Vorspiel im Wohnzimmer: VfL gegen Dynamo Dresden

Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird ab sofort um ein neues Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.

Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.

 

Vorschau auf das Heimspiel gegen Dynamo Dresden
mit persönlichen Einschätzungen von Janis Weber, Lars Mosel und Frank Schneider

Am 7. Spieltag treffen mit dem VfL Osnabrück und Dynamo Dresden am Samstag 10.10.2026 um 13:00 Uhr zwei Mannschaften aufeinander, die nur 3 Punkte trennen Dennoch begegnen sich komplett unterschiedliche Gefühlswelten, da der VfL auf dem 11. Platz stehend mit 7 Punkten im Gepäck ls Aufsteiger absolut im Soll ist. Dresden hingegen hatte nach der sehr starken Rückrunde in der letzten Saison eine ganz andere Erwartungshaltung, als nach 6 Spielen mit nur 4 Punkten auf dem vorletzten Platz zu stehen.  Auch wenn natürlich erst 6 Spiele gespielt wurden, hatte man Dresden deutlich stärker erwartet, zumal wichtige Leistungsträger aus der so starken letzten Rückrunde gehalten werden konnten.

Dennoch steht bisher nur ein Sieg am 2. Spieltag gegen Darmstadt (1:0) und ein Unentschieden in Braunschweig (2:2) am 5. Spieltag auf der Habenseite. In Nürnberg (0:3), in Heidenheim (3:5), gegen Bochum (1:2) und gegen Hertha (1:2) blieb die Mannschaft punktlos. Mit einem Torverhältnis von 8:14 und 4 gesammelten Punkten springt Tabellenplatz 17 dabei heraus, auch wenn man anmerken muss, dass die derzeitigen Top 3 Hertha, Nürnberg und Heidenheim bereits Gegner waren und bis auf das Spiel in Nürnberg durchaus akzeptable Leistungen gezeigt wurden und die Spiele mehr Punkte hätten bringen können.

Von insgesamt 20 Duellen zwischen Dynamo Dresden und der VfL Osnabrück konnte Dresden 8 Spiele gewinnen, während Osnabrück 6 Siege verbuchen konnte. 6 Partien endeten Unentschieden.

Hier ist allerdings zu beachten, dass der VfL in den ersten 7 Duellen nicht als Verlierer vom Platz ging. 4 Unentschieden und 3 Siege. Folgerichtig hat der VfL von den nächsten 13 Duellen nur noch 3 gewonnen und zweimal Unentschieden gespielt. Insbesondere die zwei verlorenen Relegationen bleiben dort negativ im Gedächtnis. Breide Male ging man hoffnungsvoll ins Rückspiel, da man beim ersten mal 1:1 in Dresden gespielt hat und beim zweiten Mal mit 1:0 zuhause erfolgreich war. Leider konnte man die Leistungen nicht bestätigen und die Spiele trugen wesentlich zum Status als Rekordrelegationsverlierer bei.

Der Blick auf die Kaderwerte zeigt den VfL auf dem 18.Platz mit einem Marktwert in Höhe von 13,00 Mio €. Dresden rangiert auf dem 14. Platz mit 20,98 Mio €.


Auf’m Platz

Dynamo spielt vornehmlich in einem 4:2:3:1 System. Als Stoßstürmer dient dabei der uns bestens bekannte Vicent Vermeij, der allerdings in dieser Saiso bisher auf nur ein Tor und zwei Torvorlagen kommt. Auffällig ist ohnehin, dass bei den erzielten 8 Toren nur der Rechtsverteidiger Jonas Sterner doppelt getroffen hat, die anderen 6 Tore wurden von 6 unterschiedlichen Spielern erzielt. Ebenso verhält es sich bei den Torvorlagen. Neben Vermeij hat kein Spieler mehr als eine Torvorlage. Offensiv spielt Dynamo sehr flexibel und ist nicht nur von einem Spieler abhängig. Allerdings erzielte man ja auch erst 8 Tore, was auch nicht gerade für überragende Offensivleistungen spricht. Das mag aber auch daran liegen, dass Dresden trotz Vincent Vermeij nur 44 Flanken geschlagen hat und damit auf Platz 16 in der Liga liegt. Der VfL ist in dieser Statistik auf dem letzten Platz, spielt aber auch ohne kopfballstarken Zielspieler und versucht folgerichtig, Tore anders zu erzielen.

In der Defensive versuchen es die Dynamos mit einer Viererkette vor Torwart Tim Schreiber und einem alleinigen Sechser Nicolai Rapp. Dabei zeigt sich bisher deutlich, dass die Achter Hauptmann und Wagner defensiv überfordert sind und die Abwehr nicht ausreichend unterstützen.

Hier ist allerdings davon auszugehen, dass Trainer Stamm, der bereits seit 2024/2025 im Amt ist, eine Lösung gefunden hat und Dresden mittlerweile ganz anders auftritt. Zuzutrauen ist es der Mannschaft und dem Trainer in jedem Fall.

Besonderen Augenmerk dürfte man auf Ben Bobzien (Marktwert 2,00Mio €), Kennedy Okpala (1,50Mio €) Patrice Covic (4,00Mio €) und Nicolai Rapp (1,00Mio €) legen dürfen, die allesamt  trotz hohen Potenzials in dieser Saison noch nicht ihre Leistungen abrufen können. Die Qualität des Kaders lässt allerdings erwarten, dass Dresden nicht bis zum Ende der Saison im Abstiegskampf verweilen, sondern zumindest im gesicherten Mittelfeld landen wird.

Auffällig in der bisherigen Spielanlage der Dynamos ist, dass die Laufleistung fast identisch mit dem VfL ist. Dresden 1. der zweiten Liga mit 737,2 kam und der VfL 3. Mit 732,9 km. Beim System sieht man allerdings deutlich Unterschiede, da Dresden über den Ballbesitz kommt. (Platz 6 mit 54% Ballbesitz), während der VfL bekanntlich auf Ballbesitz nicht so viele Wert legt (18. Platz mit 41%) und über schnelle Umschaltmomente und gewonnene Zweikämpfe zum Erfolg kommen möchte.


Gästeanhang

Der Dresdner Anhang ist als absolut problematisch einzuschätzen. Mehrfach zerlegten die Chaoten in schwarz-gelb Teile der Bremer Brücke und zeigen sich auch immer wieder konfliktbereit. Immer wieder fielen sie durch Ausschreitungen, Provokationen und Gewalttaten auf. Eine echte Problemszene in Deutschland, die aufgrund weitreichender rechter Gesinnung auf keinen Fall zu unserer Fanszene passt. Wie immer bleibt bei Besuchen der Dynamos zu hoffen, dass alles einigermaßen ruhig bleibt, die Beschädigungen im Rahmen bleiben und niemand verletzt wird.


Prognose Lars Mosel (Osnabrücker Rundschau)

Der VfL trifft auf eine verbesserte Mannschaft aus Sachsen, zeigt aber auch weiterhin, dass sie in dieser Liga bestehen können. Dresden versucht es über Ballbesitz, Lila-Weiss über Umschaltspiel. Nachdem unser Team in den ersten 20 Minuten eingeschnürt wird, fällt das 0:1 durch den formverbesserten Vermeij nach Flanke von Okpala. Zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient. In der Folgezeit berappelt sich der VfL und kommt seinerseits zu Konterchancen nach Ballgewinnen. Diese werden leider zuerst unsauber zu Ende gespielt. Obwohl Dresden weiterhin die (anscheinende) Kontrolle hat und auf das 0:2 geht, fällt der Ausgleich durch Robin Meißner in der zweiten Halbzeit nach Vorlage von Gomez. Beide Mannschaften haben noch Chancen zum Sieg, sind aber nicht zwingend genug und teilen sich folgerichtig die Punkte.


Prognose Janis Weber (Podcast Ostkurvenchor)

Endlich wieder (echter) Fußball! Nach drei Wochen Abstinenz darf der VfL mit Dynamo Dresden einen angeschlagenen Gegner an der Brücke begrüßen, der sich gegenüber dem Saisonstart sicherlich verbessert präsentieren möchte. Die Wende (keine politische Doppeldeutigkeit intendiert…) für Dresden muss jedoch noch auf sich warten lassen. In einem teilweise wilden Spiel mit vielen Torraumszenen behält der VfL letztendlich die Oberhand. Zwei Kopfballtore von Jacobsen und ein Abstauber von Riesselmann reichen zu einem 3:1 Heimsieg, der die bisherige Punkteausbeute in den zweistelligen Bereich hievt.


Prognose Frank Schneider / Ali Bölzen  (Osnabrücker Rundschau)

Das Chauvinismusmeter wird am Samstag im Gästeblock Werte im kritischen Bereich messen. Denn der Habitus der autoritären Männlichkeit ist zu Besuch im „Funpark Bremer Brücke“. Doch die SGD-Fans werden hier keinen Spaß haben: Das gesamtdeutsche Gestern der frühen 90er-Jahre kehrt für sie gruselig lebendig zurück – jene Zeit, in der es anstelle der versprochenen „blühenden Landschaften im Osten“ vielerorts vor allem Tristesse gab.

Der „Funpark Bremer Brücke“ entpuppt sich für die Dynamo-Fans als Kohlsche Wahlkampflüge, weil der VfL frech, mutig und zugleich erstaunlich reif auftritt. Ein Underdog-Fußball wird in Szene gesetzt, geprägt von aggressivem Gegenpressing – eine Spielweise, bei der Kloppo sein gesamtes Repertoire an affirmativen Gesten auspacken würde: von der geballten Faust über arbeitsschutzwidrig anmutende Sägebewegungen bis hin zu Lasso-Würfen im Lucky-Luke-Stil.

Ob Timo Schultz die wilde Jagd nach dem Ball und die erfolgreichen Eroberungen des Spielgeräts eher ostfriesisch oder kloppomanisch feiert, lässt sich nicht vorhersagen. Sicher ist hingegen: Robin Meißner wird zum großen Spielverderber aus Dresdner Sicht. Er crasht die Party wie ein antifaschistischer Punk, der Siegmund-Jüngern in den Tank ihrer Simsons pisst.

Nicht-vulgär ausgedrückt: Nach dem Wiederanpfiff spielt Beck einen zuckersteuerfreien Schokoladenpass in die Schnittstelle der Dresdner Abwehr. Robin Meißner antizipiert das Zuspiel, indem er sich als Raumdeuter auf Thomas-Müller-Niveau betätigt. Ballannahme und -mitnahme sind ebenso perfekt wie sein Laufweg. Plötzlich steht er an der Strafraumkante frei vor dem SGD-Torwart.

Wir VfL-Fans befinden uns angesichts dieser dramatischen Spielsituation in einem kognitiv-emotionalen Zwischenstadium: Unsere neuronalen Verschaltungen wissen nicht, ob sie zunächst das Haareraufen oder den Torjubel in Gang setzen sollen.

Doch für Robin Meißner sind in diesem Moment alle vergebenen Großchancen vergessen. Stattdessen entdeckt er den Harry Kane in sich: cool und abschlussstark wie der Bayern-Star versenkt der VfLer den Ball im Tor – zum großen Frust des Dynamo-Blocks.

Und die miese Laune der SGD-Fans verschlechtert sich in der Minute 90+X weiter. Kurz zuvor hatte Timo Schultz Badji aufs Feld gebracht. Und der „Decider“ tat, was ein „Decider“ eben tut: Er kam, dribbelte, schoss und traf – nach dem Schema des inversen Robben-Moves.

2:0 für den VfL. Gleichzeitig der Endstand.

Die SGD-Fans schieben ihre Simsons frustriert nach Hause, während die Party für uns VfL-Fans im „Funpark Bremer Brücke“ weitergeht. Die Mannschaft feiert mit und tanzt vor der Ostkurve zum Sound der „Starken Raucher“.

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