.
Zahlen, Daten & Fakten
Zuschauer*innen: 15.000, davon 1.200 aus Osnabrück
Tore:
1:0 Zivzivadze (10.)
1:1 Wiemann (23.)
2:1 Costly (29.)
2:2 Kopacz (37.)
3:2 Schöppner (45.+2)
4:2 Pieringer (89.)
4:3 Meißner (90.+2 / Elfmeter)
Gelbe Karten:
(13.) Badjie
(45.+1) Wagner
(54.) Mhamdi
Gelb-Rote Karten:
(.)
Rote Karten:
(.)
1. FC Heidenheim
Feller – Mhamdi (59. Busch), Mainka, Siersleben, Föhrenbach – Schöppner, Beck (87. Henrich) – Costly, Honsak (59. Conteh – 66. Kerber) – Zivzivadze, Pieringer
Trainer: Frank Schmidt
VfL Osnabrück
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Faber (69. Lesueur), Jacobsen, Wagner (80. Henning), Kammerbauer (90. Opitz) – Kopacz (80. Riesselmann), Meißner, Badjie (80. Münst)
Trainer: Timo Schultz
Schiedsrichter: Eric Weisbach (29) aus Halle
Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 5. September 2009 zwölfmal in Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 4-3-5. Hier geht es zur kompletten Statistik von “weltfussball.de“.
Tabellarisches:
Gibt es hier erst ab dem 4. Spieltag
Ergebnisse und Tabelle der 2. Liga













