Der VfL verliert gegen Hertha 1:3 – und weiß selbst nicht so recht, warum

Der VfL verliert trotz starker Leistung gegen Spitzenreiten Hertha BSC 1:3. Der VfL war über weite Strecken ein absolut gleichwertiger Gegner und es gab durchaus Zeitpunkte im Spiel, da hätte diese Partie auch zugunsten des VfL ausgehen können.

Nach Hertha muss der VfL am 19. September um 13 Uhr in Kiel ran. Am 3. Oktober um 15.30 Uhr kommt Djurgårdens IF zur Kür an die Bremer Brücke. Danach wird’s wieder ernst: 10. Oktober, 13 Uhr gegen Dresden an der Brücke, 18. Oktober, 13.30 Uhr in Bielefeld.

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Vor dem Spiel

Heute ist tatsächlich Spitzenspiel an der ausverkauften Bremer Brücke. Und wenn der VfL gewinnt, stehen nach fünf Spieltagen neun Punkte auf dem Konto – dann wird aus dem klammheimlichen Blick nach oben bei uns VfLern langsam ein ziemlich schlecht verstecktes Grinsen. Aber bleiben wir lieber bescheiden.

Timo Schultz hat sich für diese Startelf entschieden:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Jacobsen, Wagner, Gomez – Beck, Meißner, Münst


Beginn

Schiedsrichter Felix Weller (31) aus Siegen pfeift bei Temperaturen um die 18 Grad und bewölktem Himmel an. Die Hertha hat Anstoß und spielt zunächst in Richtung Ostkurve.

Der Ball rollt an der Bremer Brücke, und ich sehe zunächst einen VfL, der sich vom Tabellenführer erstaunlich wenig beeindrucken lässt. Schon nach vier Minuten hat Adewumi die erste richtige VfL-Chance: zentral vor dem Strafraum, eigentlich genug Platz – nur der Abschluss gerät ihm völlig daneben. Da war deutlich mehr drin. Hertha hat mehr Ball, der VfL dafür bislang die klareren Ideen.

Als Wiemann nach sieben Minuten aus rund 13 Metern drüberzieht, bin ich kurz davor, schon einmal vorsorglich aufzuspringen. Drei Minuten später sieht Brekalo nach hohem Fuß gegen Fabinski Gelb. Mein Zwischenfazit nach zehn Minuten: Hertha ist Tabellenführer – gesehen habe ich davon bisher noch nicht allzu viel.

Nach zwölf Minuten muss Krumrey erstmals ernsthaft ran, als Thorsteinsson artistisch verlängert – zum Glück genau in seine Arme. Hertha kommt jetzt häufiger, aber der VfL hält dagegen und wirkt für mich keineswegs wie die Mannschaft, die hier nur auf Schadensbegrenzung aus ist.


Nach einer Viertelstunde …

… ist das Spiel völlig ausgeglichen. Der VfL steht hinten stabil und stresst hin und wieder auch die Berliner Abwehr.

In der 17. Minute schenkt Brekalo Meißner mit einem völlig missratenen Rückpass praktisch die Führung auf dem Silbertablett. Gersbeck verhindert sie. Drei Minuten später ist Meißner wieder durch, sein abgefälschter Schuss landet auf dem Tornetz. Spätestens jetzt denke ich: Wenn der VfL hier mutig bleibt, ist gegen diesen Tabellenführer einiges drin.

Gomez verzieht anschließend, Müller kocht Adewumi im eigenen Strafraum sauber ab. Erst in der 23. Minute wird es richtig brenzlig, als Krumrey eine Flanke nicht entscheidend klärt und Grönning aus kurzer Distanz zu überrascht ist. Da hatten wir Glück. Aber bis hierhin gilt: Hertha hat den größeren Namen, der VfL die besseren Momente.

Nach 25 Minuten ist das hier längst kein einseitiges Spitzenspiel: vier Abschlüsse auf beiden Seiten, nur beim Ballbesitz liegt Hertha mit rund 60 Prozent vorne. Den dürfen die Berliner gern haben, solange der VfL weiter so gefährlich bleibt.

In der 28. Minute wird es allerdings brenzlig. Hertha kombiniert stark über links, Thorsteinsson zieht nach Pedersens Rücklage sofort ab – doch Jacobsen wirft sich dazwischen und rettet mit dem Fuß. Ganz starke Aktion.

Drei Minuten später setzt der VfL selbst wieder ein Ausrufezeichen: Beck nimmt Gomez mit, der aus halblinker Position abzieht und Gersbeck im kurzen Eck zu einer starken Parade zwingt.

Ab der 33. Minute erhöht Hertha den Druck. Erst zieht Brekalo halblinks im Strafraum ab, doch Krumrey ist mit den Händen dran und lenkt den Ball über die Latte. Drei Minuten später muss der VfL-Keeper erneut ran, diesmal gegen Thorsteinsson aus kurzer Distanz – wieder steht Krumrey genau richtig.

Der VfL bleibt bissig. Gechter kommt im Mittelkreis gegen Jacobsen zu spät und sieht Gelb. Hertha versucht es danach weiter über Adewumi, der sich rechts in den Strafraum dribbelt, dort aber hängen bleibt.

In der 40. Minute muss Gersbeck dann weit vor seinem Tor mit dem Kopf klären. Hertha hat momentan etwas mehr Zug zum Tor, aber der VfL hält weiter sauber dagegen – und vor allem Krumrey sorgt dafür, dass an der Bremer Brücke die Null steht.

In der 45. Minute bekommt Thorsteinsson nach einer zu kurzen Abwehr noch einmal die Chance, sein Flachschuss ist für Krumrey jedoch sichere Beute. Dann ist Halbzeit.

Halbzeitfazit

0:0 – und das völlig verdient. Der VfL hält gegen den Tabellenführer nicht nur ordentlich mit, sondern hatte selbst einige gute Möglichkeiten. Hertha wurde erst später gefährlicher, scheiterte aber immer wieder an der Osnabrücker Abwehr. Für einen Aufsteiger sieht unser VfL bislang verdammt erwachsen aus.


Beide Teams gehen unverändert in die zweite Hälfte …

… verändert hat sich aber das Wetter, denn es gießt in Strömen.

Dann erwischt es den VfL nach 50 Minuten. Krumrey boxt eine Hereingabe driekt nach vorne vor den eigenen Strafraum, dort nimmt Brekalo den Ball auf und hämmert ihn präzise unten links zum 0:1 hinein. Stark gemacht, aber nach dieser ersten Hälfte fühlt sich der Rückstand aus VfL-Sicht trotzdem ziemlich unverdient an. Fast gleichzeitig sieht Beck nach einem Foul an Adewumi Gelb.

Der VfL lässt sich von dem Rückstand nicht lange beeindrucken und drängt auf den Ausgleich. Münst zieht in der 57. Minute ab, Klemens blockt mit abgespreiztem Arm. Nach VAR-Hinweis schaut sich Schiedsrichter Weller die Szene selbst an und entscheidet auf Handelfmeter.

Meißner übernimmt – und scheitert an Gersbeck. Auch die anschließende VAR-Prüfung ändert nichts daran. Bitterer geht’s kaum: Der VfL bekommt die große Chance zum hochverdienten Ausgleich auf dem Silbertablett serviert und lässt sie liegen.


Nach 60 Minuten …

… steckt der VfL nicht auf. Müller wuchtet sich in den Strafraum, Wagner versucht es aus der Distanz und kurz darauf kommt Meißner nach einer scharfen Flanke zum Kopfball – knapp vorbei. Osnabrück sucht weiter den Ausgleich und bringt mit Kyereh noch einmal frische Offensivkraft.

Doch dann zeigt Hertha, warum es bislang ohne Punktverlust durch die Saison marschiert. Erst rettet Krumrey in der 69. Minute stark gegen den gerade eingewechselten Nilsson. Nur eine Minute später fällt das 0:2: Nach einer Ecke springt der Ball unglücklich von Meißner genau vor die Füße von Sessa, der aus acht Metern nicht lange fragt.

Das ist bitter. Der VfL hält hier lange auf Augenhöhe mit, lässt die große Ausgleichschance vom Punkt liegen – und plötzlich steht es 0:2.

Der VfL ist längst nicht tot. Müller verpasst knapp, Wagner köpft auf Gersbeck – und dann dreht Gomez auf: Erst zwingt er den Hertha-Keeper zu einer starken Parade, zwei Minuten später jagt er den Ball zum 1:2 über den Innenpfosten ins Netz. Plötzlich bebt die Bremer Brücke wieder, plötzlich ist alles offen.

Und genau jetzt beginnt diese Phase, in der bei uns keiner mehr sitzt und jeder zweite Ball irgendwie nach Ausgleich riecht.

Hertha versucht jetzt, das Spiel irgendwie über die Zeit zu bringen. Klemens muss verletzt raus, für ihn kommt Telib zu seinem Debüt, außerdem ersetzt Gouram Thorsteinsson.

Der VfL wirft weiter alles nach vorne, die Bremer Brücke glaubt längst wieder an den Ausgleich. Jede geklärte Hertha-Aktion wird jetzt nur noch zur Einladung für den nächsten Osnabrücker Anlauf – und die letzten Minuten dürften ziemlich lang werden. Für Hertha jedenfalls.

Sechs Minuten Nachspielzeit – und ich habe tatsächlich noch an den einen letzten wilden VfL-Moment geglaubt. Doch dann läuft Osnabrück in genau den Konter, den man sich in so einer Phase nicht erlauben darf. Alfa-Ruprecht ist durch und macht das 1:3.

Danach verhindert Krumrey sogar noch Schlimmeres. Für mich bleibt deshalb vor allem dieses Gefühl: Der VfL verliert hier klar auf dem Papier, aber längst nicht so klar auf dem Platz. Und genau das macht diese Niederlage so ärgerlich.

Das war’s dann wohl. Schade, denn der VfL hatte Hertha lange genug am Rand eines Punktverlustes. Das Ergebnis sieht am Ende deutlicher aus, als dieses Spiel tatsächlich war.


Fazit:

Der VfL verliert trotz starker Leistung gegen Spitzenreiten Hertha BSC 1:3. Der VfL war über weite Strecken ein absolut gleichwertiger Gegner und es gab durchaus Zeitpunkte im Spiel, da hätte diese Partie auch zugunsten des VfL ausgehen können.

Nach Hertha muss der VfL am 19. September um 13 Uhr in Kiel ran. Am 3. Oktober um 15.30 Uhr kommt Djurgårdens IF zur Kür an die Bremer Brücke. Danach wird’s wieder ernst: 10. Oktober, 13 Uhr gegen Dresden an der Brücke, 18. Oktober, 13.30 Uhr in Bielefeld.


Zahlen, Daten & Fakten

 

Zuschauer*innen: 15.741, davon 1.400 aus Berlin

Tore:
0:1 Brekalo (50.)
0:2 Sessa (70.)
1:2 Gomez (82.)
1:3 Alfa-Ruprecht (90.+2)

Gelbe Karten:
(10.) Brekalo
(37.) Gechter
(50.) Beck
(55.) Fabinski

Gelb-Rote Karten:
(.)

Rote Karten:
(.)

VfL Osnabrück
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Jacobsen, Wagner, Gomez – Beck, Meißner, Münst.
Trainer: Timo Schultz

Hertha BSC
Gersbeck – Eitschberger, Gechter, Kolbe, Pedersen – Klemens, Sessa – Thorsteinsson, Adewumi, Brekalo – Grönning
Trainer: Stefan Leitl

Schiedsrichter: Felix Weller (31) aus Siegen




Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 14. November 1980 21-mal in Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 7-4-10.  Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de“.

Tabellarisches:
Gibt es hier erst ab dem 5. Spieltag


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